Fremdwährungen

Das sind die Anlage-Alternativen zum Euro

München - Nach wie vor sorgen sich viele um die Zukunft des Euro. Doch nicht nur deshalb macht die Beimischung von Währungen im Portfolio Sinn.

Wohin es mit dem Euro geht, ist nach wie vor unklar. Zwar kehrte nach der Ankündigung der Europäischen Zentralbank im September, Staatsanleihen der Peripheriestaaten der Eurozone in unbegrenztem Umfang kaufen zu wollen, vorübergehend Ruhe an den Kapitalmärkten ein. Doch ist es mit der Ruhe inzwischen schon wieder vorbei. Gründe dafür waren jüngst erneut aufkeimende Sorgen um Griechenlands Zahlungsfähigkeit, aber auch die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs durch die Ratingagenatur Moody’s.

Tagesgeldkonten in Schweizer Franken

Nach wie vor ist also offen, wie es mit dem Euro weitergeht. Wird er wieder an Wert verlieren? Oder sollte die Gemeinschaftswährung doch noch zerbrechen? Fragen, die sich viele Anleger deshalb stellen. Und auf die die Beimischung fremder Währungen in einem Depot eine Antwort liefern kann. „Investments außerhalb des Euro können vor Verlusten schützen und die Wertentwicklung eines Depots stabilisieren“, sagt Gottfries Urban, Vermögensverwalter der Neue Vermögen AG in Traunstein. Je nach Risikoeinstellung des Anlegers hält er einen Fremdwährungsanteil von zehn bis 50 Prozent im Depot für ratsam.

Doch wie können Anleger in ausländischen Währungen investieren? Grundsätzlich gibt es zwei Herangehensweisen. Zum einen die Streuung auf andere, sehr sichere Währungen, um sich gegen ein Auseinanderbrechen der Eurozone zu schützen. Zum anderen die Beimischung von Fremdwährungsanleihen, um damit eine höhere Rendite als mit vergleichbaren Anlagen im Euroraum zu erzielen.

Wer Sicherheit sucht, sollte Länder wählen, die finanziell solide sind, und die eine sehr hohe Kreditwürdigkeit aufweisen. Eine Möglichkeit dort zu investieren, bieten Fremdwährungskonten. Das sind in einer ausländischen Währung geführte Tagesgeldkonten. Allerdings werden sie in der Regel gar nicht oder nur niedrig verzinst. „Sie sind deshalb nur dort empfehlenswert, wo es keine sinnvolle Möglichkeit gibt, in Staatsanleihen zu investieren“, urteilt Ottmar Wolf, Vorstand der Wallrich Asset Management AG. Dies gelte derzeit insbesondere für den Schweizer Franken.

Höhere Renditen in Schwellenländern

Wer sonst nach Sicherheit sucht, ist bei Staatsanleihen besser aufgehoben. Zu den Favoriten vieler Anlageprofis zählen derzeit unter anderem die Staatspapiere Schwedens, sowie die der rohstoffreichen Nationen Norwegen, Kanada oder Australien. Allerdings sind die Währungen Schwedens und Norwegens nach Einschätzung von Vermögensverwalter Urban bezogen auf die Kaufkraft auch schon sehr teuer.

Wer aus Renditeaspekten Fremdwährungen beimischt, wird vor allem in den Schwellenländern fündig. Nach Angaben von BNP Paribas bietet zum Beispiel der asiatische Anleihenmarkt zum Teil Renditen von um die acht Prozent – deutlich mehr als die 1,3 Prozent, die zehnjährige Bundesanleihen zurzeit abwerfen. Auch Experte Wolf sieht Chancen in den Schwellenländern. „Viele dieser Länder sind kaum verschuldet und verfügen über hohe Devisenreserven“, sagt Wolf. Zudem wachsen sie derzeit dynamischer als die Industrieländer, was, neben einer höheren Verzinsung, auch die Chance auf Wechselkursgewinne mit sich bringt.

Die Risiken sind hier jedoch auch höher. Solche Länder sind zum Teil politisch instabil. Zudem sind Wechselkursentwicklungen keine Einbahnstraße. Währungsverluste können selbst einen hohen Renditevorteil rasch aufzehren. Anleger sollten hier Fonds vorziehen, die in Anleihen in lokalen Fremdwährungen investieren und bei denen ein professioneller Manager die Selektion der Anleihen und Währungen vornimmt.

US-Aktien als Alternative

Immerhin gab es Fonds, die sich auf Sicht von drei Jahren und auch über längere Zeiträume recht gut entwickelten. So gelang es dem auf Lokalwährungsanleihen aus den Emerging Markets spezialisierten Fonds von Julius Bär auf Sicht von zehn Jahren eine jährliche Wertsteigerung von fast acht Prozent zu erzielen. Auf Sicht von drei Jahren entwickelte sich der UBAM Local Currency Emerging Markets mit einem jährlichen Plus von rund 15,8 Prozent am besten (siehe Tabelle). Anleger sollten aber genau hinsehen. Die schlechtesten Körbe konnten nämlich nur vier bis fünf Prozent zulegen.

Aber auch mit Aktieninvestments können Anleger ihr Währungsengagement diversifizieren. Ein Beispiel: Wertet der US-Dollar gegenüber dem Euro auf, dann machen Anleger aus dem Euroraum mit einer US-Aktie einen Gewinn, auch wenn sich der Aktienkurs selbst nicht bewegt. Die Beimischung von internationalen Dividendentiteln, die in fremder Währung notieren, kann deshalb ebenfalls interessant sein. „Allerdings sollten Anleger nicht den Währungsaspekt, sondern schon die mögliche Kursentwicklung der jeweiligen Aktien in den Vordergrund stellen“, schränkt Wolf ein.

In jedem Fall haben Anleger mit der Beimischung anderer Währungen aber eine Versicherung für den schlimmsten Fall. „Niemand kann derzeit mit Gewissheit sagen, wie es weitergeht“, sagt Urban. „Sollte der Euro wirklich weiter abwerten oder gar auseinanderfallen, dann schützt eine Streuung der Anlagegelder auf andere Währungen.“

Von Gerd Hübner

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