Wohn-Riester

Im Alter schlägt der Fiskus zu

Verbaucherschützer raten zu Skepsis bei der Riester-Förderung für Wohneigentum. Vor allem wenn aus den eigenen vier Wänden doch nichts wird, kann die Sache teuer werden.

Seit fast drei Monaten sind die ersten Wohn-Riester-Produkte zu haben: Als Bausparvertrag, Hypothekendarlehen oder Mix aus Bausparen und tilgungsfreiem Kredit. Wer eine Immobilie kaufen oder bauen will, sollte jedoch genau prüfen, ob und in welcher Variante er die neue staatliche Unterstützung zur Finanzierung mitnehmen könnte, raten Verbraucherschützer. Es lauern einige Fallstricke.

Magere Zinsen

Bei Bausparverträgen für Riester-Sparer ist Christiane Kienitz, Baufinanzierungsexpertin der Verbraucherzentrale Hessen skeptisch - auch wenn die Bausparkassen momentan kräftig dafür Werbung machen. Gegen einen mageren Anlagezins sichere man sich zwar günstige Zinsen für später und könne bereits während der Ansparphase die Zulage kassieren. Riester-Bausparer sollten allerdings sehr sicher sein, dass sie später tatsächlich Häuslebauer sind.
Wird aus den eigenen vier Wänden dann doch nichts, wird aus dem Riester-Modell eine schlechte Geldanlage, meint Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Kombikredit teuer

Auch von der Kombilösung sollten potenzielle Immobilienbesitzer eher die Finger lassen. "Zu teuer", winkt Josephine Holzhäuser von der Verbraucherzentrale in Mainz ab. Beim Kombikredit wird ein Bausparvertrag mit einem tilgungsfreien Darlehen vorfinanziert.

Zuschuss fürs Tilgen

Überlegenswert sind nach Expertenansicht die von Geldinstituten angebotenen Riester-Kredite. Für solche Immobiliendarlehen bekommen Hausbesitzer Zulagen und Steuervorteile wie beim sonstigen Riester-Sparen fürs Alter. Voraussetzung: Die vier Wände wurden nach 2007 gebaut oder gekauft und werden vom Sparer selbst genutzt. Bezuschusst werden nur Tilgungsanteile. Für Zinsen gibt der Staat nichts. Diese Art von Wohn-Riester kann dann zum Geschäft werden, wenn der Zinssatz mit klassischen Hypothekenkrediten konkurrieren kann. Sonst frisst der schlechte Zins die staatliche Geldspritze schnell wieder auf.

Mehr Geld für Kinder

"Ob sich ein Riester-Darlehen lohnt, hängt vom Einzelfall ab", betont Verbraucherschützerin Kienitz. Je nach Einkommen, Alter, Kinderzahl und Finanzierung fällt die Förderbilanz unterschiedlich aus. Die Zulagen betragen pro Erwachsenem 154 Euro jährlich, für jedes Kind 185 Euro. Für ab 2008 geborene Kinder sind es 300 Euro pro Jahr. Für die volle Förderung müssen zusammen mit den staatlichen Zulagen 4 Prozent des sozialversicherungspflichtigen Einkommens des Vorjahres eingezahlt werden. Der geförderte Höchstbetrag: 2100 Euro. Eine vierköpfige Familie mit einem 2009 geborenen Kind kann 793 Euro Zulage im Jahr bekommen.

Strenge Vorgaben

Bevor sich Interessenten entscheiden, sollten sie sich unbedingt mit den Vorgaben vertraut machen, rät Verbraucherschützerin Holzhäuser. Unflexible Regelungen und Pferdefüße gebe es zuhauf: "Wer lebenslang im Eigenheim wohnt, gut verdient, vorbildlich spart, sich nicht vom Partner trennt und nicht früh stirbt, kann profitieren und Geld sparen."
Dem Wohn-Riester-Sparer sollte auch klar sein, dass er seine Schulden spätestens bis zum 68. Lebensjahr abgebaut haben muss. Außerdem sitzt ihm im Rentenalter immer noch der Fiskus im Nacken. Der Eigenheimbesitzer zahlt zwar keine Miete. Für die geflossenen Fördergelder samt zwei Prozent Zinsen muss er aber Steuern zahlen - bis zum 85. Lebensjahr. Und das beim geschrumpften Einkommen als Ruheständler. Nur wer die Steuersumme auf einen Schlag zu Rentenbeginn zahlen kann, bekommt 30 Prozent Rabatt.

Über den Tod hinaus

Auch wer sein Häuschen verkauft, wird besteuert und das auf einen Schlag. Ausnahmen: Er steigt mit dieser Summe innerhalb eines Jahres in einen anderen Riester-Vertrag ein oder kauft innerhalb von vier Jahren ein anderes selbst genutztes Objekt.
Vor dem Wohn-Riestern sollte man auch an die Kinder denken: Stirbt der Häuslebauer, ist seine Steuerschuld nicht etwa vom Tisch. Zurückzahlen müssen dann die Erben zum Steuersatz des Verstorbenen.

Berrit Gräber

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