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Die Arbeitsbedingungen beim weltgrößten Onlinehändler Amazon stehen bereits seit längerer Zeit in der Kritik. Das Unternehmen hat sich wiederholt gegen Gewerkschaften ausgesprochen.

Massive Kritik

Gründung von Amazon-Gewerkschaft scheitert: Wurden die Mitarbeiter unter Druck gesetzt?

  • Astrid Theil
    vonAstrid Theil
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Die Gründung einer ersten Gewerkschaftsvertretung bei Amazon scheiterte. Dem Konzern wird nun vorgeworfen, die Mitarbeiter unter Druck gesetzt und damit die Abstimmung beeinflusst zu haben.

Bessemer/Alabama - Die Arbeitsbedingungen beim Online-Versandhändler Amazon* stehen seit längerer Zeit massiv in der Kritik. Nun ist der erste Versuch der Bildung einer Gewerkschaftsvertretung in den USA gescheitert. Die Stimmauszählung bei der zuständigen Aufsichtsbehörde ergab am Freitag (09. April 2021), dass eine Mehrheit der Beschäftigten gegen die Bildung einer Gewerkschaft gestimmt haben. Die Abstimmung fand in einem Amazon-Logistikzentrum in Bessemer im US-Bundesstaat Alabama statt.

Die Abstimmung hatte einen großen symbolischen Wert und erregte international Aufmerksamkeit, da Amazon strikt gegen die Einrichtung von Gewerkschaften ist. Daher wurde die Abstimmung von großen Mobilisierungskampagnen auf beiden Seiten begleitet. Von insgesamt 5876 stimmberechtigten Mitarbeitern des Logistikzentrums gaben nach Angaben der Arbeitnehmerschutzbehörde NLRB 3041 ihre Stimme ab. Insgesamt stimmten 1798 Mitarbeiter mit „Nein“ und 738 mit „Ja“. Die restlichen Stimmzettel waren leer oder ungültig.

Massive Vorwürfe: Amazon soll Mitarbeitern mit Repressalien gedroht haben

Kurz nach der Bekanntgabe des Ergebnisses kündigte die Einzelhandelsgewerkschaft RWDSU an, das Ergebnis anzufechten. Amazon wird nämlich vorgeworfen, im Zusammenhang der Abstimmung für Verwirrung gesorgt und vor allem Mitarbeiter durch die Androhung von Repressalien unter Druck gesetzt zu haben. Die Entscheidungsfreiheit der Mitarbeiter sei dadurch massiv eingeschränkt worden.

Amazon wies diese Vorwürfe entschieden zurück. Das Unternehmen erklärte, dass es nicht gewonnen habe, sondern dass die Angestellten die Wahl getroffen hätten, gegen den Beitritt zu einer Gewerkschaft zu stimmen. Die Initiative der Gewerkschaft RWDSU, eine Arbeitnehmervertretung für Amazon-Angestellte zu gründen, hatte eine landesweite Debatte über die Arbeitsbedingungen bei dem Versandhändler ausgelöst, der allein in den USA 800.000 Menschen beschäftigt.

Amazon: Unternehmen profitiert von Corona-Pandemie

Bereits seit längerer Zeit prangern Gewerkschaften und Politiker an, dass die Beschäftigten bei Amazon einem hohen Arbeitsdruck und einer ständigen Überwachung ausgesetzt seien. Amazon wies diese Vorwürfe konsequent von sich. In dem Logistikzentrum in Bessemer sprach sich die Geschäftsleitung bei Konferenzen und in Form von Flyern auf den Toiletten jedoch entschieden gegen Gewerkschaften aus. Es wurde ebenfalls eine Internetseite eingerichtet, auf welcher ausgeführt wird, warum eine Gewerkschaft unnötig sei. Das Unternehmen betont, dass es überdurchschnittliche Löhne und Zuschüsse zahle.

Amazon profitiert aktuell stark von der Schließung des Einzelhandels im Zuge der weltweiten Corona-Lockdowns. Die Zahlen machen dies überdeutlich. So legte der Umsatz von Amazon im vergangenen Jahr um 38 Prozent auf etwa 386 Milliarden Dollar zu. Im Vergleich zum Vorjahr verdoppelte sich also der Gewinn um mehr als 21 Milliarden Dollar. (at mit Material von afp) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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