Alpen-Allianz will Toll Collect kippen

- München/Wien - Die Deutschen schaffen's nicht - jetzt droht Nachhilfe von Italien, Österreich und der Schweiz. Nach Informationen unserer Zeitung wollen sich die Mautbetreiber der drei Länder zusammentun und dem deutschen Trauerspiel um Toll Collect ein Ende setzen.

<P>Im Streit um die Lkw-Maut will Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe erst kommende Woche das neue Toll-Collect-Angebot bewerten. Er dürfte gleich in ein paar weiteren Offerten blättern. Die Pannenserie und die immer neuen Aufschübe des Mautstarts geben internationalen Konkurrenten Aufwind. Zwei neue Angebote liegen dem Verkehrsministerium nun aus Italien und der Schweiz vor. So hat die von Benetton kontrollierte italienische Mautbetreiberfirma Autostrade dem Verkehrsministerium bereits im Dezember einen ersten Vorschlag für ein Maut-System nach dem Modell Österreichs vorgelegt. Bei der Offerte würde Autostrade der deutschen Regierung die Zahlung der vollen Summe der Mauteinnahmen ab 1. Juli 2004 garantieren.</P><P>"Das österreichische Mautsystem ist nicht satellitengestützt wie das projektierte deutsche, sondern arbeitet mit Mikrowellentechnik. Dafür funktioniert es aber auch", sagte Peter Newole, Geschäftsführer der Firma Europpass, unserer Zeitung. Das Unternehmen ist eine 100-Prozent-Tochter der italienischen Autostrade.</P><P>Dass das Mautsystem von Toll-Collect betrieblich nie funktionieren werde, hatte der Europpass-Chef bereits im Januar vorhergesagt: "Grundproblem ist, dass das Mautkonsortium keine Ahnung von der Maut hat." Die Österreicher haben seit ihrem Mautstart am 1. Januar bereits 50 Millionen Euro Einnahmen kassiert, 260 000 Brummis auf der Autobahn registriert und eine extrem niedrige Mautpreller-Rate von 1,8 Prozent verzeichnet. Newoles Ziel: "Wir wollen bis März auf unter ein Prozent kommen."<BR>Außerdem treten die Schweizer Mautsystem-Firma Fela und das Elektronik-Unternehmen Thales auf den Plan. Insider sehen bereits jetzt ein mögliches Szenario: So wollen die Autostrade und die Schweizer gemeinsam das Maut-Projekt in Deutschland durchziehen. Fela hatte sich seinerzeit bei der Ausschreibung um das deutsche Mautsystem beworben. Das Angebot war aber abgelehnt worden, da die Firma nicht die nötige Finanzkraft für eine große Lösung besitze. Nun wäre eine neue Ausschreibung nötig.</P><P>Verkehrspolitiker halten es für ein realistisches Szenario, dass der Milliarden-Auftrag Maut dem deutschen Betreiber (hinter dem Daimler-Chrysler und die Telekom stehen) durch die Lappen geht. "Wenn sich die ausländischen Firmen zusammentun, ist das nicht abwegig", sagte Bayerns Verkehrsminister Otto Wiesheu unserer Zeitung: "Die Österreicher haben die Maut seriöser geplant. Und bei uns glaubt so schnell kein Mensch mehr, dass die Maut bald funktionieren wird."</P><P>Für Deutschland wäre das, so Wiesheu, dann ein "noch größeres Schlamassel". Der CSU-Politiker fordert Stolpe zum Handeln auf. Noch immer bestünden neben technischen Pannen rechtliche Probleme mit der EU-Kommission, ehe die Maut starten könne. Im administrativen Bereich in Berlin sei "genauso geschludert worden wie bei den Firmen".</P>

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