Das Bild eines erfolgreichen Sportlers. Daniel Uckermann auf dem Rennwagen mit dem er die GT4-Serie gewann. Auf die Miete für das Auto wartet die Firma, der es gehört, bis heute.

Anlagebetrug per Schneeballsystem

Der schnelle Daniel flieht vor seinen Kunden

München - Hunderte, möglicherweise sogar tausende Anleger haben ihr Vermögen bei einem Schneeballsystem verloren. Der Betreiber hat sich abgesetzt.

Daniel Uckermann ist schnell, sehr schnell sogar. Als Hobbyrennfahrer hatte er den Gesamtsieg der sogenannten GT4-Serie bereits Ende August vor den letzten beiden Rennen in der Tasche. Da trat er gar nicht mehr an. Konnte er auch gar nicht. Denn da war Daniel Uckermann bereits auf der Flucht vor Gläubigern. Er hat mit einem Schneeballsystem gutgläubige Anleger, die ihm bis zu 200 000 Euro anvertraut hatten, um ihr Geld gebracht. Doch auch seinen Geschäftspartnern schuldet er hohe Summen.

Den Anlegern hat er das Blaue vom Himmel versprochen. Von drei Prozent Rendite im Monat berichtet der Münchner Rechtsanwalt und Steuerberater Rudolf L. Müller. Das wären mit Zinseszins mehr als 42 Prozent im Jahr. Hunderte, möglicherweise auch Tausende griffen begierig zu. Manche investierten 2000 Euro, im Durchschnitt geht es offenbar um Summen um die 50 000 Euro. Der Schaden kann bisher nur geschätzt werden. Von 100 Millionen Euro ist die Rede. Es könnte weit mehr sein.

In Edelmetalle versprach Uckermann zu investieren und in Finanzinstrumente. Eigentlich sollte diese unklare Angabe schon die Alarmglocken schrillen lassen. Oder das Wort „Nachrang-Darlehen“. Das bedeutet: Die Anleger legten ihr Geld nicht an. Sie liehen es Uckermann, genauer seiner „Premium Safe Ltd. & Co. Verwaltungs KG“. Und das in einer Form, in der sie im Pleite-Fall ganz hinten in der Reihe der Gläubiger anstehen.

Dazu kommt: Ltd., steht für Limited. Das ist die britische Form der GmbH. Mit dem Vorteil für den Firmeneigner, dass kein Mindestkapital erforderlich ist. Das ist gleichzeitig der Nachteil für Gläubiger, dass im Fall der Pleite dort nicht viel zu holen ist.

Auch das ein Alarmsignal. Doch die Anleger schreckte das s nicht ab. Immerhin wurde ja denen, die Uckermann und seiner Vertriebsmannschaft vertrauten, auf ihrem monatlichen Kontoauszug hohe Gutschriften signalisiert. Das Vermögen schien tatsächlich zu wachsen. Den wenigen, die Geld sehen wollten, wurden das Ersparte und die erklecklichen Erträge auch ausgezahlt. Das machte Eindruck auf andere. Dass im Prospekt die Möglichkeit eines Totalverlusts eingeräumt wird, haben angesichts dessen viele Anleger verdrängt.

Von einem „klassischen Schneeballsystem“, spricht Anwalt Müller. Das geht nur gut, solange genug Geld neu dazukommt, um Auszahlungswünsche zu befriedigen. Das hat seit einigen Monaten nicht mehr geklappt. Immer mehr Anleger bekamen nichts mehr und fragten nun in Internetforen nach ihrem Geld und endlich auch nach der Sicherheit ihrer Anlage. Viele Antworten waren ausweichend und mieden die schmerzhafte Wahrheit: Die Anleger werden wohl nichts mehr wiedersehen.

Noch ist nicht geklärt, wohin das Geld geflossen ist. Klar ist: Der Lebensstil von Daniel Uckermann war nicht gerade billig. Vor allem das Rennsport-Hobby ging richtig ins Geld. Die Miete für den Rennwagen ist teuer. Auch der Rundumservice bei den Veranstaltungen geht richtig ins Geld: Für Mechaniker, medizinische Betreuung und das ganze Drumherum. Besonders dann, wenn man sich – wie Daniel Uckermann – auch gern einmal im Hubschrauber an die Rennstrecke fliegen lässt.

Allerdings wurden zumindest in den letzten Monaten Anleger-Gelder für solche Dinge nicht mehr zweckentfremdet. Uckermann stellte auch die Zahlungen an Geschäftspartner ein. Mehreren Unternehmen schuldet er mittlerweile hohe fünfstellige Summen. „Wenigstens habe ich kein privates Geld bei ihm angelegt“, sagt ein Opfer, das nicht genannt werden will. Seit Ende August ist er auch für sie nicht mehr erreichbar. Einigen platzte nun der Kragen. Geprellte Anleger aber auch Anteilseigner einer GmbH, an der Uckermann beteiligt war, wandten sich an die Polizei. Er hatte ohne Zustimmung seiner Partner die Firmemkonten leergeräumt. Eine sechsstellige Summe fehlte plötzlich.

Das Geld ist inzwischen außer Reichweite der deutschen Justiz. Denn als Anfang dieser Woche Ermittler die Wohn- und Geschäftsräume des Finanzvermittlers durchsuchten, war er mit Frau und Kind untergetaucht.

In Südafrika könnte er sein, vermuten Bekannte des Verschwundenen. Andere denken an Kongo. Denn in dem afrikanischen Land hat er sich den Titel eine Honorarkonsuls gekauft. Selbst mit hohem techischem Aufwand wird Uckermann für die Ermittler kaum mehr zu orten sein. „Mein Handy werfe ich ins Meer“, hatte er Mitarbeitern gesagt, bevor er selbst abtauchte. Das Gerät dürfte mittlerweile am Meeresgrund angekommen sein.

Martin Prem

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