Wie Anleger profitieren können

München - Gold ist so begehrt wie lange nicht mehr. Davon können auch Privatanleger durch den Kauf von Barren, Münzen oder Fonds profitieren. Doch niemand sollte alles auf das Edelmetall setzen ­ es drohen Rückschläge.

Unlängst war es so weit: Der Preis für Gold durchbrach an den Rohstoffbörsen erstmals seit Beginn der 80er-Jahre wieder die 800-US-Dollar-Marke (siehe Chart). Seit dem Börsencrash um das Jahr 2000 decken sich immer mehr Privatleute mit Gold und "güldenen" Wertpapieren ein. Kurz vor Weihnachten ist vor allem das Edelmetall als Münzen und Barren heiß begehrt. "Es gilt als sicherer Anlagehafen", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf. Und zwar schon seit 5000 Jahren.

Als Motor des neuen Höhenflugs gilt hauptsächlich der schwache Dollar. Fällt die US-Währung, steigt tendenziell auch der Goldpreis. "Diesen Zusammenhang kann man klar ausmachen", hat Roland Aulitzky von der Zeitschrift "Finanztest" beobachtet. Außerdem sei die Nachfrage in China wie Indien gestiegen. Weitere Gründe für den Goldrausch: Der hohe Ölpreis, die Furcht vor der steigenden Inflation und ein verstärktes Sicherheitsdenken der Anleger.

Das Zusammenspiel all dieser Faktoren hat bewirkt, dass sich der Goldpreis seit Jahresbeginn um etwa ein Viertel verteuerte, wie der deutsche Bankenverband erläutert. Schon im Jahr 2006 konnten sich Goldliebhaber über kräftige Renditen freuen. Wer jetzt noch auf den Zug aufspringen und investieren will, sollte sich des Risikos eines Rückschlags bewusst sein. "Man kauft nicht mehr billig", gibt DSW-Sprecher Kurz zu bedenken. Dennoch stünden die Chancen, dass der Boom weiter anhalte, "gar nicht schlecht". Auch Aulitzky ist zuversichtlich: "Derzeit sieht es so aus, als sei der Aufwärtstrend ungebrochen." Bricht die Nachfrage nach Gold plötzlich ein, muss allerdings mit schmerzlichen Verlusten gerechnet werden.

Grundsätzlich kann man Gold in physischer Form kaufen oder als börsengehandeltes Wertpapier in Form von Fonds, Zertifikaten oder Optionsscheinen. Ersteres ist deutlich teurer im Ankauf als Aktien. Dennoch ist Gold zum Anfassen derzeit besonders beliebt bei Anlegern, häufig auch als Weihnachtsgeschenk, wie von Banken und privaten Handelshäusern zu hören ist. Dabei ist zu beachten, dass Anleger dabei nur auf den Wertzuwachs spekulieren können. Laufende Erträge wie bei anderen Anlageformen gibt es beim Goldbarren nicht.

Wer sein Erspartes in das Edelmetall stecken will, sollte möglichst nicht zu kleine Barren oder Münzen kaufen, rät der Bankenverband. Für kleine Einheiten sind die Herstellungskosten größer. Das gute Stück kommt vergleichsweise teuer zu stehen. Der Ankaufspreis liegt ohnehin stets über dem Verkaufspreis. Für Summen unter 1000 Euro lohne sich die Investition gar nicht, winkt Kurz ab. Zudem ist zu beachten: Wer das Edelmetall kauft, ist immer vom Dollar-Kurs abhängig, trägt also ein Währungsrisiko.

Wer Goldmünzen bevorzugt, sollte gängige Standardprodukte wählen wie den südafrikanischen Krügerrand, den kanadischen Maple Leaf, den amerikanischen Eagle oder australischen Nugget. Sie lassen sich weltweit leicht wiederverkaufen, wenn sie zu Geld gemacht werden müssen (siehe Tabelle für aktuelle Preise).

Eine günstige Alternative zu handfestem Material sind Wertpapiere, die an der Börse gehandelt werden. Aulitzky hält Aktienfonds, bei denen der Anleger zum Mitbesitzer an "richtigem" Gold wird, für interessant. Das Prinzip funktioniert so: Der Investor kauft Fondsanteile eines Unternehmens, das Realgold lagert. Die Anteile sind damit physisch abgesichert. Ihr Wert orientiert sich am aktuellen Goldpreis. Deutsche Anleger tragen allerdings ein Dollar-Kursrisiko.

Preisgünstig sind auch Goldzertifikate. Sie verbriefen das Recht auf eine bestimmte Menge Gold, werden an der Börse gehandelt und bilden die Goldpreisentwicklung ebenfalls eins zu eins ab. Mehr Mut erfordert ein Investment in Goldminen- und Rohstofffonds oder Bergbauunternehmen, so Aulitzky. Die Produkte seien schwankungsanfällig. Anleger hängen nur indirekt von der Goldpreisentwicklung ab.

Ein Börseninvestment in Gold ist nach Ansicht von Anlegerschützer Kurz als Beimischung fürs Depot überlegenswert: "Einen Anlagehorizont von 10 bis 15 Jahren sollte man schon mitbringen." Zum schnellen Zocken sei das Edelmetall nicht geeignet.

Den aktuellen Goldkurs finden unsere Leser in den aktuellen Ausgaben auf der Seite "Börse" im Wirtschaftsteil. Dort sind neben den Kursen von Aktien und Fonds auch die An- und Verkaufspreise von Edelmetallen aufgelistet. Die Preise von Gold- und Silbermünzen werden montags auf "Geld & Markt" veröffentlicht.

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