Angst um die Erholung: Rufe nach Zinssenkung werden lauter

- München - Wenige Tage vor der nächsten Sitzung des EZB-Rates werden die Rufe nach einer Zinssenkung der Europäischen Zentralbank immer lauter. Aus Angst vor dem Ersticken der gerade erst zum Leben erweckten Konjunkturerholung in Europa plädieren Wirtschaftsexperten an den Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, die Leitzinsen zu senken.

<P>"Ich war lange Zeit gegen eine Zinssenkung, aber nun ist die Zeit gekommen", sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, der "Welt am Sonntag". Er wiederholte damit sein Plädoyer für niedrigere Leitzinsen in Europa. Angesichts des abermals gefallenen Ifo-Geschäftsklimaindex sei der Aufschwung nun eindeutig in Gefahr, und deshalb müsse die EZB handeln.<BR><BR>Der ohnehin schwache Aufschwung hat auch nach Einschätzung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) an Tempo verloren. "Die konjunkturelle Belebung hat sichtbar einen Teil ihres ohnehin nur mäßigen Schwungs wieder eingebüßt", sagte BDI-Konjunkturexperte Reinhard Kudiß der "Berliner Zeitung". Erhebliche Irritationen über den Fortgang des Reformprozesses in Deutschland dämpften auch den privaten Verbrauch. Zudem bereite der hohe Ölpreis dem BDI Sorgen. Seine Wachstumsprognose von bis zu 2,0 Prozent 2004 wolle der Verband zwar noch nicht korrigieren. "Doch es wird schwieriger, das Ziel zu erreichen", sagte Kudiß.<BR><BR>Der Chefvolkswirt Europa bei der Deutschen Bank, Thomas Mayer, hält eine weitere Ermäßigung des Leitzinses im Euroland für wahrscheinlich: "Die EZB scheint über die Schwäche des Aufschwungs enttäuscht zu sein und bereitet den Markt auf eine Zinssenkung vor. Diese könnte auf einer der nächsten drei Ratssitzungen beschlossen werden", zitiert "Die Welt" Mayer. Die Risiken für den Aufschwung hätten sich weiter erhöht.<BR><BR>Der Chefvolkswirt der Münchner HypoVereinsbank, Martin Hüfner, argumentiert mit den Anschlägen von Madrid, die den ohnehin schwachen Konjunkturaufschwung zusätzlich gefährdeten. Dies dürfte das Verbrauchervertrauen zusätzlich belasten, sagte Hüfner dem "Handelsblatt". Inflationsrisiken, die einer Zinssenkung entgegenstehen könnten, seien nicht zu erkennen.<BR><BR>David Walton, Europa-Chefvolkswirt der US-Investmentbank Goldman Sachs, vertritt laut "Handelsblatt" dagegen die Ansicht, die EZB solle nur dann handeln, wenn die harten Wirtschaftsdaten tatsächlich ein Stocken des Aufschwungs anzeigten. In einem von "Handelsblatt" und "Wall Street Journal Europe" regelmäßig befragten "EZB-Schattenkabinett" hätten sich unter dem Strich 8 von 18 Mitgliedern dafür ausgesprochen, bei der nächsten EZB-Ratssitzung am 1. April den Leitzins von derzeit 2,0 Prozent nicht weiter zu ermäßigen.<BR><BR></P>

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