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Dr. Alexander Seibold ist geschäftsführender Gesellschafter der Dr Seibold Capital GmbH in Gmund am Tegernsee.

Anleger brauchen neue Regeln

Privatanleger leiden unter langfristig schlechten Ergebnissen in ihren Anlagedepots. Ein Grund könnten überholte Leitbilder für die Geldanlage sein. Darum ist es Zeit für einen Paradigmenwechsel in der Vermögensverwaltung.

Über Jahre hinweg wurde Anlegern erzählt, kaufe Aktien, lasse sie lange liegen und sorge für eine breite Streuung. Diese Anlagegrundsätze scheinen jetzt nicht mehr zu gelten – obwohl sie bisher zu positiven Wertentwicklungen geführt haben: In den Dekaden von 1980 bis 1990 und 1990 bis 2000 stiegen die Aktienmärkte stetig an. Das Aktienbarometer DAX legte in der ersten Zehnjahres-Periode 275 Prozent, im zweiten Abschnitt um 350 Prozent zu. In dieser Zeit manifestierte sich die Praxis, dass ein bestimmter Aktienanteil immer in einem Anlagedepot integriert sein sollte. Das Zauberwort war Buy and Hold, englisch für „Kaufen und liegen lassen“. Nach dem verbreiteten Lebenszyklus-Modell sollte die Aktienquote in jungen Jahren des Anlegers hoch sein, und im Laufe der Jahre reduziert wird. Eine zweite These aus dieser Phase ist das Diversifikations-Diktum. Eine genügend große Zahl an Anlageklassen im Depot sollte für eine schwankungsarme Wertentwicklung sorgen, bei grundsätzlich aufwärts gerichteter Entwicklung.

Die lange Aktienbaisse von 2000 bis 2003 brachte den ersten Riss in die Buy- and-Hold-These für Aktien. Im Nachhinein steht fest, dass ein 20jähriger Bullenmarkt, befeuert von laxer Geldpolitik und Disinflation, an sein Ende gelangt ist. Als Reaktion begann die zweite Phase der Entwicklung der Vermögensverwaltung, mit Schlagwörtern wie „Absolute Return“ oder „Superfonds“. Bei genauem Hinsehen war es allerdings nur eine Variation der Streuungs-These. Nur wurden Aktien und Anleihen um weitere Anlageklassen wie Rohstoffe und Immobilien ergänzt. Dahinter stand aber wieder eine starre Verteilung mit nur einem begrenzten aktiven Management.

Spätestens seit dem Herbst 2008 ist klar, dass auch eine breite Streuung keine Garantie für positive Wertentwicklungen bedeutet. Der Grund dafür ist die starke Vernetzung der Weltwirtschaft sowohl regional wie auch zwischen den Anlageklassen. Die Korrelation der Wertentwicklung zwischen Anlageklassen hat stark zugenommen.

Ich stehe den Thesen Buy-and-Hold und statische Diversifikation schon seit jeher skeptisch gegenüber. Eine flexible Anlagestrategie, die bei jedem Investment das eingegangene Risiko berücksichtigt, besitzt größere Erfolgschancen. Dafür ist ein Fokus auf liquide Investitionsobjekte nötig, wie börsennotierte Indexfonds (ETFs), die gerade in den vergangenen zwei Jahren ihr Einsatzgebiet wesentlich ausgeweitet haben.

Daneben kommen liquide Staatsanleihen, Geldmarktpapiere und Futures in Frage. Die zweite Voraussetzung für eine flexible, handelsorientierte Strategie ist ein konsequentes Risikomanagement. Vor jeder Investition sollte der Stopp-Kurs festgelegt, bei dem die Position wieder aufgelöst wird, falls sich die Kurse nicht wie erwartet entwickeln. Das entscheidende Risikomaß sind keine abstrakten Wahrscheinlichkeiten eines Verlusteintritts, sondern der Abstand zum Stopp-Kurs. Ausgestoppt zu werden ist dann keine Niederlage, sondern Gelegenheit, die Investmentidee neu zu überdenken – mit dem ruhigen Gewissen, dass die Verluste nur sehr gering waren.

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Dr. Alexander Seibold ist geschäftsführender Gesellschafter der Dr Seibold Capital GmbH in Gmund am Tegernsee.

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