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Der Hollywood-Blockbuster „Verblendung“ mit Daniel Craig und Rooney Mara in den Hauptrollen wurde von einer US-Jury zum riskantesten Film 2011 gewählt.

Allianz-Tochter versichert Hollywood

München - Hollywood-Blockbuster kosten pro Drehtag mehrere hunderttausend Dollar. Um teure Verzögerungen zu vermeiden, sitzt Paul Holehouse – Risikoberater beim US-Versicherer Fireman’s Fund – am Set. Ein Blick hinter die Kulissen.

Daniel Craig hetzt als Journalist Mikael Blomkvist durch den Wald, während ein Unbekannter auf ihn schießt. Die Hackerin Lisbeth Salander, gespielt von Rooney Mara, jagd auf dem Motorrad durch die Nacht. Für den Zuschauer im Kino bietet „Verblendung“ – die Neuverfilmung des ersten Teils von Stieg Larssons Bestseller-Triologie „Millennium“ – viel Action. Vor jedem Faustschlag und jedem Motorrad-Sprung stand für Paul Holehouse allerdings eine sorgfältige Abwägung: Welche Gefahr kann der Hauptdarsteller eingehen? Wann ist ein Stuntmen nötig? Als Risikoberater beim US-Versicherer Fireman’s Fund geht es Holehouse vor allem um eines: Unfälle und teure Verzögerungen zu vermeiden.

„Am schlimmsten ist natürlich der Ausfall eines Hauptdarstellers“, sagt Holehouse. Viele Hollywood-Stars seien bereits für den nächsten Film gebucht. Selbst kleine Fehler hätten fatale Folgen. So kann der Ausfall eines Drehtages bei einem Hollywood-Blockbuster leicht 250 000 Dollar pro Tag kosten. Bei jeder Actionszene werde daher genau geprüft, wie groß das Verletzungsrisiko sei. Ist es zu groß, greift Holehouse ein – so auch bei „Verblendung“, der von einer Jury aus Versicherungsexperten und Risikoberatern zum riskantesten Film 2011 gekürt wurde.

„Der Film enthält viele Actionszenen, darunter auch eine gefährliche Motorradfahrt, die wir aus Sicherheitsgründen etwas entschärft haben“, sagt Holehouse. Um Unfälle zu vermeiden, sind Tricks erlaubt. Den waghalsigen Sprung vom Balkon übernimmt ein Stuntmen. Der echte Darsteller ist erst am Ende der Szene wieder zu sehen. „Bei Verblendung haben wir eine gefährliche Motorradfahrt von Hauptdarstellerin Rooney Mara auch dadurch entschärft, dass wir das Motorrad auf einen Anhänger montiert haben“, erzählt der Risikoberater. Der Vorteil: Auf dem Anhänger bleibt das Motorrad stabil.

Seit der Stummfilmzeit ist Fireman’s Fund Hollywoods führende Versicherung. Rund 80 Prozent aller US-Filme versichert die Allianz-Tochter. Das Spektrum reicht vom Independentfilm mit Mini-Budget bis zum millionenschweren Hollywood-Blockbuster. Allein in der Unterhaltungssparte von Fireman’s Fund sind mehr als 90 Versicherungsexperten beschäftigt. Umsatzzahlen nennt das US-Unternehmen nicht. Inzwischen hat der Versicherer sein Geschäft auf Bollywood ausgeweitet – der Filmmetropole Bombay in Indien.

Nicht nur wenn es kracht und scheppert, ist Holehouse gefragt. „Gefahren lauern überall.“ Aber nicht auf alle Risiken hat er Einfluss. Stichwort Wetter: „Wir müssen beispielsweise die Hurrikan-Saison in den USA einkalkulieren.“ Auch Drehortwechsel sind ein Risikofaktor. Bleibt etwa Filmausstattung beim Zoll hängen, drohen teure Verzögerungen. So sei „Verblendung“ auch deshalb als besonders riskante Produktion eingestuft worden, weil der Film an unterschiedlichen Orten in Schweden, Großbritannien und der Schweiz entstand, erläutert Holehouse. Bei Dreharbeiten in Afrika oder in Teilen Asiens sei dagegen die mangelnde Hygiene und die schlechte Gesundheitsversorgung ein Risiko.

Holehouse kennt Hollywood seit Jahrzehnten. Mehr als 15 Jahre arbeitete er für die Universal Studios. In dieser Zeit hat er auch das ein oder andere teure Missgeschick erlebt. „Beim Umbau einer Kulisse im Studio ist einmal die Bühne komplett abgebrannt“, erzählt Holehouse. Rasch musste ein neues Studio gefunden werden. Heute kann der Sicherheitsexperte über den Unfall schmunzeln. Damals war die teure Verzögerung alles andere als amüsant.

Steffen Habit

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