Angriff in der Oberklasse: BMW hält Lexus für gefährlicher als Audi

- München - Der erfolgsverwöhnten Branche ging es in den letzten Jahren nicht gut. Nur die Hersteller teurer Premium-Fahrzeuge konnten sich von der Krise der Automobil-Industrie abkoppeln. Doch jetzt stehen sie vor neuen Herausforderungen. Die Japaner wagen sich in die Höhle der Premium-Löwen. Mit Luxusmarken wollen sie nun in Europa Fuß fassen.

<P class=MsoNormal>Toyota hat dies für seine Marke Lexus bereits angekündigt. Das verändert den Wettbewerb. BMW-Personal-Vorstand Ernst Baumann nennt nun Lexus als "wichtigsten Wettbewerber nach Mercedes", den er für "gefährlicher als Audi" hält.</P><P class=MsoNormal>Dabei unterschieden sich zwar die Strategien von BMW und Toyota, die Erfolgsrezepte beider Konzerne weisen verblüffende Parallelen auf: "Kündigungen sind Harakiri", heißt es bei Toyota. Zufriedene und motivierte Mitarbeiter betrachtet das Unternehmen als Kapital. Auch bei BMW leben die Mitarbeiter weitgehend ohne Job-Sorgen. Zwar hat Baumann den Personalaufbau der letzten Jahre um 11 000 Stellen für beendet erklärt. Doch von Entlassungen oder Verlagerungen von Jobs in Billiglohn-Länder war nie die Rede. Statt auf Drohungen setzt man auf Einvernehmen: Effizienzgewinne hat man den Gewerkschaften friedlich abgehandelt. Kaum ein anderes Unternehmen erlaubt so flexible Arbeitszeiten.</P><P class=MsoNormal>Auch bei der Effizienz der Produktion setzen sowohl Toyota als auch BMW - unterschiedliche - Maßstäbe. Die Japaner haben vorgemacht, wie man hohe Stückzahlen preisgünstig baut, und Fehler dabei vermeidet.</P><P class=MsoNormal>Um kleinere und vor allem schwankende Stückzahlen wirtschaftlich bauen zu können, ging BMW einen anderen Weg: Flexibilität. Von einem Band kommen unterschiedliche Autos. In Amerika stellt BMW die Produktion sogar so weit um, dass hintereinander sportliche Roadster und geräumige Geländewagen von einem Band rollen. Flexibilität erlaubt auch mehr Varianten. Durch maßgeschneiderte Autos will man der anspruchsvollen Premium-Kundschaft gerecht werden.</P><P class=MsoNormal>Dabei wird der Wind für BMW nicht nur wegen der Konkurrenz aus Fernost rauer. Der ewige Jäger wurde unerwartet zum Gejagten. Ausgerechnet der in der Fachwelt heftig kritisierte 7er hat sich bei den Verkaufszahlen in seiner Klasse auf Platz 1 geschoben. Diesen Vorsprung will sich BMW nicht mehr abjagen lassen. "Das Flaggschiff transportiert das Image der Marke", sagt Produktionsvorstand Ernst Baumann. So reicht die übliche Runderneuerung dieses Modells zur Halbzeit des siebenjährigen Modellzyklus über Modellpflege hinaus.</P><P class=MsoNormal>Der als klobig kritisierte 7er erschient nun flacher und sportlicher, obwohl er wie BMW-Marketing-Chef Torsten Müller-Ötvös einräumt, sogar "3 Millimeter höher ist". Das wurde durch dezente kosmetische Korrekturen an der Karosserie und den Lampen erreicht.</P><P class=MsoNormal>Doch unter der Haube blieb kaum eine Mutter an der Schraube. Fünf von sechs Motorvarianten sind Neukonstruktionen - mit höheren Fahrleistungen bei geringerem Verbrauch, wie Baumann sagt (siehe Kasten). Er erwartet sich spürbare Absatzimpulse durch das "Update".</P><P class=MsoNormal>Dabei muss das Auto ganz unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen. In Deutschland sind 95 Prozent der 7er-Käufer sportlich orientierte Selbstfahrer. In Japan leisten sich die meisten einen Chauffeur. BMW rückt dort den Komfort im Fond ins Zentrum der Werbung. Immerhin hat Asien mit einem Absatzplus von 95 Prozent in den letzten drei Jahren als wichtigster Markt für den 7er fast mit Europa und den USA gleichgezogen. Wichtigster Teilmarkt ist Japan. Dass Japaner den Deutschen auf ihrem Terrain Konkurrenz machen, ist eben nur eine Hälfte der Wahrheit.</P>

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