Alternative Alpen-Express

- München - Da werden Eisenbahner-Träume wahr: Der Tiroler Landeshauptmann will die Inntalautobahn für Teile des Güterverkehrs sperren lassen, und die Bahn steht schon in den Startlöchern. Nach den Tiroler Plänen sollen täglich bis zu 800 Lastwagen von der Straße auf die Schiene gebracht werden. Das könnte den beteiligten Bahngesellschaften einen zusätzlichen Umsatz von 700 000 Euro pro Tag bescheren. Die Kapazitäten seien vorhanden, sagt Wilfried Renger, Niederlassungsleiter Südbayern DB Cargo.

<P>Derzeit rollen täglich 62 Güterzüge in beiden Richtungen über den Brennerpass. Sollte die Sperrung der A 12 im Inntal wie angekündigt am 1. August kommen, werden acht zusätzliche Zugpaare erforderlich. "Die sind von heute auf morgen abrufbar", versprach Renger.<BR><BR>Der Bayerische Landesverband für Transport- und Logistikunternehmen zweifelt das jedoch weiterhin an. Darüber hinaus stimme die Qualität nicht, meint Sprecher Christian Durmann. Laufzeiten und Verladezeiten seien einfach zu lang für viele zeitsensible Transporte: "Die fallen heute an und müssen morgen früh in Verona sein."<BR><BR>Ein Güterzug braucht von München nach Verona etwa acht Stunden, erklärt Renger. Das sei im täglichen Betrieb nicht gewährleistet, widerspricht Durmann. Die reine Fahrtzeit auf der 450 Kilometer langen Bahnstrecke betrage eher elf bis zwölf Stunden. Außerdem müsse man Vor- und Nachlaufzeiten dazurechnen - etwa die Anfahrt zum Bahnhof.<BR><BR>Die Laufzeit sei nicht das Wichtigste, kontert Renger. "Entscheidend ist die Pünktlichkeit." 70 bis 85 Prozent der Züge seien auf dieser Strecke "pünktlich" - was einer maximalen Verspätung von einer halben Stunde entspricht. "Wir sind optimistisch, das steigern zu können", meint Renger.<BR><BR>Ferner koste das Umspannen der Lokomotiven am Brenner bis zu 50 Minuten. Erste Mehrsystem-Zugmaschinen, die im deutschen und österreichischen Bahnnetz mit Wechselstrom und in Italien mit Gleichstrom betrieben werden können, würden ab Anfang 2004 fahren, sagt Renger. <BR><BR>Getreide wird von der Autobahn verbannt<BR><BR>Das Fahrverbot für Lkw wurde sektoral ausgesprochen. Betroffen sind Transportgüter wie Getreide, Holz, Steine, Erden, Baustahl, Abfälle und Kraftfahrzeuge. Der Tiroler Landeshauptmann Herwig van Staa führt für das Verbot ökologische Grüne an. Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu hält das Vorgehen dagegen für rechtswidrig. Die EU hat bereits ein Verfahren gegen Tirol eingeleitet. Ergebnisse stehen noch aus.<BR></P>

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