Allianz-Mitarbeiter bleiben trotz Milliarden-Gewinn verunsichert

- München - Michael Diekmann nannte an diesem Tag viele Zahlen. Umsatz über 100 Milliarden Euro, Gewinn fast verdoppelt auf 4,4 Milliarden Euro, gut ein Drittel mehr Eigenkapital, nämlich 39,5 Milliarden Euro - nur eine Zahl, auf die die rund 72 000 Mitarbeiter im Inland beunruhigt warteten, nannte der Allianz-Chef nicht: Wie viele Arbeitsplätze der in Angriff genommene radikale Konzernumbau letztlich kosten wird.

Erst im Sommer sollen Zahlen auf den Tisch kommen, wenn der Vorstand mit den Arbeitnehmervertretern die Sachlage erörtern wird. Diekmann betonte, dass das laufende Programm keines zum Stellenabbau, sondern eins zur Modernisierung des Geschäftsmodells sei. "Wir sind dabei, unsere Strukturen in Europa stark zu vereinfachen, sie schlanker und effektiver zu machen, um unser profitables Wachstum noch weiter zu steigern." Er habe Verständnis dafür, dass die Mitarbeiter bislang wenig Begeisterung zeigten. Es sei eine "fast unmenschliche Herausforderung", einerseits Unruhe ins Unternehmen zu bringen, weil die Mitarbeiter nicht wüssten, was der Konzernumbau für sie bedeutet, und andererseits Zufriedenheit zu erwarten. Nur könne er noch keine Zahl nennen, weil noch keine feststehe, sagte Diekmann. Bisher wurde lediglich der Abbau von 700 Stellen im Vertriebsinnendienst bekanntgegeben. Arbeitnehmer-Vertreter befürchten, dass mehrere tausend Arbeitsplätze gestrichen werden.

Die Allianz hat im vergangenen Jahr ihr Kranken-, Lebens- und Sachversicherungsgeschäft unter einem Holding-Dach gebündelt. Zugleich wird die Allianz die italienische RAS vollständig übernehmen und im Zuge der Verschmelzung die Rechtsform einer Europäischen Aktiengesellschaft annehmen. Damit übernimmt der Konzern in Deutschland eine Vorreiterrolle.

Weiter reduziert hat die Allianz Beteiligungen an deutschen Großkonzernen. Zweitgrößter Beteiligungsbrocken nach der Münchener Rück ist Schering. Die Allianz hält 11,4 Prozent an dem Berliner Pharmakonzern und ist damit der größte Einzelaktionär. Wie sich die Münchner in Sachen Übernahme-Angebot des Schering-Konkurrenten Merck entscheiden werden, stehe noch nicht fest, sagte Finanzchef Paul Achleitner. Die Übernahme-Offerte als solche bewertete er als "eine Art Reifezeugnis" für den deutschen Kapitalmarkt. Das Geschäft werde nicht hinter verschlossenen Türen ausgehandelt, sondern Merck habe sich ruhig und unaufgeregt direkt an die Eigentümer gewandt. Großes Lob sprach er der Politik aus, dafür, dass sie sich nicht einmische. Bei der Entscheidung gehe es um den angemessenen Wert und in dieser Frage will sich die Allianz - "wie die anderen Aktionäre auch" - zu gegebener Zeit festlegen. Dass die Investmentbank und Allianz-Tochter Dresdner Kleinwort Wasserstein Schering zur Seite steht, sei keine Vorentscheidung. "Wir sind völlig frei, was den Aktienanteil betrifft. Da gibt es keinen Interessenskonflikt", erklärte auch Diekmann.

Im kommenden Jahr will die Allianz ihren Umsatz von 100,9 auf 104 Milliarden Euro steigern. Das operative Ergebnis soll von 7,7 auf 8,3 Milliarden Euro klettern. Auch beim Überschuss (4,4 Milliarden) soll es ein Plus von 10 Prozent geben, kündigte der Allianz-Chef an. Hohe Anforderungen stellt man auch heuer wieder an die Dresdner Bank, die 2005 erstmals ihre Kapitalkosten verdiente und den operativen Gewinn um ein Drittel auf 775 Millionen Euro steigerte. 1,3 Milliarden hat der Mutterkonzern hier als Zielmarke.

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