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Börsengang am Donnerstag

Anleger vertrauen Snapchat-Aktie - aber es ist riskant

New York - Eine halbe Milliarde Dollar Jahresverlust und Aktien ohne Stimmrechte schreckten die Investoren nicht ab - der Börsengang der Firma hinter der Foto-App Snapchat bringt mehr Geld ein als gedacht.

Obwohl die Macher der populären Foto-App Snapchat beim Börsengang überhaupt kein Mitspracherecht geben, ist die Aktie gefragt. Die Firma Snap Inc. setzte den Ausgabepreis auf 17 Dollar fest - und damit sogar über der zuvor abgesteckten Spanne von 14 bis 16 Dollar. Die Platzierung erreicht damit ein Volumen von 3,4 Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro) und Snap wird zum Börsendebüt am Donnerstag insgesamt rund 24 Milliarden Dollar wert sein. Es ist der größte US-Börsengang seit die chinesische Handelsplattform Alibaba 2014 ihre Aktien platzierte.

Der Preis bedeutet, dass sich die Anleger darauf einlassen, Aktien ganz ohne Stimmrechte zu kaufen, weil die Gründer Evan Spiegel (26) und Bobby Murphy (28) die Kontrolle über das Unternehmen behalten wollen. Bei den beiden zusammen liegen fast 90 Prozent der Stimmrechte. Der Börsengang wird sie offiziell zu Multimilliardären machen. Auch frühe Investoren, die zum Teil sehr günstig bei Snapchat einstiegen, werden massiv profitieren.

Video: Wie funktioniert eigentlich dieses Snapchat?

Dabei hatten die im Börsenprospekt erstmals veröffentlichten Zahlen auch Schwachstellen im Geschäft offengelegt. So stockte das früher rasante Wachstum der Nutzerzahlen Ende des vergangenen Jahres plötzlich. Snapchat hatte demnach im Schlussquartal 2016 im Schnitt rund 158 Millionen User am Tag. Im Vergleich zum dritten Quartal kamen nur noch fünf Millionen Nutzer hinzu.

Der Jahresumsatz sprang zwar von 58,6 auf 404,5 Millionen Dollar hoch, weil das Geschäft mit Werbeanzeigen in Fahrt kam. Die Verluste waren aber weiter deutlich höher. Snap verlor im vergangenen Jahr 514,6 Millionen Dollar, nach einem Fehlbetrag von knapp 373 Millionen Dollar 2015. Als Snap bei Investoren in London und New York für die Aktie warb, machten laut Medienberichten viele ihren Zweifeln Luft. Am Ende war die Nachfrage bei der Aktie dennoch stark. Snapchat wird als einer der wenigen Plattformen zugetraut, die Dominanz von Facebook bei Online-Netzwerken aufzuweichen.

Snapchat wurde vor allem bei jungen Nutzern populär mit Fotos, die nach dem Ansehen von alleine wieder verschwinden. Inzwischen wird die App auch stärker für Kommunikation genutzt und zu einer Plattform für Medieninhalte ausgebaut. Neben der App produziert Snap auch eine tragbare Kamera („Spectacles“) in Form einer Sonnenbrille und bezeichnete sich selbst als „Kamera-Firma“.

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Mit knapp 1,9 Milliarden Usern täglich sind Facebook, Instagram, Snapchat und Twitter die meistgenutzten Social-Media-Dienste weltweit. Wir zeigen Ihnen die unterschiedlichen Funktionen.

dpa

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