Die Angst um den Wettbewerb

- München - Die fortschreitende Konzentration in der europäischen Energiebranche stößt auf Kritik. Verbraucherschützer, Politiker und Wirtschaftsinstitute äußerten angesichts der geplanten Fusionen in Frankreich und Spanien die Befürchtung, dass der ohnehin schon lahmende Wettbewerb unter den Versorgern weiter gebremst wird. Dies könnte die Entgelte für Strom und Gas zusätzlich verteuern.

"Wir sind sehr skeptisch", kommentierte der Energieexperte des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Holger Krawinkel, die derzeitigen Übernahmevorhaben auf Europas Energiemarkt gegenüber unserer Zeitung. Vor allem das am Wochenende bekannt gewordene Vorhaben Frankreichs, aus den nationalen Unternehmen Gaz de France und Suez den größten Energiekonzern der Welt zu schmieden (siehe Kasten), sorge für ein weiteres "Wettbewerbshemnis". Dabei verwies Krawinkel auf einen kürzlich veröffentlichten Bericht der EU-Kommission, in dem von "ernsthaften Fehlentwicklungen" bei Gas und Strom berichtet wird.

Ähnlich besorgt zeigte sich der Energieminister von Flandern, dem Niederländisch sprechenden Teil Belgiens, Kris Peeters. Die Fusion in Frankreich widerspreche dem Ziel der Europäischen Union, mit einer Liberalisierung für mehr Konkurrenz zu sorgen, sagte er in einem Rundfunkinterview. "Nun scheint es, dass der Wettbewerb mit den jüngsten Entwicklungen in Frankreich nicht zunimmt, sondern sogar abnimmt." Belgien ist von der Megafusion im Nachbarland betroffen, da der führende belgische Stromanbieter Electrabel zu Suez gehört, während GDF Anteile an dem ebenfalls belgischen Energieunternehmen SPE-Luminus hält.

"Wir brauchen mehr Wettbewerb", forderte auch Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin auf Nachfrage. Die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt sagte, dass sich die Konzentrationswelle unter den Strom- und Gasversorgern in Europa auch auf die Energie-Kosten auswirken könnte: "Wir haben uns eher um steigende als um sinkende Preise zu sorgen." Das gelte auch für Deutschland - vor allem, wenn es hierzulande zu Übernahmen kommen sollte.

Momentan ist der deutsche Strom- und Gasmarkt zum Großteil zwischen den Konzern-Riesen Eon, RWE und Vattenfall sowie den regionalen Versorgern EnBW und EWE aufgeteilt. Kemfert hält es jedoch für möglich, dass gerade die beiden Kleineren ins Visier ausländischer Unternehmen geraten. Gerade die französische Electricité´ de France (EDF), der bereits 40 Prozent von EnBW gehören, könnte stärker nach Deutschland drängen. Auch die russische Gasprom sieht die DIW-Expertin als möglichen Interessenten.

Fachleute erwarten, dass sich mittelfristig nur noch eine Handvoll Energiekonzerne den europäischen Markt aufteilen werden. "Das limitierte organische Wachstum zwingt die Unternehmen dazu, extern zu wachsen", sagte Manfred Wiegand von der Beratungsfirma Price Waterhouse Coopers (PWC). Dabei ist die Marktbereinigung in Europa schon seit einigen Monaten voll im Gang. Nach einer PWC-Studie erreichten allein 2004 weltweite Übernahmen und Fusionen in der Branche einen Wert von über 120 Milliarden US-Dollar.

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