Anlauf für den Aufschwung

- Wiesbaden - Die deutsche Wirtschaft ist nach jahrelanger Durststrecke wieder auf dem Weg nach oben. Beflügelt von den starken Exporten hat sich die Wirtschaft 2004 von drei Jahren Dauerstagnation erholt und mit 1,7 Prozent Wachstum das erste nennenswerte Plus seit 2001 verbucht. "Deutschland kommt aus dem Tief", sagt Volkswirt Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. "Wir nehmen Anlauf für den Aufschwung." Experten erwarten 2005 eine weitere Erholung. Die Spannbreite der Prognosen reicht von unter einem bis knapp zwei Prozent.

<P>"Es geht aufwärts", sagt auch der Chefvolkswirt der Dresdner Bank/Allianz-Gruppe, Michael Heise. "Das Wachstum wird solider." Von einem Aufschwung sprechen die Experten noch nicht, weil Deutschland mehr Wachstumsmöglichkeiten hat und im internationalen Vergleich weiter hinterher hinkt. Während die Weltwirtschaft 2004 mit nahezu vier Prozent Wachstum ihr bestes Jahr seit langem erlebte, verbuchte Deutschland nur einen mageren Zuwachs und konnte nicht einmal den Anstieg der Arbeitslosigkeit stoppen. Bereinigt um die fünf zusätzlichen Arbeitstage blieb 2004 nur eine Wachstumsrate von 1,1 Prozent übrig. "Man sollte das Wachstum nicht klein reden, denn es war überdurchschnittlich", mahnt der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johann Hahlen.<BR><BR>Es gibt durchaus Grund zur Zuversicht. Kaum ein anderes Land hat so stark vom globalen Aufschwung profitiert wie Deutschland. Die ohnehin schon beeindruckenden Exporte stiegen 2004 um 8,2 Prozent und brachten Deutschland wieder den Titel des "Exportweltmeisters" ein. 2005 werden die Exporte wegen der abflauenden Weltkonjunktur zwar nicht mehr ganz so stark zulegen - aber sie werden immer noch als Wachstumsmotor dienen.<BR><BR>Zum anderen soll 2005 endlich auch die Binnenkonjunktur wieder anspringen. "Die Unternehmen werden in diesem Jahr investieren und ihre Anlagen modernisieren", sagt der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter. "Das müssen sie tun, um wettbewerbsfähig zu bleiben." Mit Kostensenkungen und Zukunftsverträgen hätten viele Firmen im vergangenen Jahr ihre Gewinne gesteigert und ausreichend Geld in den Kassen. Der Standort Deutschland sei durch die Arbeitsmarktreform Hartz IV und die moderate Lohnpolitik attraktiver geworden.<BR><BR>Da fehlt nur noch der König Kunde. Die Konsumenten haben auch 2004 wegen der geringen Lohnsteigerungen, neuen Steuern und aus Jobangst nicht zum Wachstum beigetragen. "Die Leute werden in diesem Jahr wieder kaufen und einen positiven Beitrag zum Aufschwung leisten", prognostiziert Chefvolkswirt Heise. "Es liegt ja nicht daran, dass sie keine Lust zum Konsumieren haben, sondern dass es zu viele Unsicherheiten gab." Der Einzelhandel sieht nach einem guten Weihnachtsgeschäft bereits Anzeichen für eine Trendwende.<BR><BR>Die wirtschaftliche Erholung soll auch den Arbeitsmarkt entlasten. Die Zahl der Beschäftigten wird laut Prognose der Dresdner Bank 2005 um 250 000 oder ein Prozent steigen. "Das sind zwar viele Teilzeit- und Minijobs, aber es ist besser, als gar nicht zu arbeiten", sagt Heise. Risikofaktoren bleiben auch in diesem Jahr Ölpreise und Euro-Höhenflug. "Deswegen werden wir im ersten Halbjahr eine Konjunkturdelle erleben, aber danach wird die Wirtschaft Fahrt aufnehmen", erwartet die Deka-Bank.<BR></P>

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