+
Ein Amazon-Lager in Deutschland. 

Recherche des ZDF und der Wirtschaftswoche

Amazon vernichtet massenhaft neue Produkte und Retourware

Der Onlinehändler Amazon vernichtet nach Informationen des ZDF und der "Wirtschaftswoche" massenhaft zurückgegebene und noch neuwertige Produkte.

Berlin - Wie beide Medien am Freitag unter Berufung auf interne Produktlisten, Fotos und Aussagen von Mitarbeitern berichteten, werden in den deutschen Logistiklagern des Versandhändlers "in großem Umfang" Güter aller Art entsorgt, darunter Kühlschränke, Handys, Matratzen und Möbel.

Amazon zerstöre dabei nicht nur unbrauchbare Produkte, sondern auch funktionstüchtige und teilweise neue Artikel, hieß es unter Berufung auf Aussagen von Beschäftigten. Eine Mitarbeiterin berichtete demnach, dass sie jeden Tag Waren im Wert von mehreren zehntausend Euro vernichtet habe. Das ZDF berichtet in seinem Magazin "Frontal 21" am kommenden Dienstag über seine Recherchen, die Wirtschaftswoche in ihrer aktuellen Ausgabe.

„Entsorgung von Produkten“

Amazon selbst bestritt nicht, Artikel zu entsorgen und erklärte stattdessen, über mehrere Programme zu verfügen, um die "Entsorgung von Produkten" weiter zu reduzieren - etwa über Wiederverkäufe oder Spenden. Amazon arbeite "kontinuierlich an der Verbesserung von Nachfrageprognosen", um die Zahl nicht verkaufter Artikel zu minimieren, teilte der Händler in seiner Stellungnahme mit.

Heftige Kritik an der vom ZDF und der Wirtschaftswoche aufgedeckten Praxis kam von der Bundesregierung. Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth forderte Amazon auf, die Vorwürfe aufzuklären. Er sprach von einem "riesengroßen Skandal" und kritisierte die damit verbundene Ressourcenverschwendung. Der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer nannte die Praxis "unverantwortlich". Die Organisation Greenpeace forderte ein gesetzliches Verschwendungs- und Vernichtungsverbot für neuwertige und gebrauchsfähige Ware.

Auch externe Anbieter nutzen Angebot

Den Medienberichten zufolge bietet Amazon seinen Entsorgungsdienst auch externen Anbietern an, die den Logistikservice "Versand durch Amazon" nutzen. "Sie können Ihren Lagerbestand auf Wunsch von uns entsorgen lassen", heißt es demnach in einer Angebotsübersicht von Amazon. Auf entsprechenden Produktlisten tauchen etwa Kinderturnschuhe und Kopfhörer auf, die intern mit der Versandmethode "Destroy" gekennzeichnet wurden.

Mit Retouren sind aber auch schon ganz andere Sachen passiert. So bekam beispielsweise eine Frau aus Berlin wiederholt Pakete vom Amazon, obwohl sie nichts bestellt hatte.

AFP

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Neuwagenkäufer über 60: männlich, markentreu, mobil
Beim Autokauf sind Senioren konservativ. Sie informieren sich am liebsten beim Händler und dort beim selben Ansprechpartner. Dann geht es los - und zwar gerne im SUV …
Neuwagenkäufer über 60: männlich, markentreu, mobil
Rabatt bei EEG-Umlage: Mehr Strommengen beantragt
Über die EEG-Umlage werden die Betreiber etwa von Windkraft- oder Solaranlagen gefördert. Finanzieren müssen dies zum großen Teil die Stromverbraucher. Unternehmen mit …
Rabatt bei EEG-Umlage: Mehr Strommengen beantragt
VW-Betriebsratschef will Emder Werk ausgelastet sehen
Stadtgeländewagen werden immer beliebter - vor allem Limousinen geraten unter Druck. Das merkt auch der Branchenriese Volkswagen. Betriebsratschef Osterloh sorgt sich um …
VW-Betriebsratschef will Emder Werk ausgelastet sehen
Ratingagenturen stufen Kreditwürdigkeit der Türkei herab
Die Türkei steckt in einer Finanzkrise. Die könnte sich verschärfen nach nochmals schlechteren Noten maßgeblicher Bonitätswächter. Was wiederum Einfluss auf die Kosten …
Ratingagenturen stufen Kreditwürdigkeit der Türkei herab

Kommentare