Allianz will wieder durchstarten

- München - Die Allianz-Aktionäre murren über den schlechten Aktienkurs. Trotz kräftiger Gewinnzuwächse im operativen Geschäft teilen sie auch vielfach die Skepsis der Kapitalmärkte hinsichtlich einer nachhaltigen Gesundung des Finanzriesen.

<P>Der seit langem bröckelnde Kurs der Allianz-Aktie wirft einen dunklen Schatten auf die Erholung des einstigen Vorzeigeunternehmens. "Eigentlich stehen alle Zeichen auf Grün", meinte eine Aktionärsvertreterin mit Blick auf jüngste Gewinnsteigerungen des Allfinanzkonzerns zu dessen Hauptversammlung in der Münchner Olympiahalle. Der Aktienkurs dümple aber seit Monaten vor sich hin, was die Anlage für Aktionäre in den vergangenen zehn Jahren zu einem Nullsummenspiel gemacht habe. "Viel Schwung und Energie, aber alles versandet beim Kurs", meinte sie und fand damit breite Zustimmung.</P><P>"Mit dem Kurs sind wir wirklich unzufrieden", räumte Allianz-Chef Michael Diekmann ein. Er sei aber zuversichtlich, die Finanzmärkte noch mit der eingeschlagenen Wachstumsstategie überzeugen und der Aktie auf die Sprünge verhelfen zu können. Ein von Aktionären gefordertes Aktienrückkaufprogramm zur Kurspflege lehnte er ab. Das Management setze vielmehr auf Impulse durch private Altersvorsorge und anhaltende Profitabilitätssteigerungen bei der mühsam sanierten Tochter Dresdner Bank. </P><P>Aktionäre sind hier skeptischer. Die Frankfurter Großbank bilde unvermindert einen "Vertrauensmalus", weil ihre nachhaltige Gesundung noch bezweifelt wird, meinte eine Aktionärin. Andere Eigner sehen das durch die Verschmelzung von Versicherer und Bank entstandene Gebilde als so komplex an, als dass selbst Experten dessen Entwicklung noch verlässlich beurteilen könnten. "Die Allianz ist kaum zu bewerten", meinte ein Aktionärsvertreter, der zugeich Wirtschaftsprüfer ist. Schließlich sei am für die Allianz wichtigsten Markt Deutschland die Bürgerversicherung noch nicht vom Tisch. "Kommt sie, wäre das tödlich für die private Altersvorsorge", warnte ein Aktionär und dämpfte damit Diekmanns Euphorie zu Wachstumsschüben vor allem aus diesem Segment. </P><P>Der Allianz-Chef verwies auf die über Erwartung guten Ergebnisse des ersten Quartals 2005, die alle bisherigen Prognosen stützen würden. Die Allianz-Aktie konnte in einem unter Druck stehenden Dax zumindest leicht auf knapp 95 Euro zulegen ließ. Der neuerliche Ergebnissprung zum Start ins neue Jahr nach spürbaren Verbesserungen schon 2004 kommt nicht nur aus dem Verkauf von Versicherungspolicen, sondern auch von der Dresdner. </P><P>Angesichts dessen unterstrichen die Allianz-Manager das Gewinnziel von mindestens 700 (Vorjahr 142) Millionen Euro im Gesamtjahr für die Großbank. Auch der Gesamtkonzern steht 2005 vor einem deutlichen Ergebniszuwachs, bekräftigte Diekmann. Allein bilanzielle Sondereffekte dürften dafür sorgen, dass der Jahresüberschuss von 2,2 Milliarden Euro im Vorjahr um gut eine Milliarde Euro zulegt. Schon jetzt stellte Diekmann eine neue Dividendenerhöhung in Aussicht. Für 2004 wurde die Ausschüttung von 1,50 auf 1,75 Euro angehoben.</P>

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