Die Beteiligung an Unternehmen über Aktien bringt derzeit meist mehr Erträge als eine Zinsanlage. Anleger müssen allerdings höhere Kursschwankungen in Kauf nehmen. Der Bär steht an der Börse für sinkende Kurse, der Bulle für steigende.

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Die Alternativen zur Zinsanlage

München - Bundesanleihen oder Bankeinlagen brachten in der Vergangenheit ausreichende Erträge. Doch das ist vorbei. Um das Vermögen zu erhalten oder sogar zu mehren, braucht es andere Geldanlagen.

Etwas mehr als 30 Jahre lang war Sparen einfach. Wer sein Geld auf einem Tages- oder Festgeldkonto anlegte, bekam bis vor der Finanzkrise zumindest noch zwei bis drei Prozent. Davor lagen die Zinssätze auch höher. Auf Grund des Zinseszinseffekts vermehrte sich das Geld damit, auch nach Abzug der Inflationsrate. Aber auch Bundesanleihen waren eine Alternative, mit der sich sehr einfach ein realer Ertrag erzielen ließ.

Dass die Menschen hierzulande solche Zinsanlagen in den vergangenen Jahren bevorzugten, war deshalb nicht so falsch. „Die deutschen Sparer haben in den vergangenen Jahrzehnten vieles richtig gemacht“, urteilt Sascha Anspichler von der FP Asset Management GmbH. „Im Bewusstsein einer im internationalen Vergleich soliden Wirtschaftspolitik legten sie überwiegend hochverzinslich in deutsche Staatsanleihen, Festgelder und Immobilien an. Nicht selten erzielten sie dabei höhere Erträge als an den Aktienmärkten.“

Bundesanleihen und Bankeinlagen

Ganz ähnlich sieht das Markus Steinbeis, Anlageexperte von Huber, Reuss & Kollegen. „Deutsche Anleger sind es über viele Jahrzehnte gewohnt, ihr Vermögen in der Funktion als Gläubiger zu vermehren. Sie geben Kredite an den Staat und an Unternehmen in Form von Anleihen, an die Banken durch Spareinlagen und kaufen Lebensversicherungen, die dieselbe Politik betreiben.“

Der Bruch kam dann mit der Finanzkrise. Um die Weltwirtschaft zum Laufen zu bringen, haben vor allem die Notenbanken der westlichen Industrienationen die Leitzinsen sowie die Renditen von Staatsanleihen auf ein extrem niedriges Niveau heruntergedrückt, in der Fachsprache als „Financial Repression“ bezeichnet. Auf deutlich steigende Zinsen zu setzen, lohnt sich dabei nach Ansicht vieler Experten nicht.

„Ein deutlicher Renditeanstieg innerhalb der Eurozone“, so macht Bert Flossbach von der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch klar, „würde die Solvenz der hochverschuldeten Staaten und damit die gesamte Währungsgemeinschaft gefährden.“ Aber auch in Japan, wo die Staatsverschuldung mit rund 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) am höchsten ist, oder in den USA, wo der Staat inzwischen mit über 100 Prozent des BIP in der Kreide steht, sieht es kaum besser aus.

Aktien und die Dividendenstrategie

Für Sparer, die weiter auf vermeintlich sichere Zinsanlagen wie Bankeinlagen oder Bundesanleihen setzen, bedeutet dies eine schleichende Enteignung. Denn real nimmt der Wert ihres Vermögens ab. Wer heute 10 000 Euro in eine zehnjährige Bundesanleihe investiert, bekommt am Ende der Laufzeit bei einer angenommenen Rendite von einem Prozent etwas mehr als 11 000 Euro. Liegt in dieser Zeit aber die Inflation im Durchschnitt bei 1,5 Prozent – was im langfristigen Vergleich nicht viel ist – dann beträgt der reale Wert am Ende nur noch rund 9500 Euro. Wer also langfristig sein Vermögen real vermehren möchte, der muss umdenken.

Experte Steinbeis rät Anlegern deshalb sich sukzessive von der Gläubiger- in die Eigentümerposition zu bewegen. Was damit gemeint ist, ist zum Beispiel die Beteiligung an Unternehmen über Aktien, die zum Eigenkapital zählen. Besonders reizvoll erscheint dabei nach wie vor die Dividendenstrategie. Schließlich schütten viele Firmen jedes Jahr einen Teil ihres Gewinns an ihre Aktionäre aus. Das ist vergleichbar mit den Zinszahlungen, die es bei Anleihen gibt. Nur sind sie derzeit attraktiver: Bei den Mitgliedern des deutschen Leitindex Dax liegt die Dividendenrendite bei über drei Prozent, beim europäischen Aktienindex EuroStoxx 50 sogar bei rund 3,5 Prozent.

Experten raten allerdings nicht allein auf die Höhe der Dividendenrendite zu achten, sondern auch darauf, wie nachhaltig ein Unternehmen seine Ausschüttungen vornimmt. Der Rückversicherer Münchener Rück zum Beispiel hat seit 2003 seine Dividende acht Mal erhöht, zweimal blieb sie konstant. Damit zählt der Konzern zu den verlässlichsten Dividendenzahlern hierzulande.

Aktiv und passiv gemanagte Fonds

Der grundlegende Nachteil von Aktien: Anleger müssen höhere Kursschwankungen in Kauf nehmen als bei Zinsanlagen. Eine Möglichkeit, dieses Risiko zumindest abzufedern, ist, statt des direkten Kaufs einzelner Aktien, ein Investment in einen Korb von Dividendentiteln. Dafür gibt es einmal die Möglichkeit eines passiven Fonds, eines Exchange Traded Fund (ETF), der einen Dividendenindex abbildet. Ein Beispiel dafür ist der ETF von SPDR auf den Index S&P US Dividend Aristocrats (siehe Tabelle), der jene Titel aus dem US-Aktienindex S&P 500 umfasst, die 25 Jahre lang ihre Ausschüttung konstant gesteigert haben.

Der andere Weg sind aktiv gemanagte Fonds, bei dem ein Fondsmanager die Auswahl der Titel vornimmt, die jedoch auch teurer sind als ETFs. Allerdings haben auch hier einige gezeigt, dass sie langfristig erfolgreich sein können. Der global investierende DWS Top Dividende zum Beispiel hat eine durchschnittliche jährliche Rendite von acht Prozent in den vergangenen zehn Jahren erzielt.

Natürlich waren für dieses Ergebnis auch Kursgewinne mit verantwortlich. Ob es diese in nächster Zeit so üppig ausfallen werden ist fraglich. Doch allein eine Dividendenrendite von drei Prozent würde derzeit wohl vielen Sparern reichen, um angesichts historisch niedriger Zinsen zufrieden zu sein.

Gerd Hübner

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