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Verteilzentrum in Olching: Noch deutet nichts darauf hin, dass Amazon von hier seit gestern Kunden beliefert.

Neues Logistikzentrum

Kurz vor Weihnachtsgeschäft: Amazon startet in Olching

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München/Olching - Amazon baut sein Logistiknetz aus und testet im Landkreis Fürstenfeldbruck ein bundesweit einmaliges Projekt: Ein neues Verteilzentrum nahe der A 8 soll Lieferzeiten verkürzen – ohne dass Ware eingelagert wird.

Kurz vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts hat der Online-Händler Amazon eine Logistik-Offensive gestartet, um näher an seine Kunden im Großraum München zu rücken: In Olching im Landkreis Fürstenfeldbruck hat der Konzern gestern ein Verteilzentrum in Betrieb genommen, um Lieferzeiten zu beschleunigen und einer wachsenden Nachfrage gerecht zu werden. Das teilte der Geschäftsführer der Amazon Deutschland Transport GmbH, Bernd Schwenger, gestern unserer Zeitung mit. „Um ergänzende Kapazität zu schaffen, haben wir in Olching unsere eigene Logistik aufgebaut“, sagte er.

Amazon in Olching: Handelsverband Bayern fürchtet Konkurrenzdruck

Das neue Verteilzentrum in Olching liegt nahe der Autobahn 8 und damit nur wenige Kilometer vom Münchner Autobahnring entfernt. 70 Mitarbeiter sollen hier dafür sorgen, dass sogenannte Prime-Kunden aus dem Großraum München auch in Spitzenzeiten ihre Ware spätestens am Tag nach der Bestellung erhalten. „In Olching wird allerdings nichts gelagert“, so Schwenger. Vielmehr werde das Verteilzentrum selbst mit Waren beliefert – beispielsweise aus dem Lager in Graben bei Augsburg. In Olching werde die Ware auf Routen verteilt und dann an die Kunden geliefert. Während Partnerfirmen wie DHL und Hermes weiterhin von Graben aus die Münchner Kundschaft beliefern, arbeite man in Olching mit regionalen Transportfirmen zusammen. In Spitzenzeiten erwarte man über 200 Fahrten pro Tag. In Großbritannien gebe es solche Zentren bereits, in Deutschland sei Olching der erste Standort dieser Art.

Der Handelsverband Bayern befürchtet, dass Amazon mit seiner neuen Offensive den Einzelhändlern im Großraum München Marktanteile abjagen und den Konkurrenzdruck verschärfen wird. „Das ist eine neue Stufe der Bedrohung“, sagte Verbands-Chef Bernd Ohlmann. Das große Plus des Einzelhandels, nämlich die sofortige Verfügbarkeit von Artikeln, gehe durch Amazons Lieferkonzept verloren. Einzelhändler müssten daher einen Gegenangriff starten und ihre Artikel selbst online anbieten, sagte Ohlmann.

Amazon in Olching: Verkürzte Lieferzeiten in Ballungsräumen

Amazon arbeitet seit Jahren daran, seine Lieferzeiten zu verkürzen. In Ballungsräumen wie München ist es bereits heute möglich, sich gegen einen Aufpreis morgens bestellte Ware abends liefern zu lassen. Abgewickelt wird der Versand bisher in Logistikzentren wie in Graben.

Die Zentren sind eigenständige Dienstleister und in der Regel in der Rechtsform einer GmbH organisiert. Eigentümer ist die Dachgesellschaft in Luxemburg, die wiederum Teil des US-Konzerns in Seattle ist. Während die Logistikzentren lediglich Lagerhaltung und Versand organisieren, wird der Kauf und der Verkauf von Waren über die Dachgesellschaft in Luxemburg abgewickelt – wodurch Steuern vermieden werden können.

Das bringt Konzernen wie Amazon immer wieder Kritik ein. Anfang Oktober hatten sich daher die Finanzminister der EU auf ein Gesetz verständigt, das einen Austausch von sogenannten Steuer-Vorbescheiden für Unternehmen ermöglicht. Das Gesetz soll ab 2017 gelten. Großkonzernen wie Amazon soll es so schwerer gemacht werden, Gewinne über Grenzen hinweg zu verschieben. Zuvor hatte die OECD bereits einen 15-Punkte-Plan gegen Steuergestaltungen und Gewinnverlagerungen vorgelegt, da den Staaten jährlich schätzungsweise 100 bis 240 Milliarden US-Dollar verloren gingen.

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