Ein Amazon Fahrer liefert in New York Pakete aus
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Lieferfahrer von Amazon sollen wegen der Arbeitsbelastung keine Zeit für die Toilette haben

Ärger im Anflug

Amazon: Viele Fahrer haben keine Zeit für Toiletten-Stopp - Das wird für den Internet-Händler nun zum Problem

  • Markus Hofstetter
    vonMarkus Hofstetter
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Amazon ist für seine harten Arbeitsbedingungen bekannt. Doch dass Lieferfahrer wegen Zeitmangels noch nicht mal eine Toiletten-Pause einlegen können, sorgt jetzt für einen Riesen-Wirbel.

Seattle/Bessemer - Die Gewerkschaft Verdi hat Amazon-Mitarbeiter an sechs Standorten in Deutschland zu einem viertägigen Streik aufgerufen. In den USA dagegen haben die Gewerkschaften noch keinen Fuß bei dem Onlineriesen reinbekommen. Das könnte sich nun ändern. Dazu beigetragen haben auch Berichte, dass Amazon-Lieferfahrer aufgrund der enormen Arbeitsbelastung oftmals keine Zeit haben, auf die Toilette zu gehen.

Amazon mit Toilettenproblem: Mitarbeiter sollen in Flaschen urinieren

„Mitarbeitern 15 Dollar Stundenlohn zu zahlen, macht einen nicht zu einem ‚fortschrittlichen Arbeitsplatz‘, wenn man gegen Gewerkschaften vorgeht und Beschäftigte in Wasserflaschen urinieren“, twitterte Marc Pocan, Abgeordneter der Demokraten. Damit nimmt er Partei für die Amazon-Angestellten im Logistikzentrum in Bessemer im US-Bundestaat Alabama. Sie stimmen über die Bildung einer Arbeitnehmervertretung ab, was Amazon mit aller Macht zu verhindern sucht.

Amazon bestreitet die „Flaschen-Affäre“ vehement auf Twitter: „Sie glauben nicht wirklich die Sache mit dem in die Flasche pinkeln? Wenn das wahr wäre, würde niemand für uns arbeiten.“ Doch damit scheint sich das Unternehmen selbst ein Bein gestellt zu haben. Denn das Ergebnis ist eine Vielzahl von gegenteiligen Aussagen.

Amazon mit Toilettenproblem: „Urinflaschen“ sind zu entsorgen

Die Nachrichtenseite Buzzfeed stellte Dienstanweisungen einer für Amazon tätigen Lieferfirma ins Netz. Diese rufen die Fahrer dazu auf, „Urinflaschen“ nach Schichtende zu entsorgen. Das Portal Intercept postete geleakte Dokumente einer Amazon Logistics-Managerin, in denen unter anderem betont wurde, dass keine Tüten mit „menschlichen Fäkalien“ in den Lieferzentren geduldet werden. Amazon hat sich dazu auf Nachfrage nicht geäußert.

Sollten die 6000 Amazon-Angestellten in Bessemer für die Bildung einer Interessenvertretung stimmen, wäre das eine historische Wahl. Damit hätte der Konzern es zum ersten Mal in seiner 27-jährigen Geschichte mit einer US-Gewerkschaft zu tun. Es würde dennoch viel zu tun bleiben für die Gewerkschaften. In den USA ist Amazon mit weit über einer halben Million Beschäftigten nach Walmart der zweitgrößte Arbeitgeber .

Amazon: Verdi-Streikaufrufe ohne Konsequenzen für Kunden

In Deutschland liegt Amazon schon seit vielen Jahren mit Gewerkschaften im Clinch. Verdi versucht seit 2013 mit Streiks Einfluss auf den Konzern zu nehmen. Die Auswirkungen des aktuellen Gewerkschaftsaufrufs dürften, wie auch schon in der Vergangenheit, gering bleiben. Durch seine ausgefeilte Logistik kann der Onlineriese die Warenströme zu seinen Kunden schnell umlenken.

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