Anhaltend hohe Verluste gefährden das Überleben von MWG Biotech

- Ebersberg - Das Überleben des Ebersberger Hochtechnologieunternehmens MWG Biotech ist bedroht. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung (HV) Anfang September in Hamburg soll eine Kapitalherabsetzung von 10:1 Luft schaffen. Erst vor kurzem war ein Kapitalschnitt von 5:1 beschlossen worden. Dagegen liegen beim Landgericht München II jedoch vier Klagen von Aktionären vor. Gestern kam die nächste Hiobsbotschaft: MWG machte im ersten Halbjahr 2005 einen Verlust von 6,7 Millionen Euro. Das Eigenkapital ist zum Stichtag 30. Juni auf 2,1 Millionen Euro zusammengeschrumpft.

Es gibt Spekulationen, dass der neue Großaktionär, die französische Eurofins, den Umsatzbringer DNA-Sequenzierung zur Firma Medigenomix nach Martinsried auslagern könnte. Dass damit in Ebersberg nach den Entlassungen im vergangenen Jahr neue Kündigungen bevorstehen könnten, hält der Betriebsrat für möglich: Die Auslagerung der Sequenzierung zur Eurofins-Tochter sei "ein Entwurf, der denkbar wäre", sagte Gerald Nyakatura.

Der Vorstand von MWG Biotech, Wolfgang Pieken, hält sich in den USA auf und war nicht erreichbar. In der Einladung zur außerordentlichen Hauptversammlung der Ebersberger Firma appelliert die Unternehmensleitung in ungewöhnlicher Weise an die Aktionäre, den Kapitalschnitt mitzumachen. Sonst bestehe die Gefahr, dass die Gläubiger der bereits ausgegebenen Wandelanleihe "auf die Ausübung ihres Wandlungsrechtes verzichten und stattdessen bei Ende der Laufzeit ihren Rückzahlungsanspruch einschließlich der Zinsen geltend machen werden". Rückzahlungstermin ist der 14. Dezember 2007. Dass zu diesem Zeitpunkt die erforderlichen liquiden Mittel längst nicht mehr vorhanden sein werden, und das Unternehmen damit endgültig pleite wäre, hält der Vorstand für "realistisch".

Auch die Kreissparkasse Ebersberg, die MWG Biotech über viele Jahre hinweg begleitete, verfolgt diese Entwicklung mit Sorge. "Da wurden unternehmerische Entscheidungen getroffen, die nicht zielführend waren", sagte Sparkassen-Vorstand Andreas Frühschütz.

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