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Der ehemalige Arcandor-Chef Middelhoff Middelhoff hatte Ende März Privatinsolvenz beantragt. Foto: Bernd Thissen/Archiv

Amtsgericht eröffnet Insolvenzverfahren gegen Middelhoff

Die Gläubiger fordern weit über 100 Millionen Euro vom früheren Topmanager. Doch ein Großteil der Forderungen ist umstritten. Das Verfahren kann Jahre dauern.

Bielefeld (dpa) - Nach der Privatinsolvenz des früheren Topmanagers Thomas Middelhoff rechnet Insolvenzverwalter Thomas Fuest damit, einen hohen Millionenbetrag an die Gläubiger ausschütten zu können.

Noch lägen allerdings auf dem für den Fall eingerichteten Treuhandkonto erst 600 Euro, sagte Fuest. Wenige Stunden zuvor hatte das Amtsgericht Bielefeld das Insolvenzverfahren eröffnet.

Der frühere Chef des Bertelsmann-Konzerns und des Pleite gegangenen Handelskonzerns Arcandor hatte Ende März Privatinsolvenz angemeldet. Wie hoch Middelhoffs Schulden sind, ist Fuest zufolge allerdings noch immer nicht mit Sicherheit zu sagen. Es gebe Forderungen von weit über 100 Millionen Euro, doch sei ein Großteil davon strittig. Vollstreckungsfähige Urteile und Schuldanerkenntnisse gebe es bislang für eine Summe von rund 19 Millionen Euro. Gleichzeitig mache Middelhoff seinerseits hohe Forderungen gegenüber mehreren Gläubigern geltend.

Offen ist Fuest zufolge auch noch, wie viel vom einstigen Vermögen des Managers noch vom Insolvenzverwalter verwertet werden kann. Er gehe aber derzeit davon aus, dass er für die Konkursmasse einen "hohen Millionenbetrag" sicherstellen könne. Er erwarte Geld nicht zuletzt aus früheren Fondsbeteiligungen Middelhoffs, aber auch aus der Anfechtung von früheren Vermögensübertragungen des Managers an Personen in seinem Umkreis sowie von Pfändungsmaßnahmen einzelner Gläubiger in den vergangenen Jahren. Dabei geht es unter anderem auch um das sogenannte "Oetker-Haus" in Bielefeld und Middelhoffs Villa in St. Tropez.

"Das Verfahren ist mit allen Zutaten versehen, die eine hohe Komplexität erwarten lassen", betonte Fuest. Er erwarte eine "äußerst aufwendige Ermittlungsarbeit". Nach Einschätzung des Insolvenzverwalters drohte spätestens seit 2009 - dem Zeitpunkt der Pleite des Arcandor-Konzerns - eine Zahlungsunfähigkeit des Managers. Der Zeitpunkt ist wichtig, weil der Insolvenzverwalter ab diesem Moment, die Möglichkeit zur Anfechtung von Vermögensübertragungen hat. Zwei Jahre später habe Middelhoff selbst mit Vermögenssicherungsmaßnahmen begonnen. Seit 2013 habe es dann einen regelrechten Wettlauf der Gläubiger auf das Vermögen des Managers gegeben.

Insgesamt haben bislang rund 50 Gläubiger Forderungen gegen Middelhoff erhoben. Die Prüfung der Forderungen will das Amtsgericht Bielefeld am 21. September durchführen. Für diesen Tag ist auch eine Gläubigerversammlung vorgesehen.

Läuft das Insolvenzverfahren nach Plan kann Middelhoff nach fünf Jahren schuldenfrei sein. Noch schneller könnte es gehen, wenn sich der Manager mit seinen Gläubigern auf einen Insolvenzplan einigt. Middelhoff habe ein Interesse an einem solchen Vergleich signalisiert, sagte Fuest. Der Insolvenzverwalter zeigte sich offen für solch eine Einigung, da auf diese Weise viele Rechtsstreitigkeiten vermieden werden könnten.

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