Allianz: Unisex-Tarif verteuert Versicherung

- München- Einheitliche Tarife für Frau und Mann verteuern tendenziell die Versicherungen. Das befürchtet sowohl die oberbayerische Europaparlamentsabgeordnete Angelika Niebler als auch Eckhard Marten, Sprecher der Allianz Leben. Der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments entschied jedoch bei der Beratung der "Richtlinie zur Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichbehandlung beim Zugang zu und bei der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen", dass nicht jede Differenzierung nach dem Geschlecht per se eine Diskriminierung darstelle.

<P>Bei sachlich gerechtfertigten Gründen wie der unterschiedlichen Lebenserwartung bei der privaten Altersvorsorge oder bei einem geringeren Unfallrisiko bei der Kfz-Versicherung dürfen die Versicherungen die Prämien weiter unterschiedlich festsetzen.<BR><BR>"Die Gretchenfrage lautet: Ist jede Unterscheidung nach Geschlecht diskriminierend?", fragt Niebler. Doch einen Eingriff hält Niebler für gerechtfertigt: Die Kosten für Schwangerschaft und Mutterschutz dürften nicht einseitig den Frauen aufgebürdet werden. "Es sind immer zwei beteiligt, wenn ein Kind auf die Welt kommt", sagte sie dazu. Ein entsprechender Antrag der Berichterstatterin Niebler wurde vom Rechtsausschuss mit Mehrheit angenommen. Die Richtlinie soll im März verabschiedet werden.<BR><BR>Auch Marten sieht keinen Vorteil für Kunden, wenn man von der Risiko-orientierten Kalkulation abwiche. Unisex-Tarife würden die Preise tendenziell nach oben drücken, weil die Versicherung immer so kalkulieren muss, dass das höchste Risiko gedeckt sei. "Eine Pflicht zu Einheitstarifen greift zudem in die Vertragsfreiheit zwischen Versicherer und Kunden ein", sagt Marten. Im Übrigen seien die Unterschiede für Frauen nicht nur von Nachteil.</P><P>Da ihr "Todesfallrisiko" geringer als das der Männer sei, zahlten sie für eine Risiko-Lebensversicherung niedrigere Prämien. Und auch wenn sie für die gleiche Prämie bei einer privaten Rentenversicherung eine geringere Rente bekommen, erhalten sie insgesamt mehr ausgezahlt, weil sie statistisch länger leben.<BR><BR>Was die private Krankenversicherung betrifft, so sind aus Sicht der Branche unterschiedliche Tarife gerechtfertigt, weil Frauen auch ohne Schwangerschaft und Mutterschutz höhere Kosten verursachten, schon allein, weil sie erheblich häufiger zum Arzt gingen.</P>

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