Allianz verzichtet bis 2009 auf Kündigungen

- München -­ Die Allianz macht nach öffentlicher Kritik Zugeständnisse bei ihrem massiven Stellenabbau in Deutschland. Bis mindestens Ende 2009 will der Versicherungskonzern nun auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten ­ zwei Jahre länger als geplant.

Zudem soll der bisher von der Schließung bedrohte Standort in Köln erhalten bleiben. Dafür fallen allerdings rund 250 Jobs in Hamburg weg. Am Ausmaß des bereits angekündigten Abbaus von 5700 Arbeitsplätzen im deutschen Versicherungsgeschäft will die Allianz nicht rütteln. 1040 Vollzeitarbeitsplätze seien bereits abgebaut worden, erklärte das Unternehmen.

"Gemeinsam mit den Betriebsräten haben wir Wege gefunden, im Zuge der Neuordnung die Interessen unserer Mitarbeiter noch stärker zu berücksichtigen, ohne dabei Abstriche an unseren betriebswirtschaftlichen Zielen zu machen", sagte der Chef der Allianz Deutschland AG, Gerhard Rupprecht.

Allianz-Gesamtbetriebsratschef Norbert Blix sprach von deutlichen Verbesserungen gegenüber dem ursprünglichen Konzept. Den Betriebsräten seien ein verbesserter Kündigungsschutz und beschäftigungssichernde Lösungen für besonders betroffene Standorte wichtig gewesen.

In einem Eckpunktepapier hieß es, bis Ende 2007 sollten weitere 2479 Stellen und bis Ende 2008 nochmals 2170 Vollzeitarbeitsplätze gestrichen werden. Ursprünglich hatte die Allianz den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen nur bis Ende 2007 zugesagt. Der von den bisherigen Plänen am härtesten getroffene Standort Köln solle nun als Spezialstandort für die Kfz-Versicherung erhalten bleiben, hieß es. Von den bisher 1100 Vollzeitstellen in Köln blieben so 431 bestehen. Dafür fielen in Hamburg rund 250 der bisher rund 1100 Arbeitsplätze weg.

Im Jahr 2009 wollen Betriebsrat und Unternehmensleitung Gespräche über weitere Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung wie Kündigungsschutz-Regelungen für die Zeit bis 2012 aufnehmen, kündigten beide an. "Nach erfolgreicher Umsetzung der Neuordnung sollen nach Zielsetzung der Allianz Deutschland AG die Unternehmen im Innendienst 14 230 Vollzeitarbeitsplätze bieten", hieß es. Bisher waren es gut 19 000 Innendienst-Jobs bei der Allianz Deutschland AG.

In den vergangenen Monaten hatten tausende Allianz-Beschäftigte gegen die Stellenabbau-Pläne demonstriert. Die Allianz will sich mit der Neuordnung in Deutschland für den schärfer werdenden Wettbewerb rüsten und Marktanteilsverlusten entgegensteuern. In den kommenden drei Jahren rechnet das Unternehmen dadurch mit Einspareffekten von 600 Millionen Euro.

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