Die Angst vor dem Blick nach vorne

München - Die Finanzmarktkrise hat auch die HypoVereinsbank in die Verlustzone gedrückt. Im ersten Quartal machte die Münchner Tochter der italienischen Unicredit-Gruppe einen Verlust von 318 Millionen Euro vor Steuern.

Die italienische Großbank Unicredit und ihre deutsche Tochter HypoVereinsbank (HVB) haben im ersten Quartal unter der Finanzkrise gelitten. Angesichts millionenschwerer Abschreibungen musste die HVB erstmals seit drei Jahren einen Verlust vor Steuern ausweisen von 318 Millionen Euro. Bei der Konzernmutter Unicredit brach der Überschuss um gut die Hälfte ein auf 1,01 Milliarden Euro. Während die Italiener ihre Gewinnprognose für das Gesamtjahr kappten, traut sich die HVB keinen Ausblick für 2008 zu. Auch wenn es im April erste Signale einer Stabilisierung gegeben habe, betrachte man die Situation an den Finanzmärkten "nach wie vor als sehr unsicher", erklärte der scheidende HVB-Chef Wolfgang Sprißler.

Im Vorjahreszeitraum hatte die HVB noch einen Gewinn vor Steuern von 1,051 Milliarden Euro erwirtschaftet. Unterm Strich schrieb sie nun einen Verlust von 282 Millionen Euro, nach einem Überschuss von 793 Millionen Euro im Vorjahr. Vor allem die Investmentbanking-Sparte rutschte tief in die roten Zahlen. Rund 500 Millionen Euro an Belastungen fielen allein bei ABS-Papieren an, mit denen sich bereits die IKB verspekuliert hatte. ABS steht für Asset Backed Securities, also für Anleihen, die Kredite handelbar machen. Auch Zins- und Provisionsüberschuss gingen zurück.

Die Gesamtjahresentwicklung bleibe abhängig vom weiteren Verlauf der Finanzmarktkrise und sei daher schwer zu prognostizieren, erklärte Sprißler. "Sollten sich die Tendenzen zur Normalisierung der Finanzkrise verstärken, haben wir durch die heutigen Wertkorrekturen in unseren Büchern auch wieder Erholungspotenzial, auch wenn ich nicht annehme, dass wir die früheren Niveaus wieder sehen werden." Sprißler gibt zum Jahreswechsel den Chef-Posten an Theodor Weimer ab, der bisher den Bereich Investmentbanking der Unicredit-Gruppe verantwortete.

Die HVB bemüht sich derzeit, ihren Verwaltungsaufwand weiter abzubauen. Im ersten Quartal habe er sich um 8,8 Prozent auf 871 Millionen Euro reduziert, hieß es. Grund seien unter anderem Einsparungen beim Personal. Die Bank hatte kürzlich mitgeteilt, in den kommenden beiden Jahren rund 250 Stellen nach Polen verlagern zu wollen. Bereits 2009 sollen zudem 300 HVB-Mitarbeiter in Fremdfirmen ausgelagert werden.

Die Unicredit kappte derweil ihr Gewinnziel für das Gesamtjahr von zuletzt 66 Cent je Aktie auf nunmehr 52 bis 56 Cent je Aktie. Unicredit-Chef Alessandro Profumo hatte bereits gesagt, dass die ursprüngliche Prognose wegen des aktuellen Kapitalmarktumfelds nicht zu halten sei. Profumo will bis Jahresende die zuletzt schwache Kernkapitalquote wieder auf sechs Prozent heben. Ende März habe diese für die Bonitätsbewertung - eine für die Refinanzierungsmöglichkeiten einer Bank wichtige Kenngröße - bei 5,5 Prozent gelegen. 

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