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Amazon will die Streiks ausweiten.

Verdi erhöht den Druck

Amazon-Streiks bald bundesweit?

Bad Hersfeld/Leipzig - Die Streiks an zwei Standorten von Amazon sind nicht genug, um den Versandriesen merklich unter Druck zu setzen. Deswegen will Verdi den Arbeitskampf bundesweit ausweiten.

Die Jahresendoffensive mit massiven Streiks im Weihnachtsgeschäft ist gerade vorüber - da schmiedet die Gewerkschaft Verdi neue Pläne für einen Streik beim weltgrößten Online-Versandhändler Amazon. Im neuen Jahr will Verdi den Druck erhöhen. „Wir wollen den Arbeitskampf in absehbarer Zeit bundesweit ausweiten“, sagte Mechthild Middeke von Verdi Hessen.

Neben dem größten deutschen Standort im osthessischen Bad Hersfeld und dem in Leipzig sollen weitere Versandzentren einbezogen werden - möglicherweise Pforzheim. „Wünschenswert sind natürlich alle Standorte. Aber wir müssen Schritt für Schritt vorgehen. Wir wollen beweisen, dass wir uns steigern können. Wir bleiben dran“, sagte Middeke. Mitte Dezember hatten sich bereits Mitarbeiter des Versandzentrums in Graben (Bayern) an einem Tag beteiligt - erstmals wurde drei der acht Standorte bestreikt.

Amazon reagiert auf die mögliche Bedrohung einer Streik-Ausweitung gelassen: „Selbst wenn neue Standorte hinzukommen sollten, sind wir auf weitere Streiks gut vorbereitet“, sagte ein Unternehmenssprecher in München. „Man sieht ja auch, dass sich die Beteiligung der Mitarbeiter an den bestreikten Standorten im Rahmen hält.“

Um den Arbeitskampf auszuweiten, wird es in diesem Monat Vernetzungstreffen auf Gewerkschaftsebene geben. Damit die Strategie besser wird und abgestimmt werden kann, sollen der Erfolg und die Folgen der bisherigen Streiks mit den Aktiven ausgewertet werden. „Wir müssen uns gemeinsam Gedanken machen, wie wir den Arbeitskampf auf eine noch breitere Basis stellen können“, sagte Middeke.

Ihr sächsischer Verdi-Kollege Sebastian Viecenz erläuterte: „Wir müssen uns für die Streiks neue Partner suchen. Streiks nur an zwei Standorten reichen nicht aus, um die Forderungen durchzusetzen.“ Er betonte, Verdi sei nicht bereit, von den Grundsatzforderungen zurückzutreten, um womöglich einen Kompromiss einzugehen.

Die Gewerkschaft fordert für die mittlerweile mehr als 10 000 Festangestellten einen Tarifvertrag nach den Bedingungen des Einzel- und Versandhandels. Amazon lehnt dies kategorisch ab und orientiert sich an den günstigeren Konditionen der Logistikbranche. Deswegen gibt es seit dem Sommer 2013 immer wieder Proteste.

Aus Sicht der Gewerkschaft wurde seit den im Mai begonnenen Streiks schon viel erreicht. Wesentliches aber nicht: „Wir müssen leider feststellen, dass die Mehrheit der Mitarbeiter immer noch zur Schicht geht, statt zu streiken“, räumte Middeke ein. „Aber wir haben viel Aufmerksamkeit und Rückendeckung bekommen.“

Amazon aber zeigte sich selbst in der heißen Phase des Weihnachtsgeschäfts weitgehend unbeeindruckt von den Streiks. Während des Arbeitskampfes betonte die Deutschland-Zentrale in München immer wieder, die Streiks wirkten sich nicht auf die Zustellungen an Kunden aus. Um sich für das umsatzträchtige Weihnachtsgeschäft und etwaige personelle Turbulenzen zu wappnen, hatte Amazon aber auch 14 000 Aushilfen eingestellt. 1300 Saisonkräfte wurden nun übernommen, berichtete Amazon erst vor wenigen Tagen.

Das Unternehmen sprach - trotz der Streiks - von der „besten Weihnachtssaison in der Geschichte von Amazon in Deutschland“. Das muss auf Verdi ernüchternd gewirkt haben.

Die Möglichkeiten für einen Kompromiss haben beide Streitparteien durch ihr Beharren auf Maximalforderungen und -positionen nicht gerade erleichtert. Die Gewerkschaft gibt sich unnachgiebig. Und auch der Amazon-Deutschland-Chef, Ralf Kleber, betont: „Wir sehen keinen Anlass, mit Verdi in Verhandlungen zu treten.“ Amazon liege mit mindestens 9,55 Euro Basislohn bei den Löhnen über dem Durchschnitt der Logistikbranche und über dem Logistiktarif. „Wir reden lieber mit unseren Mitarbeitern direkt. Wir brauchen dazu keinen Dritten.“

dpa

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