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Der Verwaltungsrat von Alstom tendiert laut Medienberichten im Übernahmepoker zu General Electric.

Übernahme-Poker

Alstom lehnt offenbar Siemens-Angebot ab

Paris/New York - Ist das die Entscheidung im Übernahmepoker um den französischen Industriekonzern Alstom? US-Rivale General Electric bietet mehr als 12 Milliarden Euro für die Energietechnik der Franzosen. Für Siemens zeichnet sich ein Rückschlag ab.

Im Übernahmepoker um den französischen Industriekonzern Alstom ist eine Vorentscheidung gegen das Angebot des deutschen Konkurrenten Siemens gefallen. Der Verwaltungsrat von Alstom empfahl den Aktionären am Mittwoch eine bindende Offerte des US-Konkurrenten General Electric (GE). Dieser will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen. Die Bahntechnik-Sparte mit dem Bau der weltbekannten TGV-Hochgeschwindigkeitszüge wäre davon nicht betroffen.

Die strategischen und industriellen Vorzüge des GE-Angebotes seien vom Verwaltungsrat einstimmig anerkannt worden, teilte Alstom mit. Vorstandschef Patrick Kron kommentierte: „Die Kombination der sich in hohem Maße ergänzenden Energie-Geschäfte von Alstom und GE würde eine wettbewerbsfähigere Einheit schaffen, die Kundenbedürfnisse besser bedienen kann.“ Die Alstom-Führung hält nach Informationen der Zeitung „Le Figaro“ eine Übernahme durch Siemens für zu kompliziert - vor allem, weil es zu viele Überschneidungen in der Produktpalette gebe.

Das Angebot von GE soll nun noch bis Ende Mai von unabhängigen Mitgliedern des Alstom-Verwaltungsrates geprüft werden. Zu dem am Dienstag von Siemens bekundeten Interesse äußerte sich das Unternehmen in der Mitteilung lediglich mit drei Sätzen am Rande. Wenn Siemens auch ein konkretes Angebot vorlegen wolle, werde es in fairer Weise einen Zugang zu den notwendigen Informationen bekommen, teilte Alstom mit. Dieses werde dann ebenfalls geprüft. Siemens wollte sich am Mittwoch zunächst nicht zum GE-Übernahmeangebot äußern.

Nach Angaben aus Verhandlungskreisen in Paris hat Siemens Alstom am Dienstag angeboten, seine komplette Transportsparte inklusive des ICE- und Metro-Baus an Alstom abzugeben, wenn es im Gegenzug die Energietechniksparte kaufen könnte. Die Münchner bewerteten letztere mit 10,5 bis 11 Milliarden Euro. An dem neuen, auf Bahntechnik spezialisierten Unternehmen Alstom würde Siemens laut „Figaro“ einen Anteil von 19 Prozent beanspruchen. Lediglich die Signaltechnik würde es unter dem eigenen Dach behalten wollen. Siemens zeigte sich demach enttäuscht über mangelnde Kooperationsbereitschaft von Alstom-Chef Kron.

Im Fall einer Übernahme der Energietechnik-Sparte durch General Electric will Alstom die deutlich kleinere Bahntechnik-Sparte als eigenständiges Unternehmen fortführen. Der Transportsektor sei ein dynamischer Wachstumsmarkt, so Sparten-Chef Henri Poupart-Lafarge. Die Börse reagierte äußert positiv auf das GE-Angebot. Der Kurs der Alstom-Papiere legte am Vormittag um mehr als neun Prozent zu. GE erwartet nach eigenen Angaben, dass das Geschäft 2015 abgeschlossen werden könnte.

Der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg betonte in einer ersten Stellungnahme, es gebe noch keine endgültige Entscheidung über eine Übernahme. Er hatte in den vergangenen Tagen mit Empörung darauf reagiert, dass Alstom wochenlang ohne sein Wissen nur mit General Electric verhandelt hatte. Die Regierung in Paris fürchtet eine Verlagerung von Arbeitsplätzen und Entscheidungszentren, sollte GE den Zugriff auf Alstom bekommen. Paris hat stattdessen angedeutet, einen Geschäftsfeldertausch zwischen Siemens und Alstom zu bevorzugen. Die französische Regierung erhofft sich, dass zwei europäische Weltmarktführer entstehen könnten - einer im Bereich Bahntechnik, der andere im Bereich Energie.

Als ein Beispiel für die sich ergänzenden Geschäfte mit GE nannte Alstom am Mittwoch die erneuerbaren Energien. Im Bereich der Windkraft sei Alstom stark im Bau von Anlagen auf See, GE hingegen im Bau von Anlagen an Land. Im Bereich der Wasserkraft sei Alstom ein wichtiger Player auf dem Weltmarkt, während GE dort gar nicht vertreten sei.

dpa

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