Anlegen fürs Alter: Skepsis schützt vor Reinfällen

Stark schwankende Börsenkurse und unattraktive Anleiherenditen sowie Zinsen machen es Anlegern schwer. Wer einen langen Atem hat, kann Schwächeperioden aussitzen. Doch was tun, wenn man sein Erspartes bald braucht? Wir sprachen mit Eberhard Beer (62) von den „Alten Hasen“.

Was können vor allem ältere Anleger tun, die ihr Erspartes in überschaubarer Zeit nutzen wollen?

Ganz einfach: Tagesgeld, Festgeld. Und auf eines achten: Deutsche Einlagensicherung. Günstige Angebote sollte man nutzen. Aber Vorsicht: Vieles was attraktiv klingt, ist oft begrenzt auf eine bestimmte Einlagesumme oder einen bestimmten Zeitraum. Direktbanken, bei denen man alles selber machen muss, bieten oft günstigere Konditionen als die Filialbank um die Ecke.

Doch Zinsen sind nach Steuern nicht mehr attraktiv. Nach Steuern bleibt nicht einmal ein Inflationsausgleich.

Wer eine Nichtveranlagungsbescheinigung hat oder im Rahmen des Sparerfreibetrags liegt, bleibt steuerfrei. Alle anderen bekommen keinen Inflationsausgleich. Mit längerfristigen Angeboten – nicht über zwei, drei Jahre – kann man noch etwas machen: Den Jahresbedarf als Tagesgeld anlegen, was man erst später braucht, kann man etwas länger festlegen.

Wie aber steht es mit Anleihen?

Der Bund als Schuldner ist weitgehend uninteressant. Mit einer Ausnahme: Die inflationsindizierte Bundesanleihe. Aber die kann man nicht nicht kostenfrei bei der Finanzagentur kaufen, deponieren und verkaufen. Man braucht also eine Bank mit äußerst günstigen Konditionen fürs Depot.

Gibt es Alternativen?

Norwegische Staatsanleihen kann man über die Kreditanstalt für Wiederaufbau kaufen. Wer dem Euro nicht traut, kann sich das überlegen. Möglich sind auch kanadische und australische Staatsanleihen. Aber man hat damit ein Währungsrisiko.

Aber es gibt auch Länder, von denen man das Gefühl hat, die fangen sich wieder. Wie steht es mit Irland?

Wer sein Geld zusammenhalten muss, sollte davon die Finger lassen. Wer viel Geld hat und einen kleinen Teil davon als Spielgeld einsetzen will, kann das machen. Risikobehaftete Papiere sollte man nur für die Summe kaufen, von der man bereit ist, sie zu verlieren.

Warum nicht Aktien? Es gibt ja Dividendenrenditen, die alles schlagen, was man auf dem Zinsmarkt bekommt.

Das ist durchaus richtig. Viele Aktienwerte bieten eine höhere Ausschüttung als Rentenwerte. Da gibt es viele Dinge: Nicht nur Einzelaktien, sondern auch Fonds, die spezialisiert sind auf dividendenstarke oder eigenkapitalstarke Werte. Das kann man sich durchaus überlegen. Oder auch Fonds mit Aktien kleinerer Unternehmen.

Viele Fonds fallen durch eine merkwürdige Provisions-Politik auf.

Da geht es zunächst um den Ausgabeaufschlag. Bei vielen Banken ohne Beratung werden Fonds mit reduziertem oder ganz ohne Aufschlag verkauft. Bei bestimmten Fonds kann man auch zwischen Ausgabeaufschlag oder einer erhöhten Verwaltungsgebühr wählen. Da kommt es auf den Zeithorizont an.

Aber es gibt auch Erfolgsprovisionen der Verwalter, die selbst dann kassiert werden, wenn der Wert des Ersparten fällt.

Da gibt es nur eines: Sich den letzten Geschäftsbericht besorgen und nachlesen. Da steht das alles drin – auch die Verwaltungskosten. Wer sich damit beschäftigen will, hat die Möglichkeit über die Bank, über die Fondsgesellschaft, übers Internet. Vorsicht ist angebracht, wenn einem ein Bankberater mit Hochglanzprospekten einen Fonds verkaufen will, der neu aufgelegt ist. Ich halte mehr von altgedienten Fonds. Die kann man über zehn, 15 oder gar 20 Jahre zurückverfolgen. Wenn einer immer unter den ersten zehn gelegen hat, gibt es eigentlich keinen Grund zur Befürchtung, dass der morgen nicht mehr da ist.

Doch auch einige hochgelobte alte Fonds haben Anleger in den letzten Jahren enttäuscht.

Es gibt einig, die schon totgesagt wurden, die aber jetzt immer wieder ganz oben stehen. Die langfristig guten fangen sich auch wieder, wenn sie auch einmal eine längere schwache Phase haben. Um die guten herauszufinden, sollte man Vergleichsportale im Internet zu Rate ziehen. Da sieht man nicht nur wie im Prospekt, dass ein Fonds gut gelaufen ist, man findet auch die fünf, die besser gelaufen sind. Man sollte genau hinsehen, Skepsis entwickeln, nachfragen.

Gibt es Alternativen zu Fonds?

Man kann ETFs (börsengehandelte Fonds, die meist passiv verwaltet werden, etwa Indexfonds – die Redaktion) ansehen. Aber man muss schauen, was wirklich drin ist. Beispielsweise, ob in einem Dax-ETF wirklich die Dax-Werte enthalten sind. Es gibt zum Beispiel einen ETF über die tschechische Börse, die zu achzig Prozent von einem Wert geprägt ist. Da kann man gleich diese eine Aktie kaufen. Und man muss in den Bedingungen schauen, was ein ETF darf. Es gibt Mischkonstruktionen, bei denen bis zu 100 Prozent in einen Wert gesteckt werden können.

Wie stehen Sie zu geschlossenen Fonds, die ja wieder verstärkt beworben werden?

Ein geschlossener Fonds, heißt: Man ist wirtschaftlich beteiligt und zehn bis 15 Jahre gebunden. Und er setzt voraus, dass ich mich bei dem, woran ich mich beteilige, auskenne. Egal ob Flugzeug, Immobilien oder Schiffe, es gilt: Mitgefangen, mitgehangen. Eventuell sogar mit Nachschusspflichten. Und man sollte am Zweitmarkt – etwa im Internet über entsprechende Portale – überprüfen, wie sich ein Fonds schlägt. Wenn er gleich 40 Prozent unter dem Nominalwert gehandelt wird, heißt das: Finger weg. Dann gibt es auch welche, für die 120 Prozent geboten werden. Doch solche Perlen bekommt man meist nicht.

Dann gibt es noch die glänzende Anlageklasse: Gold.

Warum nicht fünf oder acht oder zehn Prozent des Vermögens in Gold halten? Das kann man machen. Dann sollte man aber die richtigen Stückelungen nehmen, mit denen man auch etwas anfangen kann. Das muss gängig und handelbar sein. Nicht zu niedrig, dann ist der Aufpreis zu hoch. Nicht zu hoch, dann kriegt man das Gold nicht mehr los: Also Maple Leaf oder Krügerrand. Und man sollte nicht an Verzinsung oder den Wert denken. Das ist nur für Notzeiten gedacht. Wenn ich mit Gold spekulieren will, dann kann ich in Fonds oder Goldaktien gehen.

Lohnt sich das noch?

Man muss vorsichtig sein. Da gab es zum Beispiel Angebote, bei denen Tagesgeldzinsen an den Goldpreis gekoppelt sind. Steigt der Preis in einer Woche um fünf Prozent, bekommt man den Wochenanteil von fünf Prozent Jahreszins. Wenn man nur zwei Prozent Zinsen haben will, muss der Goldpreis sich in einem Jahr verdoppeln. Das steht alles im Prospekt. Man muss es nur lesen. Aber Gold glänzt. Da wird die Vernunft oft ausgeschaltet.

Interview: Martin Prem

Rubriklistenbild: © dpa

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