"Anker in der Informationsflut"

- München - Der Ort steht symbolhaft für den Anlass: Der Verband Bayerischer Zeitungsverleger (VBZV) feiert sein 50-jähriges Jubiläum in der Münchner Allerheiligen-Hofkirche. "Im Kriege zerstört und wieder aufgebaut, erstrahlt sie heute in neuem Licht", sagte Hanns-Jörg Dürrmeier, Zweiter Vorsitzender des VBZV und Gesellschafter des Süddeutschen Verlages.

Die fast 50 in dem Verband zusammengeschlossenen bayerischen Tageszeitungen bringen es auf eine tägliche Auflage von 2,68 Millionen Exemplaren.<BR><BR>Mit der Gründung des VBZV am 21. Januar 1955 in München wurden der Verein Bayerischer Zeitungsverleger - die Verleger, die von der US-Militärregierung seit dem 6. Oktober 1945 Lizenzen erhalten hatten - und der Landesverein Bayerischer Zeitungsverleger - in ihm waren die Altverleger organisiert - zusammengeführt. Diese konnten erst nach Inkrafttreten des Grundgesetzes im Mai 1949 und der bald folgenden Generallizenz im August ihre Zeitungen wieder erscheinen lassen.<BR><BR>Seitdem hat sich sowohl die Technik als auch das Erscheinungsbild der Zeitung sehr verändert. "In geradezu revolutionären Schritten hat sich die Herstellung der Zeitung vom Bleisatz über den Fotosatz zum digitalen Lichtsatz entwickelt", erzählt Hermann Balle, erster Vorsitzender des VBZV und Verleger des "Straubinger Tagblatt".<BR><BR>Neue Medien und sinkende Einnahmen aus dem Anzeigenverkauf sind nur eine von vielen Herausforderungen für die Hersteller von Tageszeitungen. Vor diesem Hintergrund appellierte Balle an die Politik, Handelsregistereintragungen nicht allein ins Internet zu verbannen, sondern weiter auch in den Tageszeitungen verpflichtend veröffentlichen zu lassen. Öffentlich seien die Eintragungen nur, wenn sie auch in den Medien, die nach wie vor die größte Reichweite haben, veröffentlicht würden.<BR><BR>Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, neben Ministerpräsident Edmund Stoiber Gastredner, sprach ein großes Problem der Verlage an: Dass nämlich bestimmte Anzeigen-Märkte ins Internet abwanderten. Stoiber meinte: "Die Unendlichkeit des Internets macht uns die Endlichkeit von Wahrheit bewusst. Die Zeitung dagegen ist ein Anker in der Informationsflut für den Leser." Während die Gesamtauflage der bayerischen Tageszeitungen im Vergleich zum Vorjahr stabil sei, habe der Umfang der Anzeigen erneut leichte Rückgänge zu verzeichnen. Anzeigen sähe das Münchner Stadtoberhaupt am liebsten in den Zeitungen und nicht auf Bussen oder Plakatwänden.<BR><BR>Die Tageszeitungen in Deutschland hätten im Gegensatz zu anderen Ländern nie Subventionen erhalten und wollten diese auch nicht. "Wir erwarten jedoch, dass wir auch in Zukunft unseren publizistischen Auftrag auf einer gesunden wirtschaftlichen Basis erfüllen können", betonte Balle. Bis auf wenige Ausnahmen seien die Zeitungsverlage von ihrer Größe und Struktur her klassische Mittelstandsunternehmen. Daher forderten sie auch, dass es keine Benachteiligung von Personengesellschaften gegenüber Kapitalgesellschaften geben dürfe.

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