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Durch schlechte Beratung verloren Anleger Milliardensummen. Ein neues Formular soll Bankkunden über Risiken informieren und die Beratung dokumentieren.

Anlageberatung

Anlageberatung: Formblatt dokumentiert Banken-Rat

München - Ein neues Formular soll mehr Transparenz bei Anlageberatung bringen. Doch Verbraucherschützer bleiben skeptisch.

Die Anlegerberatung bei den Banken soll künftig besser sein. Die Institute können jetzt ein neues Produktinformationsblatt benutzen, das vom Bundesverbraucherschutzministerium (BMELV) entwickelt wurde. Das Formular soll die Kunden klar und übersichtlich unter anderem über Risiken und Rendite der jeweiligen Anlage informieren und soll ihnen den Vergleich zwischen verschiedenen Finanzprodukten erleichtern. Nach Ansicht des Ministeriums ist das Papier „ein ganz großer Fortschritt für den Verbraucherschutz“.

Das Produktinformationsblatt umfasst zehn Punkte, die genau Auskunft über die jeweilige Anlage, zum Beispiel Aktienfonds, geben. Neben Beschreibungen des Produkts werden Kurs- und Geschäftsrisiko sowie Emittenten- und Fremdwährungsrisiko angesprochen. Bezüglich der Rendite gibt es Erläuterungen zu den Chancen für laufende Erträge und Kursgewinne. Zugleich werden die Kosten beim Kauf und Verkauf des Wertpapiers, Verwaltungsgebühren, Provisionen sowie die Gesamtkosten angegeben. Auch Verfügbarkeit von Fondsanteilen und Besteuerung werden erläutert.

Probleme bleiben bestehen

Das Produktinformationsblatt sei von den Kreditinstituten positiv aufgenommen worden und werde bereits angewandt, sagte eine Ministeriumssprecherin. Man sei zudem optimistisch, dass es „künftig vielfach zum Einsatz kommt“. Verbraucherschützer sind jedoch skeptisch. „Das Papier bietet Orientierung, es löst aber nicht die aktuellen Probleme in der Anlageberatung“, sagte Dorothea Mohn, Finanzexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Ein wesentlicher Nachteil sei, dass eben nicht alle Kunden davon profitierten. „Der Einsatz des Informationsblattes ist freiwillig, und so ist unklar, welche Banken es einsetzen werden“, betonte Mohn.

Die Stiftung Warentest beurteilt das Papier ähnlich. Auch mit dem an sich guten Ministeriumsformular seien Geldanlageangebote vor allem für wenig erfahrene Verbraucher schwer durchschaubar, und für die richtige Anlageentscheidung reiche das Papier ohnehin nicht aus. „Wichtigste Voraussetzung für eine passende Anlage ist weiterhin die unabhängige und kundenorientierte Beratung“, sagte Karin Baur vom Magazin „Finanztest“. Den Banken gehe es jedoch meist um den Verkauf von Produkten, an denen das Institut jeweils selbst am meisten verdiene.

Checkliste mit Beratungsprotokoll

Anleger, die sich nicht auf den Einsatz des neuen Produktinformationsblattes verlassen wollen, können selbst aktiv werden. Dazu bietet das Ministerium eine Checkliste mit Beratungsprotokoll an. Sie wurde von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen entwickelt und ist auf der Internetseite des Verbraucherschutzministeriums als Download verfügbar. Die Checkliste enthält beispielsweise Abfragen zu den finanziellen Verhältnissen, Erfahrungen mit Finanzprodukten, Risikobereitschaft und Renditeerwartungen. Das Protokoll umfasst die konkrete Empfehlung des Anlageberaters mit Begründung, die Kosten sowie Angaben zu den ausgehändigten Unterlagen.

Checkliste und Beratungsprotokoll werden von Kunde und Berater unterschrieben. Das bringt zugleich Rechtssicherheit, denn wenn das Anlagegeschäft schiefgeht, kann man später die Empfehlungen auf ihre Richtigkeit hin überprüfen lassen. Weigert sich ein Berater, die Checkliste in die Beratung einzubeziehen und das Protokoll auszufüllen, sollte der Kunde kein Geschäft abschließen, betonen die Experten. Seriöse Berater hätten nichts zu verbergen und dürften daher auch kein Problem mit der Dokumentation ihrer Empfehlungen haben.

Bis zu 30 Milliarden Euro Schaden

Ab 2010 müssen die Banken ohnehin jede Anlageberatung protokollieren und das Protokoll dem Kunden aushändigen. Auf diese Weise soll die Qualität der Anlageberatung deutlich verbessert werden. Denn nach einer Studie des Verbraucherschutzministeriums werden zwischen 50 und 80 Prozent aller langfristigen Anlagen vorzeitig mit Verlust abgebrochen. Den jährlichen Schaden, der Anlegern durch schlechte Finanzberatung entstehe, beziffern die Experten mit 20 bis 30 Milliarden Euro jährlich.

Von Manfred Rolfsmeier

Hilfe im Internet

www.bmelv.de

www.test.de

www.vzbv.de

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