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Ins Internet mit Lichtssignalen: Techniker der Telekom beim Verlegen von Glasfaserkabeln.

Alte TV-Frequenzen bringen DSL ins Dorf

München - Das schnelle Internet für alle rückt näher. In dünnbesiedelten Gegenden werden dazu freigewordene Fernseh-Frequenzbänder genutzt.

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TV-Kabel bringt schnelles Internet

Bis Ende 2010 soll fast jeder Deutsche Zugang zum schnellen Internet haben können. Selbst in abgelegenen Dörfern soll eine Übertragungsgeschwindigkeit von immerhin einem Megabit pro Sekunde möglich werden. Größtes Hindernis für die Versorgung des flachen Landes sind bisher die enormen Kosten, die eine Anbindung über Kabel erfordert. Weitaus billiger und damit für die Betreiber interessanter ist es, diese Regionen per Funk zu vernetzen.

Versuchen in dieser Richtung war bisher wenig Erfolg beschieden. Doch nun gibt die digitale Dividende Anlass zur Hoffnung. So nennt man die Frequenzbänder, die frei geworden sind, seit das Fernsehen auf die digitale Übertragungstechnik DVB-T umgestellt ist. Sie gelten als günstiger als die bisher verwendeten Frequenzbänder im Gigahertz-Bereich und sollen voraussichtlich im zweiten Quartal 2010 versteigert werden.

Das Mindestgebot für die sechs Frequenzblöcke zu jeweils zehn Megahertz ist auf je 2,5 Millionen Euro festgesetzt, zusammen brächte also die digitale Dividende mindestens 15 Millionen Euro. Zusätzlich werden noch Blöcke in höheren Frequenzbereichen versteigert, die nach der ersten UMTS-Auktion nicht genutzt wurden oder für die Bundeswehr vorgesehen waren.

Streit gibt es um die komplizierten Versteigerungsregeln, die 181 Seiten umfassen. Die Netzagentur hat darin die Bietrechte der großen Mobilfunkanbieter Telekom und Vodafone auf je 20 Megahertz beschränkt. Zu wenig, finden die kleineren Anbieter E-Plus und O2. Sie wollen klagen.

Immerhin würden bei der Versteigerung nach diesen Regeln für die Kleinen mit zusammen 30 Prozent Marktanteil möglicherweise nur 20 Megahertz bleiben – so viel wie sich jeder der Großen schnappen darf. Nach Einschätzung von Experten bleibt dann einer auf der Strecke, da ein Betrieb mit nur zehn Megahertz unwirtschaftlich wäre.

Matthias Kurth, Chef der Bundesnetzagentur, räumt das ein, betont aber: „Jede Auktion ist offen. Es gibt hunderte von Szenarien. Wir wollen ja gar nicht viel Geld erzielen, sondern den leistungsfähigsten Bewerber finden. Der sich bei der Auktion durchsetzt, ist nach Meinung aller Experten der, der auch am ehesten die Gewähr dafür bietet, dass er nachher auch das Netz ausbaut.“. Hinter E-Plus und O2 stünden mit der niederländischen KPN und der spanischen Telefonica potente Konzerne.

Vom Streit der Telekommunikationsbetreiber könnte ein Dritter profitieren: Die Bundesnetzagentur will auch Neulinge anlocken, indem sie ihnen ein Bietrecht für sogar 40 Megahertz einräumt. So könnten Infrastrukturanbieter unabhängig von Telekom und Co. ein offenes Netz errichten und dann mehreren Nutzern anbieten. „Solche Überlegungen gibt es“, sagt Kurth.

Den Netzausbau will die Regulierungsbehörde durch rigide Anforderungen sicherstellen: Die Unternehmen müssen sich verpflichten, mit den ersteigerten Frequenzen zunächst Gemeinden oder Städte mit höchstens 5000 Einwohnern zu versorgen, dann die bis 20 000 Einwohner, danach bis 50 000 Einwohner und erst zuletzt auch Großstädte.

Die digitale Dividende allein reicht nicht, um ganz Deutschland an die Hochgeschwindigkeits-Datenautobahn anzubinden. Lichtleitende Glasfaser gilt langfristig als Mittel der Wahl – vor allem in den Ballungsgebieten. Doch das ist teuer. Laut dem Branchenverband Bitkom sind 30 Milliarden Euro notwendig, um die Ausbauziele der Bundesregierung zu erfüllen. Andere Schätzungen gehen von 50 Milliarden Euro allein für den Glasfaserausbau aus. Ein Aufwand, den bisher – außer einigen Stadtnetzbetreibern – allein die Telekom schultert, die bisher mit ihrem VDSL-Netz exklusiv auf eigene Glasfaser-Anschlüsse zurückgreift. Doch auch die Konkurrenten kommen jetzt benfalls zum Zug. Auf massiven Druck ließ sich der Konzern dazu bewegen, die teuren VDSL-Anschlüsse auch zu vermieten.

In Bayern sollen auch große Teile des ländlichen Raumes mit schnellem DSL erschlossen werden. Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) zog dabei eine positive Zwischenbilanz. „Unser Breitbandförderprogramm übertrifft alle Erwartungen“, sagte er. Sieben Monate nach der Verbesserung der Förderbedingungen haben nach Zeils Worten 200 Gemeinden Zuschüsse für den Breitbandausbau erhalten.

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