Alternative: Heizen mit Weizen

- München - Wenn die Energiepreise in schwindelerregende Höhen klettern, wird es Zeit, sich nach Alternativen für Erdöl und Erdgas umzusehen. Bei der Suche nach Ersatz ist jetzt auch ein Stoff ins Gespräch gekommen, den man damit bisher kaum in Zusammenhang brachte: Weizen.

Bereits im Frühjahr hat Hessen eine Bundesratsinitiative mit dem Ziel gestartet, Getreidekörner als Brennstoff zuzulassen. Der Antrag war zwar nicht mehrheitsfähig, dennoch sieht auch der Bayerische Bauernverband viele Vorteile im Einsatz von Getreide als Energieträger. Inzwischen ist es für viele Landwirte günstiger, mit überschüssigem Getreide zu heizen anstatt mit Öl oder Gas.

Grund seien unter anderem die immer weiter sinkenden Getreidepreise, sagt Franz Vielhuber, Energiereferent beim Bayerischen Bauernverband. Die Ersparnis, die durchs Heizen mit Weizen erzielt werde, sei höher als der Erlös aus dem Verkauf des Getreides. Außerdem wüssten viele Landwirte nicht, was sie mit den minderwertigen Qualitäten machen sollen, die nicht als Backgetreide zu verwenden sind. "Gerade in diesem Jahr haben die bayerischen Bauern durch die schlechte Witterung viele Felder nicht abernten können, das Getreide ist praktisch nicht mehr zu verwenden", so Vielhuber. Seit fünf Jahren kämpft er dafür, die Bundesemissionsschutz-Verordnung dahingehend zu ändern, dass Getreide in Kleinfeuerungsanlagen verbrannt werden darf.

Bisher ist dafür eine Sondergenehmigung nötig. "Wir sehen nicht ein, dass für Getreide strengere Richtlinien gelten als für andere Brennstoffe", meint Vielhuber. Die bayerischen Bauern unterstützen die hessische Initiative. Bedenken, es sei ethisch nicht vertretbar, Lebensmittel zu verbrennen, weist er zurück: "Früher wurde ein Drittel der Ernte als Futter für die Zugtiere verwendet, außerdem werden Pflanzen wie Raps auch als Energieerzeuger akzeptiert."

Dass Biomasse zur Produktion von Energie in Zukunft eine immer größere Rolle spielt, davon ist Claudia Kemfert fest überzeugt. Die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin hält die Verwendung von Weizen für die Herstellung von Strom oder Kraftstoffen für eine gute Sache, allerdings: "Bei der Erzeugung von Wärme haben Holzpellets einen höheren Wirkungsgrad." Das Problem sei außerdem, dass es noch keine Anlagen gebe, in denen Getreide ohne große Stickstoffemissionen verbrannt werden kann. "Das sind aber Kinderkrankheiten, die Technik wird sich weiterentwickeln."

Der Bayerische Bauernverband hat inzwischen intensive Gespräche mit der Industrie und Heizwerken geführt. "Es gab fast nur Absagen", resümiert Vielhuber, "entweder aus technischen oder genehmigungsrechtlichen Gründen." Mit dem bayerischen Umweltministerium habe man aber mittlerweile vereinbart, dass Ausnahmegenehmigungen für private Getreideheizanlagen unbürokratisch bewilligt werden.

Die Änderung der Bundesemissionsschutzverordnung ist unterdessen nicht vom Tisch. Zurzeit werden die Messergebnisse eines bundesweiten Pilotversuches ausgewertet.

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