Allianz-Stellenabbau: Gewerkschaft fordert ein Kündigungsverbot

- München - Der Abbau von 7500 Stellen bei der Allianz schlägt hohe Wellen. Gewerkschaften verlangen ein Eingreifen der Politik bis hin zu einem Kündigungsverbot. Unterdessen deutet sich auch bei Siemens ein weiterer Stellenabbau an.

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld schließt einen erneuten Abbau von Arbeitsplätzen nach der Auflösung der Telekommunikationssparte nicht aus - "das ist in einem Unternehmen, das so vielschichtig aufgestellt ist wie Siemens, nicht möglich", sagte Kleinfeld der "Welt am Sonntag". Diesmal könnte es den IT-Dienstleister SBS betreffen. "Wir arbeiten an der strategischen Reorientierung", sagte Kleinfeld. Er bekräftigte die Renditevorgaben für alle Sparten, die sich an den jeweils besten Wettbewerbern orientieren.

Die Allianz hatte vergangene Woche angekündigt, trotz Milliardengewinnen 7500 Stellen bei der Versicherung und der Tochter Dresdner Bank zu streichen. Als Konsequenz haben Gewerkschaftsvertreter die Bundesregierung eindringlich zu Gegenmaßnahmen aufgefordert. Die Gewerkschaft Verdi verlangte ein gesetzliches Kündigungsverbot für profitable Unternehmen. "Wir erwarten, dass die Bundesregierung Stellung bezieht", sagte das Verdi-Vorstandsmitglied Uwe Foullong dem "Tagesspiegel am Sonntag". Er warnte vor gesellschaftlichen Verwerfungen: "Wenn immer mehr Unternehmen trotz hoher Gewinne Arbeitsplätze vernichten, erschüttert das den Glauben der Bürger an die soziale Marktwirtschaft und an die demokratisch ausgerichtete Verfassung."

DGB-Chef Michael Sommer forderte die Große Koalition auf, das Verhältnis von Subventionen und Gegenleistungen in Form von Arbeitsplätzen wieder ins Lot zu bringen. Sommer nannte den Versicherungskonzern ein trauriges Beispiel für Unternehmen, denen Profit allemal wichtiger sei als ihre soziale Verantwortung in Deutschland. "Es gibt in diesem Land Unternehmen, die sich als vaterlandslose Gesellen herausstellen", sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes. In Richtung Bundesregierung kritisierte Sommer, die geplante Halbierung des Körperschaftssteuersatzes sei ein "nicht zu rechtfertigendes Steuergeschenk" für die Unternehmen. Das könne dazu führen, "dass Koalition und Gewerkschaften wie zwei Züge aufeinander rasen".

Der Bank- und Börsenexperte Wolfgang Gerke forderte die Gewerkschaften auf, sich weltweit zu organisieren, um ein Gegengewicht zu den Wirkungen des globalisierten Kapitals aufzubauen. Angesichts des Abbaus tausender Stellen bei der Allianz und anderen Konzernen in Deutschland kritisierte Gerke, dass Menschen zusehends nur noch als Kostenfaktor behandelt würden.

Dies gefährde die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft und stelle letztlich auch den Kapitalismus als System in Frage. "So kann es nicht endlos weitergehen. Wir brauchen eine Rückbesinnung: Die Arbeit des Menschen muss wieder einen höheren Preis bekommen", mahnte Gerke. Nötig sei die Definition weltweiter Mindeststandards, um den Trend zu Jobverlagerungen zu bremsen, sagte er.

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