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Die Börse (New York Stock Exchange) an der New Yorker Wall Street (Archivfoto vom 22.01.2008).

Amerika auf Pump: Neue Welle von geplatzten Krediten droht

New York - In Amerika droht die nächste Finanzblase zu platzen: Die Kreditkarten-Blase. Konsumenten schieben einen Berg von ungedeckten Krediten in Höhe von 950 Milliarden Dollar bei American Express, Visa, Mastercard & Co. vor sich her.

Spätestens im nächsten Jahr, so erwarten Experten, bricht auch dieses Schuldensystem zusammen. Denn aufgrund der Rezession sind die Verbraucher nicht mehr in der Lage, die Forderungen zu begleichen.

Schulden gehören in den USA zum Alltag wie Burger und Pommes.

In einem Durchschnittshaushalt gehen 14 Prozent des verfügbaren Monatseinkommens für das Abbezahlen von Schulden drauf. Besonders teuflisch ist die Tilgungsspirale bei Kreditkarten: Wegen teils horrender Zinssätze sieht so mancher kein Land mehr. Etwa jeder zweite ist mit den Raten im Rückstand. Viele schichten die Schulden nur noch von einer Karte auf die nächste.

Für rund 300 Millionen Amerikaner gibt es inzwischen eine Milliarde Karten. Mehr als die Hälfte der 21-jährigen College-Abgänger besitzt heute vier oder noch mehr Plastikzahlungsmittel.

Die anstehende Unfähigkeit, die Kreditkarten-Schulden zurückzuzahlen, könnte sich auf das gesamte Finanzsystem auswirken. So haben viele Kreditkartenanbieter und Banken ihre Forderungen gebündelt und weiterverkauft. Über das Ausmaß der drohenden zweiten Finanzkrise gibt es unterschiedliche Einschätzungen.

"Es wird eine nächste Welle an geplatzten Krediten in den USA kommen, das ist keine Frage", sagte etwa Unicredit-Kreditspezialist Markus Ernst gegenüber "Spiegel online". Das Volumen der verbrieften Kreditkartenschulden liege aber deutlich unter dem der Subprime-Immobilienschulden. "Europäische Banken sind - wenn - nur geringfügig in US-Kreditkartenverbriefungen investiert."

Schwer erwischt hat es dagegen bereits den Kreditkartenanbieter American Express. Nach einem heftigen Gewinneinbruch streicht das Unternehmen 7000 Stellen und damit rund zehn Prozent der Arbeitsplätze. American Express (Amex) leidet unter den massiv steigenden Zahlungsausfällen bei Kreditkartenschulden im Zuge der Finanzkrise. Amex galt wegen seiner relativ zahlungskräftigen Kundschaft bisher als recht widerstandsfähig. Die Finanzkrise schlägt in den USA aber mittlerweile auf alle Schichten der Bevölkerung und viele Branchen durch.

Anders als die Branchenführer Visa und Mastercard hat Amex die Kreditkartenschulden seiner Kundschaft in den eigenen Büchern und muss entsprechende Abschreibungen vornehmen. Bei Visa und Mastercard liegt das Risiko hingegen bei den Banken, die die Karten ausgeben. Alle Anbieter reichen jedoch Teile der Außenstände über Wertpapiere an andere Investoren weiter - ganz ähnlich wie bei den am Ende weltweit weiterverkauften US-Hauskrediten.

Auch die beiden Weltmarktführer Visa und Mastercard sind im dritten Geschäftsquartal in die roten Zahlen gerutscht. Grund waren jeweils Belastungen aus einem Milliardenvergleich mit dem Konkurrenten Discover. Discover hatte Visa und Mastercard wegen Wettbewerbsbehinderung verklagt und per Vergleich rund 2,75 Milliarden Dollar erstritten.

Deswegen war Mastercard im dritten Quartal erneut in die Verlustzone geschlittert. Das Minus betrug 194 Millionen Dollar, berichtete das Unternehmen gestern. Weltweit sind 970 Millionen Mastercard-Kreditkarten im Umlauf und damit zehn Prozent mehr als vor einem Jahr. Erhöhte Zahlungen mit Kreditkarten sind auch der Grund dafür, dass sich Visa und Mastercard noch vergleichsweise gut halten: Sie verdienen an den Abwicklungsgebühren.

mm/dpa/ap

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