Allianz-Beschäftigte fürchten wegen Konzernumbau um Jobs

- München - Der radikale Umbau von Deutschlands größtem Versicherungskonzern Allianz sorgt für Aufruhr bei den Beschäftigten. Nach den Ankündigungen von Allianz-Chef Michael Diekmann, das Deutschlandgeschäft zu bündeln und so auch Synergien zwischen den einzelnen Versicherungssparten besser zu nutzen, fürchten viele um ihre Jobs, sagt Uwe Foullong vom Vorstand der Gewerkschaft Verdi. "So eine Unruhe hat es in der Allianz noch nie gegeben."

Auch eine Konferenz mit Gesamtbetriebsräten in Stuttgart habe keine Klarheit über die genauen Auswirkungen für die Beschäftigten erbracht, kritisierte der Gewerkschafter. "Das ist wirklich ein Missstand."

Bisher will die Gewerkschaft nicht klagen

Verglichen mit anderen deutschen Finanzunternehmen konnte ein großer Teil der Allianz-Beschäftigten in den vergangenen Jahren aus Verdi-Sicht noch auf relativ sichere Arbeitsplätze bauen. Stellen wurden vorwiegend bei der lange verlustreichen Tochter Dresdner Bank gestrichen, die nach einem harten Sparkurs mittlerweile wieder auf Ertragskurs eingeschwenkt ist. Die Versicherungsbeschäftigten des deutschen Marktführers blieben dagegen von großen Einschnitten oder betriebsbedingten Kündigungen weitgehend verschont. Der Personalabbau von gut einem Prozent im deutschen Versicherungsgeschäft der Allianz im vergangenen Jahr nehme sich relativ bescheiden aus, sagt selbst Gewerkschafter Foullong: "Das ging mit natürlicher Fluktuation im Wesentlichen über Altersteilzeit und war insofern sozialverträglich."

Nun könnten durch die Bündelung des Deutschlandgeschäfts in einer Allianz Deutschland AG deutlich drastischere Schritte bevorstehen, fürchten die Beschäftigten. In die Gesellschaft soll das deutsche Geschäft mit Kranken-, Lebens- und die Sachversicherung der Allianz eingebracht werden. Zudem soll es eine neue, gemeinsame Vertriebsfirma geben. Bereits in der Vergangenheit habe man Bemühungen des Konzerns, Doppelarbeit abzubauen, durchaus konstruktiv begleitet, betont Foullong und fordert Standort- und Beschäftigungsgarantien. "Wir erwarten jetzt, dass die Mitarbeiter auch weiter im Unternehmen beschäftigt bleiben." Der Betriebsrat hält sich derweil zurück. Nach der Konferenz in Stuttgart wollte Konzernbetriebsrats-Chef und Aufsichtsrat Norbert Blix zunächst einmal die Betriebsräte informieren.

Sorgen treiben die Beschäftigtenvertreter auch in puncto Mitbestimmung um. Denn im Zuge der Umwandlung der Allianz in eine Europa AG soll der Aufsichtsrat des Allfinanz-Riesen von 20 auf zwölf Mitglieder verkleinert werden. Die Gewerkschaft fürchtet, dass dadurch die deutschen Arbeitnehmer-Interessen in dem Kontrollgremium ins Hintertreffen geraten, sehr viel angemessener sei eine Zahl von künftig 18 Aufsichtsratsmitgliedern.

Der Vorsitzende der Interessen-Gemeinschaft der Allianz-Vertreter, Udo Balshüsemann, versucht unterdessen, die Wogen unter seinen Kollegen zu glätten. "Es wird immer, wenn etwas verändert wird auf dieser Welt, Unmut aufkommen, weil es jetzt anders ist als gestern", sagt Balshüsemann. Sorge, dass man künftig als Allianz-Vertreter kein Geld mehr verdienen könne, habe er nicht, zumal die Verträge mit den Vertretern auch in der neuen Struktur eins zu eins übernommen werden sollten, und der Konzern nicht versuche, niedrigere Provisionen durchzudrücken. Die neue Vertriebsstruktur hält Balshüsemann für klarer, sie berge daher auch Chancen. "In Zukunft lässt sich klarer feststellen, was die Produktkosten und was die reinen Vertriebskosten sind."

Die Gewerkschaft warnt dagegen vor einem Kulturwechsel bei der Allianz. Bisher habe die Allianz den sozialen Konsens gepflegt, sagt Foullong. "Wir setzen darauf, dass Herr Diekmann keinen Schwenk vollführt." Nun müsse das Unternehmen aber erst einmal die Karten auf den Tisch legen. "Diese Unsicherheit muss schnellstens beendet werden."

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