Angst um den Job: Viele Bayern gehen auch angeschlagen arbeiten

- München - Welch ein Wunder: Glaubt man den Statistiken einiger Krankenkassen, dann gesunden die Bayern immer mehr. Tatsächlich aber fürchten sie sich immer mehr - ihren Job zu verlieren. Viele gehen auch dann arbeiten, wenn sie sich unwohl und krank fühlen.

<P>Mehrere Krankenkassen haben festgestellt, dass sich ihre erwerbstätigen Mitglieder im vergangenen Jahr seltener krank gemeldet haben als 2003. So meldete die AOK Bayern kürzlich den niedrigsten Krankenstand seit zehn Jahren. Und auch bei der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) gingen die Zahlen nach unten. "Der DAK-Krankenstand in Bayern ist 2003 auf 3,1 Prozent gesunken, von 3,2 im Vorjahr", sagte der Landesgeschäftsführer der Winfried Geisenberger. Schon im März hatte auch die Techniker Krankenkasse berichtet, dass ihre Versicherten seltener wegen Krankheiten daheim geblieben sind.<BR><BR>Die Kassen führen diese Entwicklung zum einen auf eine verbesserte betriebliche Gesundheitsförderung zurück. Darunter fallen alle Maßnahmen, die Wohlbefinden und Gesundheit am Arbeitsplatz verbessern sollen. Gleichzeitig sinkt das Krankenstandniveau in der Tendenz aber auch wegen der schwachen Konjunktur und der steigenden Arbeitslosigkeit, wie die DAK in ihrem "Gesundheitsreport 2004" einräumt. Für Gewerkschaften ist die Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation sogar die alleinige Ursache: "Der Krankenstand hat nicht wegen der Präventation abgenommen, sondern wegen der Angst der Arbeitnehmer um ihren Arbeitsplatz", meint Robert Jung von Verdi in München.<BR><BR>Eine repräsentative Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK stützt seine Aussage. So gaben drei Viertel der Teilnehmer an, sich aus Angst vor Arbeitsplatzverlusten mit Krankmeldungen zurückzuhalten. Ebenso viele seien schon mal zur Arbeit gegangen, obwohl sie sich richtig krank gefühlt hatten. Ein ähnliches Ergebnis liefert eine DAK-Untersuchung: Neun von zehn Arbeitnehmern gaben an, bei einer leichteren Erkrankung ihrem Job nachzugehen, um nicht zu fehlen.<BR><BR>Offenbar ist die Bereitschaft auch gesundheitlich angeschlagen in die Arbeit zu gehen vom Wirtschaftszweig und der Qualifikation abhängig. Aus einer Statistik der DAK geht etwa hervor, dass Angestellte im Öffentlichen Dienst mit 3,6 Prozent oder im Gesundheitswesen mit 3,5 Prozent einen relativ hohen Krankenstand zu verzeichnen haben. In der Datenverarbeitung mit 2,4 Prozent oder in der Rechtsberatung mit 2,0 Prozent bleiben die Mitarbeiter hingegen seltener zu Hause. Zudem hat die AOK festgestellt, dass sich Arbeiter häufiger krank melden als Erwerbstätige mit Universitätsabschluss.<BR><BR>DAK-Sprecher Manfred Kokott warnt allerdings davor, falsche Schlüsse zu ziehen. "Es gibt keine Daten, die diesen Unterschied erklären", sagt er. Er vermutet aber, dass es unter anderem an der Arbeitsplatz-Zufriedenheit liegt. Gerade im Gesundheitswesen dürfte der vergleichsweise hohe Krankenstand aber auch durch die starke körperliche Belastung verursacht werden.<BR></P>

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