Allianz-Chefvolkswirt: Konjunktur springt an

- München - Selten wurde von einer Regierung vor ihrem Start so wenig erwartet wie von der Großen Koalition. Und selten hat eine Regierung nach ihrem Start so viel Vorschusslorbeeren bekommen, wie die gegenwärtige von der Zunft der Ökonomen. Wäre nicht die Mehrwertsteuererhöhung 2007, dann hätte Michael Heise wohl gar nichts auszusetzen an der Politik. Und selbst dabei fand der Chefvolkswirt des Allianz-Konzerns gestern im Münchner Presseclub, dass die Richtung stimmt: "Erst ein kleines Konjunkturpaket, dann die Konsolidierung. Das könnte funktionieren."

Allerdings hofft Heise, dass der Konjunkturfunke so sehr zündet, dass die konsum-bremsenden 19 Prozent zur Haushaltskonsolidierung nicht mehr nötig sind. "Schon heuer sind wir sehr nah am Maastricht-Kriterium", prognostiziert er und hofft beim Thema Mehrwertsteuer auf einen Aufschub oder darauf, dass mit dem Geldsegen aus den Geldbeuteln der Bürger ganz andere Dinge als Haushaltslöcher finanziert werden. Den Umbau der Sozialsysteme hat er im Auge. Ein entsprechendes Reformpaket würde in seinen Augen eine Steuererhöhung rechtfertigen. "Ich denke, dass wir noch 2006 eine Diskussion über die Angemessenheit der höheren Mehrwertsteuer bekommen." Bei 2,1 Prozent Staatsdefizit für 2007 zeichne "sich ein Spielraum ab".

"Weniger Spielraum sieht Heise immer noch für Lohnerhöhungen. Dann würde das zarte Pflänzchen schnell wieder welken." Die Lohnzurückhaltung der letzten Jahre sieht er als Hauptursache für die Exporterfolge Deutschlands. Vor allem weil die tatsächlichen Löhne mit 0,8 Prozent hinter den tariflichen Erhöhungen zurückgeblieben sind. "Nur zwei Länder haben in den letzten Jahren Weltmarktanteile dazugewonnen", sagt er, "China und Deutschland." Das sei bemerkenswert in einer Zeit, "in der immer mehr Wettbewerber auf den Markt kommen". "Auch die Wertschöpfung in Deutschland ist angestiegen", sagt Heise und setzt sich damit von Ifo-Chef Hans-Werner Sinn ab, der die Exporterfolge ausschließlich auf importierte Vorprodukte zurückführt.

Nun zeigen sich für Heise auch erste positive Auswirkungen auf den Binnenmarkt: "Die Investitionen ziehen an", sagt er, wozu es höchste Zeit sei. Vor allem sieht er die Bauwirtschaft auf dem Erholungspfad: "Die lange schmerzhafte Krise mit gewaltigen Beschäftigungsverlusten ist allmählich überstanden."

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