Anlageschutzarchiv bringt Licht ins Dunkel dubioser Angebote

- Die Jagd der Anleger nach Traumrenditen beschert Abzockern exzellente Geschäfte. Allein 2002 entstand durch Anlagebetrügereien nach Schätzungen des Bundeskriminalamts ein Schaden von 20 Milliarden Euro. Der Deutsche Anleger Schutzbund (DASB) geht sogar von 30 Milliarden Euro aus. Mit dem vor drei Jahren gegründeten Anlageschutzarchiv hat die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) Abzockern den Kampf angesagt.

<P>Der kostenlose Internet-Service informiert über die neuesten Tricks am Grauen Kapitalmarkt und nennt die Namen der Unternehmen. "Unser Online-Archiv gibt Anlegern kostenlos Einblick in 4500 Datensätze zu 1300 Firmen", sagt Initiator Christoph Öfele. Dabei handelt es sich um Berichte zu Unternehmen, die in der Fachpresse negativ aufgefallen sind. Hinzu kommt ein umfangreiches Personenarchiv, da bei vielen Betrügereien immer wieder dieselben Initiatoren aktiv werden.</P><P>Einen Boom verzeichnen die Experten derzeit bei unseriösen Immobilien-Geschäften. Dabei werben Anbieter mit dem vorbörslichen Verkauf von Immobilien-Aktien und dem späteren Börsengang. "Es werden Gelder unter dem Vorwand eingesammelt, man betreibe Immobilien-Daytrading, aber so etwas gibt es gar nicht", sagt Öfele. Mindestens zehn Firmen seien derzeit mit dieser Masche am Markt aktiv, einige präsentierten gar einen vom Bundesaufsichtsamt genehmigten Börsenprospekt oder tatsächlich existierende Immobilien. "Aber das sagt nichts aus, das investierte Geld ist weg", betont der Diplom-Volkswirt.</P><P>Besonders aktiv sind auch unseriöse Systemlotto-Anbieter. "Da wird beispielsweise eine Auszahlung von 2400 Euro garantiert, wenn man ein Jahr lang mitspielt und nichts gewonnen hat", sagt Öfele. Die Anbieter ließen sich vom Interessenten eine Einzugsermächtigung geben. Kurz vor dem Abtauchen der Anbieter würden dann plötzlich hohe Beträge bis zu 1000 Euro vom Konto abgebucht. Mit einer besonders abenteuerlichen Geschichte versucht es derzeit die berüchtigte "Nigeria-Connection". Potenzielle Kunden erhalten E-Mails eines angeblichen Schwiegersohns des ehemaligen irakischen Außenministers Tarik Asis. Er habe vor der US-Invasion 50 Millionen Dollar vor dem Zugriff gerettet und brauche nun saubere Konten. Die sollen ihm Anleger zur Verfügung stellen, anschließend werde man sich die Summe teilen, berichtet Öfele. Für diese Transaktion sollten Anleger Beträge bis 100 000 Dollar überweisen, um Beamte zu schmieren.</P><P>"Insgesamt gibt es einen Trend am Grauen Kapitalmarkt, sich seriöser zu präsentieren", sagt Öfele. Rückläufig seien beispielsweise dubiose Warentermin- und Optionsgeschäfte. Grund dafür sei, dass von den Anbietern inzwischen ein Qualifikationsnachweis verlangt werde. Ansonsten werde aber die komplette Palette unseriöser Produkte von stillen Beteiligungen über Diamantengeschäfte bis zu Pennystocks angeboten.</P><P>Das Angebot des Anlageschutzarchivs ist äußerst erfolgreich. Die monatliche Zahl der Website-Besucher hat sich seit der Gründung vor drei Jahren auf 60 000 verdoppelt, und 20 000 Interessenten beziehen inzwischen den kostenlosen Newsletter. Sehr begehrt ist auch der Erste-Hilfe-Service. Dabei können Anleger die Seriosität eines Angebots kostenlos von den Experten prüfen lassen. Manchen Unternehmen ist die Arbeit von Öfele und seinen Kollegen allerdings ein Dorn im Auge. "Gelegentlich gibt es Drohungen, einige drohen auch mit Klagen, aber unser Service ist rechtlich nicht angreifbar", betont er. Die Hoffnung, dass die Aufklärungsarbeit zu mehr Vorsicht bei den Anlegern führen könnte, hat sich bislang allerdings nicht erfüllt. "An der Leichtgläubigkeit vieler Anleger haben weder der Niedergang der Börse noch die spektakulären Pleiten oder Betrügereien etwas geändert", sagt Öfele.</P><P>Berichte über schwarze Schafe gibt es im Internet unter: http://www.anlageschutzarchiv.de/</P>

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