"Also Leute, nach vorn"

- Bonn - ­ Schon zum dritten Mal tritt René Obermann bei der Telekom in die Fußstapfen von Kai-Uwe Ricke. Die neue Nummer 1 an der Konzernspitze hatte schon Rickes Posten als Chef von T-Mobile-Deutschland und von T-Mobile-International geerbt. Jetzt ist der 43-Jährige der Chef vom Ganzen. Branchenkennern steht er für die gleiche Richtung wie Ricke. Aber: Ihm wird mehr Durchsetzungskraft attestiert. Die wird er brauchen, denn im Konzern warten einige Baustellen.

Nicht einmal zwei Stunden nach seiner Berufung schwört Obermann die Belegschaft energisch auf die Zukunft ein: Im Fokus der Arbeit müsse "das ganz immens wichtige Geschäft in Deutschland stehen". Kurzfristig sei das Weihnachtsgeschäft das Ziel. Langfristig gibt der neue Chef ein durchaus ehrgeiziges Ziel vor: Die Maxime laute, "absolute Weltklasse" zu werden.

Auch zu den atmosphärischen Rahmenbedingungen hat er klare Vorstellungen: "Nach innen loyal und kraftvoll" müsse gearbeitet werden. Dass weiterhin "die eine oder andere wenig lustige Indiskretion" nach außen dringe, ist in diesem Plan nicht vorgesehen. Raus aus den Negativschlagzeilen, die Moral wieder stärken, Stolz auf den magentafarbenen Riesen bei den Mitarbeitern wecken: Das ist seine Devise. Und war der Beifall der Mitarbeiter zu Beginn seiner Rede noch etwas zaghaft, ist der Applaus nach seinen Worten umso lauter.

Dass sein neuer Job kein leichter ist, weiß Obermann. Die Kosten senken, den Service verbessern ­ das sei ein Spagat, räumt er ein. Dennoch gibt er sich zuversichtlich und spricht von einer "chancenreichen Ausgangslage".

Da mag es helfen, dass Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel ihm eine "führungsstarke Unternehmerpersönlichkeit" bescheinigt. In der Tat hat sich Obermann zunächst nicht im Konzern als Angestellter hochgedient, sondern einen etwas anderen Karriereweg gewählt. Nach Abitur und Bundeswehr machte er eine kaufmännische Ausbildung bei BMW. Das anschließende VWL-Studium schmiss er noch vor dem Vordiplom hin und widmete sich seiner 1986 gegründeten Firma ABC Telekom. Zur Telekom wechselte er 1998 und rückte schließlich 2002 in den Konzernvorstand auf.

Obwohl Vorgänger Ricke nur zwei Jahre älter ist, wirkt der Amtsantritt des lockerer und optimistischer auftretenden Obermann wie ein Generationenwechsel bei der Telekom. "Ehrgeizig, zielstrebig, geradlinig und auch perfektionistisch", beschrieb das "Handelsblatt" den neuen Telekom-Chef einmal. Und die "Sonntags-FAZ" meint, Ricke habe zu lange auf Konsens gesetzt. "Obermann dagegen haut schon mal auf den Tisch."

Auch Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz, erklärt: "Obermann steht im Zweifel für mehr Durchsetzungskraft, aber auch für die gleiche Richtung wie Ricke. Rickes Problem sei wohl auch gewesen, zu spät angefangen zu haben."

Zögerlich wirkt Obermann an seinem ersten Tag als Telekom-Chef jedenfalls nicht. Und etwaige Quertreiber in den eigenen Reihen wünscht er auch nicht: "Wettbewerb ist draußen, nicht im eigenen Haus. Also Leute, nach vorn ist die Devise."

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