Alt-Schäden aus den USA verhageln Münchener Rück die Bilanz

- München - Altschäden im US-Geschäft haben der Münchener Rückversicherung den Gewinn im zweiten Quartal verhagelt. Das aktuelle Geschäft laufe aber sehr gut, sagte Konzernchef Nikolaus von Bomhard und bekräftigte das Ziel eines Rekordgewinns in der Größenordnung von 2,5 Milliarden Euro 2005.

Von April bis Juni hat die größte Rückversicherung der Welt nur noch 182 Millionen Euro verdient _ drei Viertel weniger als im Vorjahr. Ursache war die Finanzspritze für die Tochter American Re, die das Ergebnis mit 750 Millionen Euro belastete. American Re will mit dem Geld mögliche Asbest- und Haftpflichtschäden aus Altverträgen abdecken. Ohne die Rückstellungen wäre der Quartalsgewinn deutlich gestiegen.

Sowohl die Rückversicherung als auch die Erstversicherungen der Tochter Ergo steigerten ihr operatives Ergebnis, und auch Kapitalanlagen warfen dank steigender Zinsen mehr ab. "Wir sehen deshalb unser Renditeziel von 12 Prozent für das Gesamtjahr in Reichweite", sagte Bomhard. Weil das Eigenkapital auf 22,1 Milliarden Euro stieg, wäre das ein Jahresgewinn von 2,65 Milliarden Euro.

Bald Großaktionär bei Unicredit

Als größter Aktionär der HypoVereinsbank will die Münchener Rück das Übernahmeangebot der italienischen Unicredit-Bank annehmen. Wenn alles so bleibe und Unicredit auch die Bank Austria übernehme, würde die Münchener Rück tauschen, sagte Bomhard. Ihre Beteiligung an Unicredit würde dann bei 6,3 Prozent liegen.

In der Rückversicherung habe der Konzern "in den USA viel Geschäft aufgegeben" und sich strikt auf profitable Verträge konzentriert, sagte Bomhard weiter. Der Druck auf die Prämien wachse. Die Bruttobeiträge in der Rückversicherung schrumpften, aber der Betriebsgewinn stieg deutlich. Nur wegen Rückstellungen für frühere American-Re-Verträge brach das Nettoergebnis auf 82 Millionen Euro ein.

Kräftig zulegen konnten auch die Erstversicherungen: Die Beiträge stiegen, das Nettoergebnis vervierfachte sich auf 199 Millionen Euro. "Die Ergo ist auf einen klaren Ertragspfad zurückgekommen", sagte Bomhard.

"Der insgesamt gute Halbjahresgewinn der Münchener-Rück-Gruppe erfüllt die Erwartungen, obwohl die Nachreservierung der American Re die Gruppe belastete", sagte der Konzernchef. Von Januar bis Juni sanken die Bruttobeiträge leicht auf 19,4 Milliarden Euro, das Konzernergebnis ging auf 870 Millionen Euro zurück.

Der Analyst Thorsten Wenzel von der DZ-Bank sagte, die gute Schaden-Kosten-Quote und der Vorsteuergewinn zeigten eine gute Ergebnisqualität, der Trend sei gut. Konrad Becker von Merck Finck sagte, auf den ersten Blick scheine das Ergebnis katastrophal, aber die Quote und der Fortschritt bei Ergo zeigten die Profitabilität des Konzerns. Im dritten Quartal wird ein Buchgewinn von 563 Millionen Euro aus dem Verkauf von Allianz-Aktien das Ergebnis verbessern. Ob die Münchener Rück später auch ihre Unicredit-Beteiligung reduziert, ließ Bomhard offen.

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