Alu-Trambahn bremst Siemens aus

- München - Sie heißt Combino, besteht aus Alu und ist eine Fehlkonstruktion. Die Trambahn aus dem Hause Siemens belastet Verkehrsbetriebe, die zum Ersatz alte Züge aus den Lagern rollen müssen, die Halbjahres-Bilanz des Münchner Technik-Konzerns, die sich ohne die Combino-Schatten sehen lassen könnte, und Vorstands-Chef Heinrich von Pierer, der auf Nachfragen auffallend dünnhäutig reagierte.

<P>"Aluminium ist eben ein schwieriges Material", versuchte Pierer auf der Halbjahres-Pressekonferenz in München zu erklären, wie es passieren konnte, dass der Konzern 400 Trambahnen ausliefert und dann viele davon zurückrufen muss, weil die Konstruktion Risse bekam. 170 Mitarbeiter hat Siemens entsandt, die mit Röntgenapparaten alle Combinos durchleuchten. Schadhafte Fahrzeuge sollen in Krefeld und Prag geflickt werden, bis eine dauerhafte Lösung gefunden ist. Das kostet.<BR><BR>364 Millionen Euro betrugen die Sonderbelastungen der Bahnsparte im zweiten Quartal des Geschäftsjahres, der größte Teil davon entfällt auf Combino. Wie viel noch dazukommt, weiß nach eigenem Bekunden nicht einmal Pierer. "Ich kann weitere Ergebnisbelastungen für die Zukunft nicht ausschließen", sagte er. Als dann ein Journalist in seiner Frage einen möglichen Schaden von einer Milliarde Euro konstruierte, warf ihm der sonst joviale Siemens-Chef Sensations-Mache vor: "Sagen Sie doch gleich zwei Milliarden", wetterte Pierer. Er wolle mit einer Beurteilung der Perspektive von Combino abwarten, "bis das endgültige Reparatur-Konzept steht".<BR><BR>Wegen der Sonderbelastungen machte der Transport-Bereich im zweiten Quartal einen Verlust von 289 Millionen Euro, nachdem er im Vorjahresquartal 64 Millionen Gewinn erwirtschaftet hatte. Auch der Automatisierungs-Bereich trübte die Bilanz. Die Tochter Dematic, die Siemens im Jahr 2001 von Mannesmann Atecs gekauft hatte, ist nicht so viel wert, wie einst bezahlt wurde. Deshalb schrieb der Konzern 433 Millionen Euro auf deren Firmenwert ab. Das Quartalsergebnis lag mit 30 Millionen Euro im Minus.<BR><BR>Die anderen Bereiche trugen positiv zum Gesamtergebnis des Konzerns bei. Elf der insgesamt 14 Sparten steigerten ihren Gewinn. Unter dem Strich sank der Umsatz des Konzerns im zweiten Quartal leicht. Das Ergebnis stagnierte. "Es lohnt sich, nach dem ersten Blick noch einen zweiten zu werfen", empfahl Pierer. </P><P>Ohne Sondereffekte - zu denen auch noch ein Verkauf von Infineon-Aktien zählte - ergebe sich ein Nettoergebnis von 807 Millionen Euro, was einen Anstieg um 42 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahres-Zeitraum bedeute. Der Auftragseingang habe - bereinigt - um fünf Prozent und der Umsatz um zwei Prozent zugelegt. Deshalb bleibe der Konzern bei seinen Zielen für dieses Geschäftsjahr - "auch wenn es schwieriger geworden ist, sie zu erreichen". Der Gewinn soll heuer um mindestens zehn Prozent steigen.<BR><BR>Die Investoren überzeugte Pierer nicht. Die Siemens-Aktie verlor gestern zeitweise über vier Prozent auf 62,05 Euro und war damit schwächster Wert im Deutschen Aktienindex.<BR>Pierer verteidigte die Strategie des Konzerns, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern. Derzeit kämen dafür 2500 Stellen in Frage. "Von einer von langer Hand geplanten Strategie, den Standort Deutschland zu schwächen oder zu verlassen, kann aber überhaupt keine Rede sein." Einen Rückzug aus Deutschland zu konstruieren sei "unseriös".<BR></P>

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