Angelsächsische Fonds erobern den deutschen Immobilienmarkt

- Düsseldorf - In keiner anderen Branche in Deutschland haben angelsächsische Investmentfonds so stark Fuß gefasst wie im Immobilienbereich. Im Sturmschritt sind Finanzinvestoren wie Terra Firma, Fortress, Blackstone oder Cerberus in den vergangenen Jahren zu den größten Immobilienbesitzern in Deutschland geworden und verfügen heute über mehr als 500 000 Wohnungen.

Größter Wohnungsanbieter in Deutschland ist mittlerweile die Deutsche Annington, eine Tochterfirma des Londoner Finanzinvestors Terra Firma. Nach der Übernahme von zehn Eisenbahn-Wohnungsgesellschaften und dem sieben Milliarden Euro teueren Kauf der Eon-Immobilientochter Viterra kontrolliert das Unternehmen fast 230 000 Wohnungen in Deutschland. Der New Yorker Konkurrent Fortress verfügt nach der Übernahme der Berliner Wohnungsgesellschaft Gagfah über 80 000 Wohnungen. Und auch Blackstone und Cerberus besitzen zehntausende von Wohnungen zwischen Kiel und Garmisch-Partenkirchen.

Doch ist dies wohl erst der Anfang. Rund eine Million Wohnungen aus dem Besitz der öffentlichen Hand werden nach Schätzungen in den nächsten Jahren auf den Markt geworfen. Und die Fonds stehen bereit. Fortress hat bereits zwei Milliarden US-Dollar für Investitionen in deutsche Immobilien gesammelt. Dank des bei diesen Transaktionen gewöhnlich niedrigen Eigenkapitalanteils von 20 Prozent reicht dies, um Einkäufe im Volumen von 10 Milliarden US-Dollar zu stemmen.

Umstritten ist, welche Folgen dies für den deutschen Mietwohnungsmarkt haben wird. Unbestritten sind die britischen Anleger stark gewinnorientiert.

"Sie schöpfen ab, und dann geht es woanders hin." Ulrich Ropertz

Viele der Fonds bieten den Mietern bei ihrem Einstieg weitgehende Garantien. Auf ihren Gewinn wollen die Investoren vor allem durch den Verkauf von Wohnungen kommen. Oft ist der Mieter der Käufer. Gleichzeitig wurden aber auch die legalen Mieterhöhungsspielräume ausgenutzt, um die Gewinne zu steigern. Doch hat Mieterbund-Sprecher Ulrich Ropertz angesichts der hohen Rendite-Erwartungen der Fonds Zweifel, ob diesen das auf Dauer reichen wird. "Über einen gewissen Zeitraum kann man durch zulässige Mieterhöhungen und den Verkauf einzelner Wohnungen solche Renditen erreichen. Aber was passiert, wenn es nach ein paar Jahren schwierig wird?", fragt der Mieterschützer. "Sie schöpfen ab, und dann geht es woanders hin", glaubt Ropertz.

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