Die Angst geht um in Rüsselsheim: "Ohne Opel nicht denkbar"

- Rüsselsheim - Wer am Main entlang von Westen nach Rüsselsheim fährt, für den ist es zunächst schwierig, überhaupt eine Stadt auszumachen. Kilometer um Kilometer reihen sich die Fabrikgebäude, Lagerhallen und Bürokomplexe der Adam Opel AG aneinander. Das winzige Stadtzentrum versteckt sich im Windschatten des riesigen Werksgeländes, so als wollte sich Rüsselsheim hinter Opel ganz klein machen.

<P>Nichts könnte die ökonomische Abhängigkeit einer Stadt deutlicher machen als diese räumliche Situation. "Rüsselsheim ist nicht denkbar ohne Opel", sagt Pfarrer Volkhard Guth: "Die Stadt hängt an diesem Standort." Dass nun bei Opel bundesweit fast jeder dritte Arbeitsplatz, in Rüsselsheim jede fünfte Stelle wegfallen soll, habe die Menschen tief getroffen, erklärt er. "Die Angst sitzt tief, dass da ein erdrutschartiger Einbruch kommt."<BR><BR>Es bleibt ruhig an diesem Freitag im Rüsselsheimer Werk. Anders als in Bochum, wo die Arbeiter spontan die Arbeit niedergelegt haben, kommt es in Rüsselsheim zu keinen Protestaktionen. <BR><BR>"Die Kollegen müssen die Faust in der Tasche lassen", sagt Udo Löwenbrück, Sprecher der Vertrauensleute im Rüsselsheimer Werk: "Wir dürfen unser Pulver nicht zu früh verschießen." Der Betriebsrat werde alles versuchen, um so viele Jobs wie möglich zu retten: "Wenn GM darüber nicht verhandeln will, werden wir GM an den Verhandlungstisch zwingen."<BR><BR>Hans Zinkeisen hat sein Büro in einem kleinen Häuschen nur wenige Meter vom Hauptportal des Opel-Stammwerks entfernt. Früher sei Opel einmal wie eine große Familie gewesen, erklärt der Betriebsseelsorger. Da sei es selbstverständlich gewesen, dass der Enkel dort gelernt habe, wo auch Vater und Großvater arbeiteten. Doch das Gefühl einer großen Gemeinschaft, das sei fast weg.<BR><BR>Nun ängstigten sich die Mitarbeiter um ihre Familien, um ihre Häuschen, um ihre Ratenzahlungen, sagt der Seelsorger: "Was da eskaliert, das hat sich der Einzelne nicht vorstellen können." Die Unsicherheit sei das Schlimmste: "Das trifft die Menschen tief in ihrer Psyche."<BR><BR>Knapp 60 000 Einwohner hat Rüsselsheim, rund 20 000 Arbeitsplätze bietet allein die Adam Opel AG. Schon im kommenden Jahr steht die Entscheidung an, ob alle Mittelklasseautos von GM Europa künftig in Rüsselsheim oder in Schweden gebaut werden. Spätestens dann geht es um die Existenz. Oberbürgermeister Stefan Gieltowski mag sich nicht ausmalen, was passiert, wenn das Rüsselsheimer Opel-Werk, die modernste Autofabrik Europas, geschlossen würde. "Das wäre wirklich ein Treppenwitz der Automobilgeschichte."<BR><BR>Die Stadt und das Werk, das 20 000 Menschen Arbeit gibt.</P>

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