Ambulante Pflegedienste: Wie man den richtigen findet - und wer zahlt

- Rund vier Prozent der 60- bis 80-Jährigen und mehr als 30 Prozent der über 80-Jährigen sind laut Bundesgesundheitsministerium pflegebedürftig. Viele von ihnen können dennoch in der gewohnten Umgebung bleiben - dank der Hilfe von Angehörigen oder der Unterstützung durch ambulante Pflegedienste. Doch den richtigen Dienst zu finden und zu finanzieren, ist gar nicht so einfach.

Erste Anlaufstelle

Adressen sind beim Arzt, dem Krankenhaussozialdienst, der Pflegekasse, Berufsverbänden oder Pflegeberatungsstellen erhältlich. Ambulante Pflege wird von Sozialstationen in gemeinnütziger oder kommunaler Trägerschaft und von privaten Pflegediensten angeboten. Manche Dienste haben sich auf Schwerst- oder Demenzkranke spezialisiert. "In München und anderen Städten haben Sie Wahlmöglichkeiten", sagt Claus Fussek von der Vereinigung Integrationsförderung e.V. Auf dem Lande kann die Auswahl eingeschränkt sein.

Wann ist Pflege nötig?

Zuallererst sollte der Bedarf ermittelt werden. "Welche Hilfsleistungen brauche ich für Pflege oder hauswirtschaftliche Versorgung und wie oft?", sagt Julia Nill, Gesundheits-Expertin der Verbraucherzentrale in Stuttgart. Dann geht es um die Aufteilung: Was können Angehörige oder Nachbarn leisten? Wo sind Fachkräfte nötig?

Finanzierung

Als Nächstes muss die Finanzierung geklärt werden. "Hierzu wird ein Antrag auf Anerkennung der Pflegebedürftigkeit bei der Pflegekasse gestellt", sagt Nill. Die Beurteilung erfolgt durch den Medizinischen Dienst der Pflegekasse. "Wichtig ist, dass sich der Patient bei dem Hausbesuch der Gutachter nicht aus falschem Stolz zusammenreißt, sondern ein realistisches Bild seines Gesundheitszustandes vermittelt." Ein Pflegetagebuch, in dem der Patient festhält, wie der Tagesablauf aussieht, kann bei der Argumentation helfen. Die Pflegekasse legt auf der Grundlage des Gutachtens fest, ob und welche Pflegestufe zutrifft. Pflegen Angehörige die Patienten, wird ein Pflegegeld gezahlt. Kümmert sich ein ambulanter Dienst um den alten oder kranken Menschen, werden Sachleistungen gezahlt. Bei Kombinationen wird das Geld aufgeteilt. Die Pflegekasse zahlt Pauschalen, was darüber hinausgeht muss selbst beglichen werden, oder man stellt einen Antrag beim Sozialamt. In der Regel zahlt der Gepflegte zu.

Angebote einholen

Spätestens nach der Mitteilung über die Pflegestufe holt der Patient Angebote ein. Dabei kommt in der Regel der Pflegedienstleiter oder ein erfahrener Mitarbeiter zu einem Hausbesuch und ausführlichem Beratungsgespräch, bei dem auch etwaig notwendige Hilfsmittel angesprochen werden.

Neben einem Kostenvoranschlag sollten alle Leistungen detailliert beschrieben und Ihre Kosten und die der Pflegekasse aufgelistet werden: Wann und wie oft kommt der Pfleger? Was macht er und was nicht? Wie sieht es mit der Kündigung des Vertrages aus? Wechselt der Pfleger häufig und spricht er ausreichend Deutsch? Die meisten Menschen möchten selbstverständlich nicht durch ständig wechselnde Pfleger betreut werden. Arbeitet er mit dem Hausarzt zusammen?

Art der Betreuung

In einem ersten Gespräch sollten die Frage nach der Qualifikation des Pflegers, ob ein Mann oder eine Frau kommt, geklärt werden. "Da arbeiten Menschen", sagt Fussek. Es gebe leider sehr viele schwarze Schafe und Betrug, aber kaum Kontrollen, so Fussek. Am besten hört man sich gut um, rät er. In München geben die sogenannten Pflegestammtische, die den Pflegediensten auf die Finger schauen, hilfreiche Hinweise. Auch dazu informieren in der Landeshauptstadt die Städtische Beschwerdestelle für stationäre und ambulante Pflege sowie die Bürgerhäuser und Alten- und Servicezentren in den Stadtteilen.  Bei Unklarheiten sei die Pflege- oder Krankenkasse der erste Ansprechpartner.

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