Angeklagter Dr. A.: Die Millionen waren ein Signal des Friedens

- Düsseldorf ­- Als die champagnerfarbene Limousine um kurz vor 9 Uhr im Hof des Düsseldorfer Landgerichts hält, kommt es zu tumultartigen Szenen. Ein Pulk von Kamerateams und Fotografen verfolgt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann durch die grauen Gerichtsflure bis zur geschützten Zone, die das Gericht den prominenten Angeklagten und ihren Anwälten geschaffen hat.

Der zweite Tag der Neuauflage des Mannesmann-Prozesses steht ganz im Zeichen der Aussage des Angeklagten "Dr. A.". Vor seinem Auftritt wirkt Ackermann angespannt.

Dann erhebt sich der mächtige Bankmanager und schildert den Strafjuristen sein Verhalten bei der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkkonzern Vodafone als korrekt, weitsichtig und solide abgewogen. Er verteidigt die umstrittenen Millionenprämien: "Alles andere wäre tödlich gewesen. Hätten wir unsere Leute im Regen stehen lassen sollen?", fragt Ackermann.

Es sei um eine schnelle und erfolgreiche Integration von Mannesmann in den neuen Konzern gegangen. Dies sei das gemeinsame Interesse von Mannesmann und Vodafone gewesen. "Es wäre falsch gewesen, sich zu verweigern." Das Thema Zukunft rückt er ins Zentrum: Es gilt, die Kritik des Bundesgerichtshofs zu entkräften, die Prämien seien Geschenke ohne künftigen Nutzen für die Mannesmann AG gewesen.

"Es ging uns um den Erhalt des erreichten Unternehmenswertes, um eine Stabilisierung der Gegenwart im Interesse der Zukunft des Konzerns", sagt der Schweizer. Schließlich komme es bei jeder zweiten Fusion zu einem Verlust von Unternehmenswert. Und auch die Kritik des BGH, die Angeklagten hätten sich wie Gutsherren aufgeführt, als sie das Vermögen der Aktiengesellschaft verschenkt hätten, nimmt Ackermann auf.

Die Prämien seien immerhin ein Vorschlag des Mehrheitsaktionärs gewesen, kein Anteilseigner habe Bedenken erhoben und auch die neuen Konzernherren seien durchaus einverstanden gewesen. Der Hauptgrund sei allerdings eine Belohnung der außerordentlichen Leistungen gewesen. In Richtung des damaligen Mannesmann-Chefs Klaus Esser sagt Ackermann: "Die meisten anderen hätten früher aufgegeben."

Und Ex-Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk (58) habe seine Prämie nicht erhalten, weil er sie selbst für sich ins Spiel brachte, sondern weil er in seinen sechs Jahren als Vorstandsvorsitzender als Vorgänger die Grundlagen für den Erfolg Essers gelegt habe.

Die besonders umstrittenen sechs Millionen DM an Funk ("Für jedes Vorstandsjahr eine Million.") seien zudem ein Signal des damaligen Vodafone-Chefs Chris Gent gewesen, der Frieden zwischen den eben noch verfeindeten Lagern schaffen wollte. Er habe sich darauf verlassen, dass die Prämienbeschlüsse rechtlich geprüft worden seien.

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