Altersvorsorge: Die Gefahr der sicheren Anlage

München - Für ihre private Altersvorsorge nutzen viele Anleger die falschen Finanzprodukte. Statt in Aktien, Anleihen oder in Fonds zu investieren, werden größtenteils sichere Sparbücher oder Festgeld-Anlagen gewählt.

Auf längere Sicht schaden sich die Anleger damit aber, wie jetzt eine Untersuchung des Instituts für Vermögensaufbau (IVA) und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ergeben hat.

Anleger in Deutschland sind traditionell vorsichtig. Die hohen Vermögensverluste infolge der weltweiten Finanzkrise haben dies noch verstärkt. Dennoch warnen Anlageexperten: Zu viel Vorsicht kostet auf die Dauer bares Geld. „Wer bei der langfristigen Vermögensplanung auf Bargeld, Sparbücher, Festgelder oder Tagesgeldkonten vertraut, der baut auf Sand und erreicht genau das Gegenteil: Er vernichtet Schritt für Schritt seine Ersparnisse“, sagt DSW-Geschäftsführer Ulrich Hocker.

Sparbuch kann Negativrendite haben

Wie durch die langfristige risikolose Anlage in Sparbüchern oder auf Tagesgeldkonten Verluste entstehen, zeigt ein Rechenbeispiel: Dabei wird von einer jährlichen Verzinsung in Höhe von 1,5 Prozent und einer Inflationsrate von 2,0 Prozent ausgegangen. Abzüglich der Steuern ergibt sich daraus eine Negativ-Rendite von 0,875 Prozent. Das heißt, von 1000 Euro bleiben dem Sparer nach 30 Jahren nur noch 768 Euro übrig. Wer hingegen bereit ist, ein Risiko einzugehen, hat beispielsweise mit einem preiswerten weltweit orientierten Indexfonds deutlich bessere Chancen. Hier ergibt sich aus dem angenommenen jährlichen Gewinn von 7,0 Prozent nach Abzug von 1 Prozent Fonds- und Depotkosten, Abgeltungssteuer und einer kalkulierten Inflationsrate von 2,0 Prozent eine reale Jahresrendite von 2,25 Prozent. So werden aus 1000 Euro nach 30 Jahren 1949 Euro.

Viele Finanzprodukte ungeeignet

In ihrer Studie untersuchten die Experten 21 gängige Anlageklassen mit ernüchterndem Ergebnis. Denn die meisten Finanzprodukte sind für die private Altersvorsorge nicht geeignet. Dazu zählen beispielsweise Discountzertifikate, geschlossene Schiffs- und Immobilienfonds, Hedgefonds, einzelne Aktien und Bonuszertifikate. Welches Produkt sich tatsächlich lohnen kann, ist abhängig von der Anlagedauer. Für kurzfristige Anlagen sind der Studie zufolge nur Rentenfonds in Euro-Staatsanleihen, Euro-Geldmarktfonds, deutsche Staatsanleihen, Garantiezertifikate und Tagesgeld uneingeschränkt empfehlenswert.

Wer sein Geld langfristig anlegen will, dem empfehlen die Experten Investments in Mischfonds mit 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Rentenpapieren. Hier sorgt die Risikostreuung der Untersuchung zufolge für Sicherheit. Unter Umständen kommt auch eine Kapital-Lebensversicherung infrage, allerdings nur für diejenigen, die tatsächlich eine Versicherung benötigen. Uneingeschränkt für alle Anlagezeiträume ist der Studie zufolge übrigens das selbst genutzte Eigenheim. Hier ergibt sich die Sicherheit aus dem hohen Nutzwert.

Keine Angst vor der Börse

Auch das Magazin „Finanztest“ hat die wichtigsten Sparanlagen für die Altersvorsorge jetzt erneut unter die Lupe genommen. Auch hier schneiden Bankprodukte mit Festzins nicht gut ab, und die Experten raten, nur einen kleinen Teil des Vermögens darin zu investieren. Bei den Versicherungen wird die klassische private Rentenversicherung empfohlen, da sie ein lebenslanges Einkommen garantiert. Zu den am besten bewerteten Produkten bei Börseninvestments zählen auch hier Aktien- und Mischfonds. Allerdings sollte der Einstieg möglichst früh erfolgen. „Investmentfonds sind ein wichtiger Baustein für die private Altersvorsorge“, sagt Finanztest-Expertin Karin Baur. Ein Vorteil sei zudem, dass Anleger schon mit wenig Geld einsteigen könnten. Für ältere Anleger ist immer die rechtzeitige Absicherung der erzielten Gewinne wichtig. Damit sollten sie am besten fünf bis acht Jahre bevor das Geld benötigt wird beginnen. Umschichtungen lohnen sich auch dann, wenn sich die Börsenwerte über einige Jahre gut entwickelt haben. Dann eignen sich Festzinsanlagen als sicherer Hafen.

Angst vor dem Aktienmarkt sei unbegründet, denn selbst regelrechte Kurseinbrüche könnten wieder aufgeholt werden, betont Baur. Das sei nach dem „schwarzen Montag“ vom Oktober 1987 und nach dem Platzen der New-Economy-Blase so gewesen. Und auch die Kursverluste nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008 seien schon ein Dreivierteljahr später teilweise wieder wettgemacht worden.

Manfred Rolfsmeier

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