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Die neue elektronische Gesundheitskarte zeigt erstmals ein Bild des Versicherten. Weitere Funktionen wie elektronische Patientenakte oder Online-Rezept sollen erst in den nächsten Jahren eingeführt werden.

Einigung

Alte Gesundheitskarte bleibt vorerst gültig

München - Seit 1. Januar gilt die neue elektronische Gesundheitskarte. Doch auch die alte Chipkarte kann vorläufig noch verwendet werden. Darauf haben sich Krankenkassen und Ärzte geeinigt.

Die bisherige Versichertenkarte ist völlig veraltet. Seit Jahren soll sie daher durch die neue elektronische Gesundheitskarte abgelöst werden. Doch das Milliarden-Projekt kommt nur im Schneckentempo voran, weil sich Krankenkassen, Ärzte, Kliniken und Apotheken gegenseitig blockieren. Mal geht es um die Verteilung der Kosten, mal um den Zeitplan oder den Datenschutz.

Kein Wunder also, dass es auch zum offiziellen Start ordentlich kracht. Der Auslöser: Wie lange sind die alten Karten noch gültig? Die Krankenkassen hatten zunächst verbreitet, alte Chipkarten würden Ende des Jahres ihre Gültigkeit verlieren. Daraufhin widersprachen die Ärzteverbände vehement. Als Kompromiss wurde eine Übergangsfrist bis Ende September vereinbart.

Rund 95 Prozent der etwa 67 Millionen gesetzlich Versicherten haben bereits die neue Gesundheitskarte. Die einzig sichtbare Änderung: Die neue Karte zeigt ein Bild des Versicherten. Damit soll der Missbrauch gestohlener Karten eingedämmt werden. Neben dem Foto sind wie bisher die Versichertendaten wie Name, Geburtsdatum und Geschlecht gespeichert. Ursprünglich sollte die intelligente Karte mit Zusatzfunktionen wie elektronischer Patientenakte und Online-Rezept starten. Aber auch nach zehn Jahren Entwicklung bleibt dies vorerst Zukunftsmusik. Die neue Gesundheitskarte ist nur eine abgespeckte Variante.

Im Streit um die Übergangsfrist haben sich die Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung auf einen Kompromiss geeinigt. Dieser sieht vor, dass die alten Versichertenkarten zunächst bis Ende September gültig bleiben. „Wir wollen nicht, dass Personen, die aus welchem Grund auch immer nach dem Jahreswechsel lediglich über eine alte Krankenversichertenkarte verfügen, bei der Behandlung in der Arztpraxis ein Problem bekommen“, sagt Florian Lanz, Sprecher des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Was ab Oktober gilt – darüber gehen die Auffassungen auseinander.

Bayerns Ärzte halten die Übergangsfrist bis Ende September rechtlich für nicht bindend: „Relevant für den behandelnden Arzt ist lediglich das auf der Versichertenkarte aufgedruckte Gültigkeitsdatum“, betont Wolfgang Krombholz, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Da noch Karten mit Gültigkeit bis ins Jahr 2015 in Umlauf sind, könnte die Übergangsfrist deutlich länger ausfallen. Das Bundesgesundheitsministerium weist diese Auslegung zurück. Der Gesetzgeber sei davon ausgegangen, dass die elektronische Gesundheitskarte die Krankenversichertenkarte ersetzt und diese mit der flächendeckenden Einführung der Gesundheitskarte ihre Gültigkeit verliert. „Da dieser Termin bei der Ausgabe der Krankenversichertenkarte nicht bekannt war, konnte er beim aufgedruckten Gültigkeitsdatum nicht berücksichtigt werden“, so das Ministerium.

Übergangsfrist hin oder her – wer noch eine alte Versichertenkarte im Portemonnaie hat, sollte sich schleunigst eine neue Karte besorgen. Denn immer mehr Praxen werden die herkömmlichen Karten nicht mehr lesen können. Der GKV-Spitzenverband geht daher davon aus, dass sich der Streit um die Übergangsfristen in den nächsten Monaten ganz von alleine löst.

Um eine neue elektronische Gesundheitskarte zu bekommen, wendet man sich an seine Krankenkasse. Dort gibt es entsprechende Formulare. Zudem muss der Versicherte ein Passfoto einschicken.

Während Ärzte und Kassen noch um Übergangsfristen ringen, droht bereits neuer Ärger. Diesmal geht es um den sogenannten Abgleich der Versichertenstammdaten. Dabei sollen Ärzte die auf der Karte gespeicherten Versichertendaten mit den Informationen der Krankenkassen abgleichen. Änderungen wie eine neue Adresse könnten dann gleich in der Praxis auf der Karte gespeichert werden. Doch die Ärzte wehren sich gegen den zusätzlichen Verwaltungsaufwand. Zunächst sind erste Tests geplant. Der erbitterte Streit um die elektronische Gesundheitskarte geht also weiter.

Steffen Habit

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