Das alte Telefon soll für immer verstummen

- München - Das gute alte Telefon soll verstummen. Das Handy soll künftig nicht mehr zusätzlich zum heimischen Festnetz-Anschluss genutzt werden, sondern an seiner Stelle. Darauf zielt der Mobilfunkanbieter E-Plus in Deutschland ab. Mit einem neuen Tarif für Gespräche vom Mobiltelefon ins Festnetz will das Unternehmen "langfristig das Handy zum Telefon Nummer eins" machen, wie Deutschland-Chef Uwe Bergheim im Gespräch mit unserer Zeitung sagte. In der Branche rechnet man mit weiter sinkenden Gesprächsgebühren bei der Mobiltelefonie.

<P>233 Milliarden Minuten werden jährlich von deutschen Festnetz-Anschlüssen vertelefoniert. Vom Handy sind es gerade mal 34 Milliarden Minuten. Darin sieht E-Plus-Chef Bergheim ein erhebliches Wachstums-Potenzial für die Mobiltelefonierer. Das Unternehmen bietet seit Anfang des Monats Tarife, mit denen bundesweit für 3 Cent pro Minute ins Festnetz telefoniert werden kann. </P><P>"Wir können damit langfristig das Telefonier-Verhalten ändern", sagte Bergheim. In einer viermonatigen Testphase habe sich "jeder zweite Neukunde für diese Tarife entschieden".<BR><BR>Damit will E-Plus sowohl den Festnetz-Giganten Deutsche Telekom attackieren als auch seinen Münchner Mobil-Konkurrenten O2. Der bietet bei seinem Genion-Tarif günstige Telefonate ins Festnetz von einer Home-Zone aus, die ein Gebiet von mehreren hundert Metern umfasst.<BR><BR>Mit der Offensive von E-Plus verstärkt sich der Druck auf die Preise für Handy-Gespräche. "Wir haben schon im letzten Jahr viel mit diesem Thema gespielt", erklärt eine Sprecherin von Vodafone. So legte der Anbieter etwa Sondertarife für Gespräche am Abend und am Wochenende auf. Und das Preisniveau gebe weiter nach, heißt es in dem Unternehmen. </P><P>"Sicher ist diese Tendenz generell feststellbar", bestätigt eine Sprecherin von O2. Auch bei Auslandsgesprächen, für die bislang vom Handy meist hohe Gebühren anfallen, rechnet E-Plus-Chef Bergheim mit rutschenden Tarifen. Es werde aber "keine eklatanten Einbrüche geben".<BR><BR>Der Wettbewerb mit O2 könnte sich für E-Plus bald erledigt haben. Seit das Übernahme-Angebot der E-Plus-Mutter KPN für MMO2 bekannt wurde, rechnen Branchenexperten verstärkt mit einer baldigen Fusion - obwohl die O2-Mutter die Offerte ablehnte. "Im Moment sind die Gespräche beendet", sagte Bergheim. "Aber natürlich ist die Konsolidierung in Deutschland und Europa damit nicht am Ende." Auch eine Konstellation, die eine KPN-Partnerschaft mit anderen Unternehmen als O2 beinhaltet, hält der deutsche E-Plus-Chef für denkbar. "Es gibt mehr als diese eine Möglichkeit."<BR></P>

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