Angst um die Kaufkraft der Amerikaner

München - Auch wenn die Börsen in Europa den globalen Kursrutsch bremsten: Ein Einbruch der Börsen in Fernost deutet darauf hin, dass die US-Immobilienkrise tiefere Spuren in der Wirtschaft wichtiger Exportnationen hinterlassen wird.

Es waren gleich zwei schlechte Nachrichten für Japan. Die US-Notenbank blickt nun doch skeptischer auf die konjunkturelle Entwicklung. Und der Yen legte gegenüber dem US-Dollar deutlich zu. So rutschte der Nikkei-Index um 1,7 Prozent auf 16012,83 Punkte nach unten. Damit bewegte sich ein gewaltiges Beben an den US-Börsen nahezu ungedämpft über den Stillen Ozean.

Dabei waren die erneuten Einbrüche an den US-Börsen (Dow-Jones - 2,1 Prozent, Nasdaq - 2,4 Prozent, S & P - 2,5 Prozent) nicht nur auf schlechte Konjunkturdaten zurückzuführen. Vor allem belasteten schlechte Analystennoten für US-Finanzwerte. Einige Experten befürchten, dass die amerikanische Geldwirtschaft sich in den Gewinnen der Finanzdienstleister niederschlagen wird.

Das könnte ja ein Hinweis sein, dass diese doch nicht so erfolgreich ihre sichtbaren Risiken der ausländische Konkurrenz unterjubeln konnten - zum Beispiel deutschen Landesbanken. Das könnte die ausländischen Börsen ja weitgehend unbeeindruckt lassen. Doch eine andere Nachricht aus den USA sorgte in Tokio, Hongkong und Schanghai für tiefe Sorgenfalten: Die Immobilienpreise in den USA sind im zweiten Quartal um 3,2 Prozent gefallen - stärker als erwartet. Das bedeutet auch: Mehr faule Kredite, weniger finanzieller Spielraum für die Konsumenten. Und das heißt für die großen Exporteure schrumpfende Nachfrage in den USA. So zumindest die Befürchtungen.

Für Anlage-Experten sind zumindest die absehbaren Risiken schon in den Preisen drin. Für Deutschland und Europa sieht es, so Eberhard Weinberger, Vorstand und Partner bei der Dr. Jens Erhardt Kapital AG, fundamental nicht schlecht aus.

So kommt es vor allem darauf an, welche weiteren Hiobsbotschaften auf die Anleger zukommen und die Stimmung ruinieren. Und darauf, wie die Notenbanken auf die Veränderungen reagieren. "Wenn die Notenbanken zu lange zu restriktiv sind", sagt Weinberger, "fährt der Karren schlimmer in den Dreck". Der Anlageprofi erwartet nicht, dass in den USA schon alle Folgerungen der Hypothekenkrise absehbar sind. Die Probleme seien "tiefgreifender als von den meisten erwartet".

Das muss sich seiner Ansicht nach allerdings nicht in massiv in fallenden Kursen niederschlagen. Dabei blicken die Pullacher Vermögensverwalter auch auf die Stimmung und versuchen spätere Trends vorauszusehen. Wenn Pessismismus besonders verbreitet sei, deute das darauf hin, dass sich bereits ein Boden bildet, sagt Weinberger. Und dies sei gegenwärtig der Fall. Demnach wäre für Anleger das schlimmste möglicherweise schon überstanden.

Mit einem anderen Denkansatz kommen die Volkswirte der Commerzbank zu einem ähnlichen Ergebnis. Zwar sehen sie die gesamtwirtschaftliche Entwicklung nicht so euphorisch wie viele andere und erwarten 2008 nur noch ein Wachstum von 1,8 Prozent (immerhin gehen sie davon aus, dass eine weiche Landung gelingt). Doch sie erwarten, dass das Ende des Aufschwungs nicht zu einer Baisse am Aktienmarkt führt, sondern rechnen mit einer Wiederholung der Entwicklung von 1996. Damals konnte der Dax zulegen, "obwohl das Wirtschaftswachstum deutlich nachließ". Auch wegen der günstigen Bewertung des Dax erwarten sie "für den Dax im kommenden Jahr Kurse deutlich oberhalb der Marke von 8000 Punkten".

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