Altersvorsorge: Wie man aus wenig Geld mehr macht

München - Hunderttausende junge Menschen sind gerade in eine Ausbildung gestartet oder haben ihre erste Anstellung an Land gezogen. Auch wenn das Alter noch weit weg ist, kommen Berufsanfänger kaum drum herum, sich heute schon Gedanken über ihre Finanzlage von morgen zu machen.

80 Prozent des letzten Nettogehalts werden in etwa gebraucht, um auch im Ruhestand das gewohnte Auskommen zu haben. Das ist mit der gesetzlichen Rente aber nicht zu schaffen. Ein extra Polster aufbauen, ist wichtig. Je früher damit angefangen wird, desto besser. Aber wie?

Auf keinen Fall sollten sich Berufsstarter mit kleinem Gehalt teure Renten- und Rürup-Verträge oder unrentable Lebensversicherungen aufschwatzen lassen, mahnt Merten Larisch, Altersvorsorgeexperte der Verbraucherzentrale Bayern, zur Vorsicht. Viel schlauer sei es für Geringverdiener, staatliche Zuschüsse und vermögenswirksame Leistungen vom Chef abzuholen. Auch mit wenig Geld lasse sich schon Vernünftiges auf die Beine stellen. Das funktioniert nach Ansicht von Verbraucherschützern so:

Lebensrisiken absichern

Vom schmalen Einkommen zuerst einmal die Existenz absichern - also die wichtige private Haftpflicht- und dann eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abschließen. Die private Haftpflichtversicherung ist nicht teuer und springt ein, wenn man anderen Schäden zugefügt hat. Die BU, die junge Leute meist noch einfacher und günstiger bekommen als Ältere, braucht man für den Fall, dass man seinen Beruf durch Krankheit oder Unfall nicht mehr ausüben kann.

Kleine Raten, großer Effekt

Wer monatlich etwas Geld abzwacken kann, sollte es flexibel auf ein Tagesgeldkonto legen oder einen Banksparplan mit fester Bindung anfangen. Die sind schon ab 25 Euro im Monat zu haben. Wer mit 20 anfängt und bis zum 60. Lebensjahr monatlich 100 Euro auf die hohe Kante legt, kann bei durchgehend 3,25 Prozent Verzinsung über 97 000 Euro anhäufen, so eine Modell-Rechnung des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv).

Geld vom Staat: Riestern

Ein vom Staat geförderter Riester-Sparvertrag sei ein „Bombengeschäft“ für junge Leute, betont Larisch. Beispiel: Fängt ein Azubi noch vor seinem 25. Geburtstag damit an, bekommt er einen Startbonus von 200 Euro geschenkt plus 154 Euro im ersten Lehrjahr - bei gerade mal fünf Euro Beitrag im Monat. Im zweiten Ausbildungsjahr muss er (bei monatlich 700 Euro Lehrlingsgehalt brutto) gut 15 Euro im Monat aus der eigenen Tasche zahlen, um die volle staatliche Grundzulage von 154 Euro zu kassieren - das klappt immer bei Einzahlung von vier Prozent des Vorjahreseinkommens. Mit dem Gehalt steigen also die eigenen Aufwendungen respektive die spätere Rente. Am sichersten sei die Rendite aus kostengünstigen Banksparplänen, empfiehlt Larisch.

Vermögenswirksame Leistungen (VL)

Auch das Extra-Geld vom Chef sollten sich Berufsanfänger nicht durch die Lappen gehen lassen. Anspruch darauf haben Auszubildende, Arbeitnehmer, Beamte, Soldaten. Wie viel Geld drin ist, steht meist im Tarifvertrag. Im öffentlichen Dienst sind das bundesweit 6,65 Euro im Monat, andere Arbeitgeber zahlen bis zu 40 Euro und mehr. Der Zuschuss fließt direkt in spezielle VL-Sparverträge: Etwa in einen Banksparplan, Bausparvertrag, in die betriebliche Altersvorsorge oder einen Aktienfondssparplan - und zwar sechs Jahre lang. Dann folgt noch ein Jahr Sperrfrist, bis der Sparer frei über das Geld verfügen kann. Wer nichts vom Chef kriegt, kann trotzdem VL-sparen. Das Gehalt wird dann entsprechend um den Betrag gekürzt. Wichtig: VL-Sparer mit kleinem Verdienst können noch zusätzlich Geld vom Staat kassieren: über die Arbeitnehmersparzulage und die Wohnungsbauprämie.

Sparzulage für Arbeitnehmer

Wer sich für einen Bausparvertrag, Aktienfonds oder die Tilgung eines Bausparkredits entscheidet, kriegt noch einmal Geld vom Staat dazu. Bedingung bei Aktienfonds: Das Einkommen darf während der siebenjährigen Sparphase nicht größer als 20 000 Euro sein. Dann gibt es 20 Prozent auf jährliche Einzahlungen bis 400 Euro, also maximal 80 Euro im Jahr. Bei Bausparverträgen liegt die Förderung bei neun Prozent für bis zu 470 Euro - macht maximal 43 Euro jährlich. Verdienstgrenze hierfür: maximal 17 900 Euro im Jahr. Die Zulage muss über die Steuererklärung beantragt werden.

Noch ein Zuschuss:

Wohnungsbauprämie

Dieser Zuschuss lässt sich mit einem VL-Bausparvertrag in der Tasche noch extra abholen. Die Höhe der Prämie liegt bei 8,8 Prozent auf Beiträge bis 512 Euro im Jahr, also maximal 45 Euro. Verdienstgrenze dafür: maximal 25 600 Euro im Jahr. Neu-Bausparer bekommen das Geld aber nur, wenn sie ihren Vertrag tatsächlich zum Bau oder Kauf einer Immobilie verwenden.

Was man nicht tun sollte

Jungen Menschen werden gern Verträge verkauft, die jahrzehntelang bis ins hohe Alter hinein bespart werden müssen, hohe Gebühren abfordern und vergleichsweise wenig Rendite abwerfen. Schafft es ein Berufsanfänger nicht, die Raten auf Dauer durchzuhalten, muss er die Police notfalls beitragsfrei stellen oder schlimmstenfalls kündigen. In beiden Fällen verliert er dabei in der Regel sehr viel Geld.

Als verlustträchtige, unflexible Paradebeispiele nennt die Verbraucherzentrale Hamburg Kapitallebensversicherungen, fondsgebundene oder klassische Rentenversicherungen sowie Rürup-Verträge. Allein jede zweite Kapitallebens-Police wird vorzeitig abgebrochen.

Deutlich geeigneter für junge Leute sind den Angaben zufolge flexible Ansparformen mit günstigen Vertragskosten wie etwa Riester-Banksparpläne. Steigt das Einkommen, bieten sich zusätzliche Standbeine wie Aktien-Index-Sparpläne an, die bislang aber erst von etwa zehn Banken angeboten werden.

Angebote von Versicherungsvertretern und -vermittlern sollten in jedem Fall kritisch unter die Lupe genommen werden und niemals unter Druck unterschrieben werden. Unabhängige Finanzberater auf Honorarbasis haben nach Erfahrungen der Verbraucherschützer meist die besseren Offerten zu machen, weil sie aus über 300 Produkttarifen am Markt nicht nur einen einzigen herauspicken, sondern nach den Top-Angeboten suchen. Eine individuelle Beratung, wie das Sparen fürs Alter am besten stemmen ist, bieten auch die meisten Verbraucherzentralen vor Ort. In München kosten 1,5 Stunden beispielsweise 90 Euro.

Berrit Gräber

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

US-Unternehmen übernimmt deutschen Auto-Teilehändler Stahlgruber
Der US-Autoteilehändler LKQ will den deutschen Auto-Ersatzteilehändler Stahlgruber kaufen. Noch ist die Übernahme aber nicht von den Behörden genehmigt worden. 
US-Unternehmen übernimmt deutschen Auto-Teilehändler Stahlgruber
Apple kauft Musikerkennungs-App Shazam
Apple hat den Kauf der Musikerkennungs-App Shazam bestätigt. Der Preis könnte laut Medieninformationen über 400 Millionen Dollar gewesen sein. 
Apple kauft Musikerkennungs-App Shazam
Dax resigniert vor 13.200 Punkten
Frankfurt/Main (dpa) - Am deutschen Aktienmarkt haben die Anleger zum Wochenbeginn vergeblich auf einen ersehnten Jahresendspurt gewartet. Nach einem frühen …
Dax resigniert vor 13.200 Punkten
Edeka will Fruchtsafthersteller Albi übernehmen
Laut dem Bundeskartellamt, will der Lebensmittelhändler Edeka den Fruchtsafthersteller Albi übernehmen. Damit will das Unternehmen die Abhängigkeit von externen …
Edeka will Fruchtsafthersteller Albi übernehmen

Kommentare